Samstag, 7. Mai 2011

Der Lenz ist da


... und dies schon eine ganze Woche lang. Viel zu schnell vergeht er immer, der Wonnemonat, der uns die Fenster und Türen aufreißen lässt, uns in die überbordende Natur schickt, die Farbe Maigrün in die Farbkästen legt und die Liebe (oder die Sehnsucht danach) in Herz und Lenden zaubert.
Soviel möchte ich immer tun im Mai.
Ich begann mit dem Schmökern in Zeitschriften, welche Wörter wie "Garten" und "Wohnen" im Titel führen und die im Hause meiner lieben Frau Mama verstreut liegen.



Ich werde also nachher einen Maiglöckchenzweig für einige Wochen zwischen Buchseiten pressen. Das soll ganz einfach sein und ein imposant romantisches Ergebnis haben.



Diese Spargel-Tarte habe ich vorgestern zubereitet.
Auch sie ist ganz einfach: Blätterteig in eine geölte Form pressen; Eier (2) - Creme Fraiche (200g) - Parmesan (50g) - Pfeffer / Salz / Muskat verquirlt darauf geben; grünen Spargel verteilen, Ziegenkäse-Scheiben hinzu, mit Olivenöl besprenkeln, etwas Salz und in den Ofen (180 Grad, 40 Minuten). Mit Minze bestreuen. Wunderbar.




Dazu eine Waldmeister-Bowle.
Es war zwar zu früh zu schön in diesem Frühjahr, so dass der Waldmeister schon blüht. Doch vielleicht findet man noch einige jungfräuliche Zweiglein an einem schattigen Plätzchen: ein Sträußchen binden, 4 Stündchen antrocknen und dann für 2 Stunden in einen süßen Weißwein hängen.

Der Holunder blüht ebenfalls. Doch der soll das. Für einen Sirup, der sich später ganz duftig in Wasser, Sekt und Wein verbreiten darf, bringt man 30 Dolden, 3 kg Zucker, 3 Esslöffel Zitronensäure, 3 in Scheiben geschnittenen Limetten und 3 Liter kochendes Wasser in ein Gefäß, das man an einem dunklen Ort verwahrt. Etwa 3 bis 4 Tage verbleibt es dort und der Inhalt muss jeden Tag umgerührt werden. Dann wird der Sirup abgeseiht und abgefüllt.



Viel zu schnell vergeht er also, dieser Monat, es bleibt kaum Zeit und einiges wird schon jetzt auf das nächste Jahr verschoben.
Doch Zeit sollte sein, Zeit für Lyrik, mal schwelgend vom Namenspatron der Grundschule des Söhnchens, mal frech aus der Feder des Lieblingsautoren der Mutter.

Maylied (J.W. Goethe)

Wie herrlich leuchtet / Mir die Natur! /Wie glänzt die Sonne! /Wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten / Aus iedem Zweig, / Und tausend Stimmen / Aus dem Gesträuch,
Und Freud und Wonne / Aus ieder Brust. / O Erd o Sonne / O Glück o Lust!
O Lieb’ o Liebe, / So golden schön, / Wie Morgenwolken / Auf ienen Höhn;
Du segnest herrlich / Das frische Feld, / Im Blütendampfe / Die volle Welt.
O Mädchen Mädchen, / Wie lieb’ ich dich! / Wie blinkt dein Auge! / Wie liebst du mich!
So liebt die Lerche / Gesang und Luft, / Und Morgenblumen / Den Himmels Duft,
Wie ich dich liebe / Mit warmen Blut, / Die du mir Jugend / Und Freud und Muth
Zu neuen Liedern, / Und Tänzen giebst! / Sey ewig glücklich / Wie du mich liebst!


Der Lenz ist da! (Kurt Tucholsky)

Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,
dann im Kalender und dann in der Luft,
und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde
sich in die frischgewaschene Frühlingskluft.

Ach ja, der Mensch! Was will er nur vom Lenze?
Ist er denn nicht das ganze Jahr in Brunst?
Doch seine Triebe kennen keine Grenze -
dies Uhrwerk hat der liebe Gott verhunzt.

Der Vorgang ist in jedem Jahr derselbe:
man schwelgt, wo man nur züchtig beten sollt,
und man zerdrückt dem Heiligtum das gelbe
geblümte Kleid - ja, hat das Gott gewollt?

Die ganze Fauna treibt es immer wieder:
Da ist ein Spitz und eine Pudelmaid -
die feine Dame senkt die Augenlider,
der Arbeitsmann hingegen scheint voll Neid.

Durch rauh Gebrüll läßt sich das Paar nicht stören,
ein Fußtritt trifft den armen Romeo -
mich deucht, hier sollten zwei sich nicht gehören...
Und das geht alle, alle Jahre so.

Komm, Mutter, reich mir meine Mandoline,
stell mir den Kaffee auf den Küchentritt. -
Schon dröhnt mein Baß: Sabine, bine, bine...
Was will man tun? Man macht es schließlich mit.

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