Donnerstag, 14. Juli 2016

Die Mutter-Kolumne – Du sollst nicht lügen!

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich.


„Das war ich nicht!“, beharrte des Söhnchens Kindergartenkumpel, obwohl wir es alle besser wussten.
„Lügen sind ganz dolle hässlich. Sie haben lange Nasen und kurze Beine. Trotzdem rennen sie viel schneller als die Wahrheit, stimmt´s Mama?“, krakeelte mein Kind. 
Richtig, so ähnlich hatte ich es ihm und seiner Schwester vorgebetet. Oft. Sehr oft. Immer wieder. Du sollst nicht lügen! Niemals. In einem etwas anderen Wortlaut steht das nicht nur in der Bibel. Nicht zu lügen ist auch ehrenhaft und von edler Gesinnung, also genau das Richtige für meine Kinder.
Leider hält dieser von mir so geliebte Anspruch der Realität am wenigsten stand. Wie kommt diese Karla Kolumna da drauf?, mag die eine oder der andere nun empört rufen. Ganz einfach, weil es die Wahrheit ist.

Lügen erfordern ein hohes Maß an Intelligenz, und meine Kinder sind sehr intelligent zudem auch kreativ, einfallsreich, versponnen und phantasievoll. Es gibt viele schöne Wörter dafür. 
Ein Höhepunkt der Beweisführung dieser wunderbaren Eigenschaften war sicher der Tag, als ich den abgeschnittenen Zopf im Bad hinter der Toilette fand. Auf meine eigentlich überflüssige Nachfrage, stand meine 5jährige Tochter vor mir und schüttelte verneinend ihr links bezopftes und rechts bestummeltes Köpfchen. 
„Das ist nicht meiner.“ 
„Ach so“, sagte ich zwischen Lachen und Empörung hin und her gerissen. „Ist es dann vielleicht meiner?“ Ich hielt mir das blonde Haar vor mein eigenes dunkelbraunes. 
„Vielleicht“, sagte die Kleine. „Vielleicht ist er aber auch von Jan.“ 
Jan, mein damaliger Lebenspartner, trug Glatze.

Es sollte trotzdem noch einige Zeit dauern, bis ich begriff, dass mein Anspruch wohl zu hoch lag, und ich damit meine Kinder in große Nöte brachte.
Mein Sohn und ich begegneten eines Tages auf der Straße einer sehr beleibten und auch etwas ungepflegten Dame, die ich flüchtig kannte. Wir blieben voreinander stehen, um einige Belanglosigkeiten auszutauschen. 
„Mama, wer ist die hässliche Frau?“, unterbrach das Söhnchen die bis dahin unbeschwerte Plauderei.

„Weißt du, man darf so etwas nicht sagen“, erklärte ich kurz danach. „Es verletzt die Frau.“
„Warum?“, fragte das kluge Kind. „Sie kann das doch auch im Spiegel sehen.“
„Aber sie will es nicht von anderen hören“, sagte ich. „Sie möchte sich bestimmt wie jeder andere Mensch auch schön fühlen.“
„Und darum sagt man ihr, dass sie schön aussieht, auch wenn man es nicht findet?“
„Ja“, murmelte ich.
„Ist das dann nicht gelogen?“
„Na ja“, wandte ich mich, „ein bisschen schon. Aber manchmal muss man eben ein klitzekleines bisschen die Unwahrheit sagen.“
„Damit man anderen nicht weh tut, meinst du?“, fragte das Söhnchen.
„Genau“, sagte ich.  

Monate später fand ich den Stapel Elternbriefe wegen nicht gemachter Hausaufgaben unter seinem Schrank. Fassungslos hielt ich sie ihm vor die verdächtig lange Nase. 
„Was ist das?“, fragte ich, obwohl das Ganze keiner Frage bedurfte.
„Das ist der Versuch, dir nicht weh zu tun“, antwortete mein Sohn.

Samstag, 18. Juni 2016

Tischdienst – Köstlicher Salat aus Süßkartoffeln, Linsen, Ruccola und frischen Kräutern

Als ich das letzte Mal meine Freundin Regina in Sydney besuchte, servierte sie einen sehr köstlichen grünen Couscous-Salat. Das Rezept dazu hatte sie aus einem wunderbaren Kochbuch: Community – Salad Recipes from Arthur Street Kitchen. Zum Glück schenkte sie es mir zu meinem nächsten Geburtstag. Daraus bereitete ich mit einigen Abwandlungen für unseren letzten Tischdienst einen sehr leckeren Salat mit Süßkartoffeln, Linsen, Ruccola und frischen Kräutern.


Man braucht (für etwa 6 Portionen):

3 Handvoll Nüsse (nach Geschmack Walnüsse, Cashews, Mandeln, Erdnüsse)
2 EL Honig
1/4 TL Chili Flocken (gemahlen)
1/2 TL Curcuma
Salz

1,5 kg Süßkartoffeln (geschält und in 2 bis 3 cm-große Stücke geschnitten)
6 EL Olivenöl
1/2 TL gemahlenen Muskat
1 TL gemahlenen Zimt
2 TL Cumin (gemahlener Kreuzkümmel)
1/2 TL gemahlenen Piment
Salz und Pfeffer

250 g grüne Linsen
2 EL Honig
2 Knoblauchzehen (gerieben)
4 EL Balsamico
8 EL Olivenöl
Salz und Pfeffer

1 Bund Ruccola (etwas zerschnitten)
frische Kräuter / ich nahm je eine Handvoll Basilikumblätter, glattblättrige Petersilie und Minze (man kann auch noch Schnittlauch, Estragon, Kerbel, Dill, Koriander hinzufügen)
ein Stück Parmesan von100 g (gehobelt)

So geht´s:

Der Salat wird in 4 Schritten zubereitet.

Zuerst habe ich die Nüsse kandiert. Den Honig mit dem Curcuma, dem Salz und den Chiliflocken mischen. Die Mischung unter die Nüsse rühren. Die Nussmischung auf einem Backblech verteilen, bei ca. 200 Grad für ca. 15 Minuten im Ofen rösten. Sofort auf Alufolie oder Backpapier umgießen und auskühlen lassen.


Aus Olivenöl, Muskat, Zimt, Cumin, Piment, Salz und Pfeffer eine Marinade rühren und die Süßkartoffeln damit einreiben (am besten mit den bloßen Händen). In eine Auflaufform geben und bei 200 Grad 25 min rösten, bis sie weich sind. Aus dem Ofen nehmen und zur Seite stellen.


Aus dem Honig, dem Olivenöl, dem geriebenen Knoblauch, dem Balsamico, Salz und Pfeffer eine Vinaigrette rühren.
Linsen in einem großen Topf mit Wasser für 10 bis 15 Minuten kochen, bis sie weich sind. Durch ein Sieb abgießen, in den Topf zurückgeben und die Vinaigrette unterziehen.


Nun die Kräuter fein hacken.


In einer großen Schüssel die Kartoffeln und die Linsen mischen.


Den grob zerschnittenen Ruccola und die Kräuter untermischen, die gerösteten Nüsse, den gehobelten Parmesan und einige gemahlene Chiliflocken darüber streuen.
Guten Appetit!

Donnerstag, 16. Juni 2016

Die Mutter-Kolumne – Gute Noten, muss das sein?

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich


„Leon hat geweint“, erzählte das Söhnchen und pfefferte sein Zeugnis auf den Tisch. „Wegen seiner Eltern. Weil er schlechte Noten hat. Dabei hat er nur Zweier und Dreier.“
„Um Gottes willen!“, entschlüpfte es mir und ich wusste nicht, ob wegen Leons strenger Eltern oder der Noten meines Sohnes. „Da ist nur eine Zwei, aber drei Vieren!“
Mit gerunzelter Stirn schaute er mich an. „Willst du etwa auch schimpfen?“
„Nein, aber das kannst du besser“, sagte ich zwar mahnend doch gefasst. „Außerdem haben wir es
der Lehrerin versprochen, die nur darum eine Empfehlung fürs Gymnasium gab.“
„Diese Lehrer schaffen es einfach nicht, mich zu faszinieren oder zu motivieren“, rief mein Sohn etwas theatralisch.
Es lag definitiv nicht an fehlender Intelligenz. Trotzdem. Er musste lernen. Er musste lernen zu lernen. Er musste gute Noten schreiben, allein um sein Selbstbewusstsein zu stärken. Und ich musste ihm dabei helfen. Egal wie.

Beim Besuch einer Schulpsychologin schilderte ich das Problem. Inzwischen hatte es sich um eine Französisch-Fünf vergrößert.
„Was ich dir jetzt sage, bleibt unter uns“, sagte die nette Dame zum Kind. Das nickte mit großen Augen. „In den Fächern, die dir Spaß machen, erreichst du gute Noten, in Französisch vermeidest du die Sechs und der Rest bleibt wenigstens im Mittelfeld. Abgemacht?“
Er gab ihr die Hand darauf.

Das sechste Schuljahr verging. Die Noten meines Sohnes machten mir weiterhin große Sorgen.
„Denk an die Absprache mit der Dame“, erinnerte er mich.
„Du aber auch!“, rief ich. „Irgendwann schaffst du es nämlich nicht mehr in diesem Sparmodus.“
„Wie so Sparmodus?“, empörte er sich. „Wir lernen doch jeden Tag Französisch.“
„Inzwischen kann ich das auch richtig gut“, erwiderte ich. „Ich habe mein Abitur aber schon.“

Eine Woche später wedelte er mit einer Mathearbeit und deutete auf die mit roter Tinte geschriebene 2+.
„Das war nur eine Ausnahme, als Beweis, dass ich es könnte. Ansonsten kennst du den Plan“, sagte er.
Hin- und hergerissen schaute ich ihn an. Ich wusste, dass es keinen Sinn machte, ihn zum Lernen zu zwingen. Allein die mehr oder minder freiwilligen Französischlerneinheiten wurden durch sein stetiges Gemecker zu einer echten Zerreißprobe.
„Schreit euch doch 5 Minuten an und dann lernt ihr 55 Minuten konzentriert“, hatte die Psychologin vorgeschlagen. Ein paradiesisch anmutender Zustand, den wir leider nie erreichen.
„Vertrau mir“, sagte mein Sohn. „Ich kriege das schon hin. Entweder packt mich der Ehrgeiz oder ich erkenne, dass das Gymnasium nichts für mich ist. Wenn ich niemals gerne lernen werde, möchte ich auch nicht studieren und brauche kein Abitur.“
Das klang plausibel. Konnte und sollte ich ihm tatsächlich vertrauen oder war es meine Aufgabe, für ihn zu entscheiden, weil er noch gar nicht wissen konnte?
„Irgendwann machst du mir vielleicht Vorwürfe, dich nicht härter rangenommen zu haben.“
„Auf keinen Fall“, sagte er.
„Wenn du mit mir lernen möchtest, ich bin da. Immer“, sagte ich.
Er nickte. Seitdem stehe ich in den Startlöchern und blättere schon mal durch das Chemiebuch.

Sonntag, 15. Mai 2016

Die Mutter-Kolumne – Ab ins Bett!

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?


„Dass du noch lebst!“, staunte ein Nachbar, ob des eigenwilligen Schlafrhythmus meines 8-Monats-Töchterchens – etliche 15-Minuten-Perioden verteilt über 24 Stunden, die mir selbst keine Zeit ließen, ins Bett zu sinken. Dabei vollzog ich mit der Kleinen Schlafrituale und angelesene herzzerreissende Experimente. Nichts half. Sie wurde erst vom Jetlag gebrochen – ein Flug nach Sydney und die Sache war geritzt. Es lief eine Weile gut. 

Doch einige Jahre später schmetterte die inzwischen auf zwei angewachsene Kinderschar: „Wie so ins Bett? Du bist auch noch wach!“
„Keine Widerrede! Ihr braucht euren Schlaf“, verkündete ich und läutete das allabendliche Procedere ein. Es wurde gespeist, gebadet, massiert und eine Geschichte serviert, eine ausgedachte wohl bemerkt. Doch wenn ich mich danach fortschlich, warfen mir die Kleinen böse Blicke nach, während ich mir vor Erschöpfung nur mehr gedanklich die Haare raufen konnte. Das lief alles verkehrt. Dabei hätte ich die Abendstunden dringend gebraucht, um Frau und Mensch zu sein oder wenigstens in Ruhe ins Bad zu gehen. Aber vor allem hätten die Kinder gesund schlafend wachsen sollen – innen und außen.

„Lass sie doch, sie werden schon alleine müde“, sagte eine kinderlose Freundin.
Was wusste sie denn schon! Eine gute Mutter muss für ausreichend Schlaf sorgen.

Einmal saß ich in Malaga auf einem Platz. Meine Kinder verbrachten die Tage bei den Großeltern mit basteln, wandern, gesundem Essen und viel Schlaf. Um mich herum tobte das Leben. Erwachsene tranken Wein, palaverten und lachten. Kinder jeden Alters rannten herum, spielten und kreischten vor Lust. Es war ein Uhr nachts.
„Meinst du, die werden alle groß und stark?“, fragte ich erschüttert meine Reisebegleitung.
Sie sah mich an, als zweifelte sie an meinem Verstand. Nun, vielleicht hatte der wirklich etwas gelitten in den Jahren des Zubettbringkampfes. Aber gab es tatsächlich eine andere Möglichkeit? Konnte es sein, dass Kinder ihren eigenen Rhythmus finden? Was wäre, wenn der gegen den des gesellschaftlichen Lebens, sprich Kindergarten- und Schulbeginn, lief?

Wie so oft kam mir der Zufall zu Hilfe. Ich musste über Nacht fortbleiben und fand keinen Babysitter. Den hätten die 12- und der 9-Jährige zwar nicht mehr gebraucht, aber ich. Alle Telefone waren auf Notruf programmiert, Großeltern und Nachbarn wussten bescheid, die Kinder hatten genaue Instruktionen.
„Pünktlich um halb acht geht ihr ins Bett“, sagte ich bestimmt das zehnte Mal.
„Mama! Das hast du hundert Mal gesagt. Wir sind doch keine Babies mehr!“, sprach der Sohn genervt.
Mit klopfenden Herzen schloss ich anderntags die Wohnungstür auf. Fröhlich begrüßten mich die Kleinen.
„Hat alles gut geklappt?“, fragte ich und sah mich unauffällig nach Spuren der Verwüstung um.
„Klar“, sagte meine Tochter. „Wir waren um sieben im Bett.“
„Warum denn so früh?“, rief ich überrascht.
„Wir waren müde“, sagte das Söhnchen. „Wenn man müde ist, geht man zu Bett.“

Ich glaube, ich begann zu weinen. Ob vor Erleichterung oder Enttäuschung kann ich heute nicht mehr sagen.

Samstag, 16. April 2016

Viermal durch den Schwarzwald – Meine Lesetour in Südbaden

Eine Woche lang führte mich das Schicksal quer durch Südbaden, oder nicht das Schicksal sondern das Regierungspräsidium der Region und mein Beruf als Kinderbuchautorin. Kommt mit, wenn Ihr mögt, aber Achtung: Es wird emotional. 


Tag 1
Die Sonne scheint. Das ist schon mal gut. Ansonsten ist der erste Zug eine halbe Stunde verspätet, die vom netten Herrn hinter dem DB-Schalter herausgesuchte Alternativverbindung aber sowieso besser. Mein Koffer ist monsterschwer. Ich erinnere mich an das Bild eines winzigen Gepäckstücks, das ein geschätzter Kollege angeblich als Lesereisengepäck für eine Woche dabei gehabt haben wollte. "Na, Mama, ein Mann braucht weniger als du. Ich glaube nicht, dass der zwei Kuschelkissen und die Joggingschuhe mitnimmt", sagte meine Tochter noch zu Hause. Na gut, vielleicht nicht, also zumindest die Kuschelkissen nicht. Im Zug überarbeite ich Ferienhausaufgaben. Nicht meine. Im dritten Zug muss ich eine Stunde stehen. Macht nichts. Der Spiegel an der Rückwand der Fahrerkabine, in den ich die ganze Zeit starren muss, ist schlimmer. Die Sonne scheint aber noch. Im Gästehaus riecht es so penetrant nach altem Essen und Urin, dass mir ganz anders wird. Aber wenigstens ist schlagartig der Hunger nach der 4stündigen Fahrt weg. Das ist gut. Erstens gibt es hier nichts zu Essen um die Ecke, zweitens wollte ich diese unerwünschten Kilos mal wieder ernster angehen. Das Internet funkioniert einwandfrei. Das ist schön. Allerdings posten die Kollegen, die auch alle unterwegs zu sein scheinen, Katalogbilder von Paradiesen, die sie angeblich aus ihren Hotelfenstern geschossen haben wollen. Meine Aussicht durch das Fliegengitter hindurch direkt auf das Flachdach einer Tiefgarage ist so traurig, dass ich lieber ein Foto vom Zimmer mache. Das ist gelb und sehr sehr klein. Das ist nicht ganz so gut, weil ich groß bin.

Tag 2
Die Nacht ist wild, ich bin jedoch nur Zeuge. Um ein Uhr beginnt ein Paar im Nachbarzimmer zu streiten. Es könnte auch direkt neben meinem Bett sein. Leider sind die beiden nicht besonders fantasievoll oder eloquent und ich kann gar nichts weiter dazu lernen. Ein wirkliches Problem gibt es jedenfalls nicht, wie das ja meistens so ist. Sie haben beide Unrecht, würden es aber bestimmt nicht goutieren, ginge ich hinüber und mischte mich ein. Gegen 5 Uhr werde ich aus einem Traum gerissen. Laut diskutierend verschieben die beiden nebenan nun die Möbel. Wahrscheinlich habe ich den spannendsten Teil verschlafen. Sie scheinen auf alle Fälle ein sehr großes Zimmer zu haben.
Später beim Frühstück schaue ich mich neugierig um. Erstaunlicherweise sitzen da nur drei ältliche Paare.
Dafür dringen laute Stimmen aus der Küche. Die alte gehbehinderte Gästehausbesitzerin und ihr junger ausländischer Angestellter palavern.
„Weißt du, du kannst nicht zu Frau sagen „Ich lade dich in Restaurant“, und dann gibt es boom, boom, boom. So ist nicht Leben.“
„Nein, so ist es nicht.“
Nach der Lesung sagt die Bibliothekarin: „Ich glaube nicht, dass sich die Kinder auch nur eine Sekunde gelangweilt haben.“
Ich lächle und bedanke mich, frage mich aber, was sie gesagt hätte, wenn es anders gewesen wäre.
„Also, Frau Herden, ich habe das mal nachgemessen, die Kinder langweilten sich insgesamt 963 Sekunden.“
Dann sitze ich ein Stündchen am Wasser. Das laute Plappplapp der schlagenden Schwanenflügel auf der Wasseroberfläche beim Starten fällt mir auf. Vielleicht werde ich das einmal in einer Geschichte benutzen. Neben mir steht ein Baum voll lärmender Krähen, ihren Schein- und Nestern. Vor mit liegt ein Schiff, ein Flussentlangfahrtschiff, Zimmer neben Zimmer alle mit Balkon. Ich träume von einer Lesereise auf einem Schiff, das jeden Tag zweimal an einem Hafen festmachte, die Kinder kämen, ich läse, wir hätten Spaß und dann tuckerte ich weiter. Abends gäbe es Fisch und Wein. Könnte mir irgendjemand bitte mal so etwas organisieren?
Einige Stunden später komme ich im nächsten Ort an. Es gibt nicht viel zu sehen, darum schlüpfe ich in die Joggingschuhe, nun, da ich sie schon dabei habe. Dann laufe ich durch den Stadtgarten, der eher ein Stadtbeet ist. Das ist einerseits toll, denn die typischen Stadtpark-Gruppen – Mütter mit kleinen Kindern, verliebte Pärchen, Jungs in tiefhängenden Hosen, die gerne böse wären, der Kreis der Tippelbrüder und -schwestern, die Opas mit den Hunden, die Schulkinder – sie haben alle so wenig Platz, dass sie eigentlich ganz nahe beieinander sind und sein könnten. Blöd ist, dass ich Runde um Runde drehe und keine Strecke bekomme. Ich befürchte, dass mich morgen nach der Lesung eventuell Kinder fragen, ob ich das gewesen sei, die da mit hochrotem Kopf ständig um den Stadtgarten geschlichen sei, und warum ich das getan hätte.
Danach entdecke ich den Wellnessbereich des Hotels. Oh, ha! Ich kämpfe eine Weile kraulend mit der Gegenstromanlage und schwitze dann in der Sauna. Allerdings nur kurz, weil das so langweilig ist. Im Ruheraum lese ich die letzten Seiten eines Krimis. Gemurmel und eine schneidende Stimme dringen von nebenan zu mir.
„Wenn euch die Nudel unter den Achseln stört, dann schiebt sie euch einfach zwischen die Beine.“
Um Gottes willen! Es findet aber nur Aquagymnastik statt. Gerne hätte ich ein wenig zugeschaut, doch ich lächele nur breit und gehe schnell.

Tag 3
Wie alle riecht auch diese Bibliothek muffig. Für jeden Scheiß gibt es Duftdesigner, sogar für den Geruch von Neuwagen und Hotelfahrstühlen. Die Kunden sollen sich wohl und glamourös fühlen. Ich glaube fest daran, dass mehr Kinder läsen, wenn Bibliotheken nicht dermaßen nach Käsesocken und diesem Hauch von sehr altem Erbrochenen riechen würden. Sorry.
„Sie machen das bestimmt öfter“, sagt die Bibliothekarin nach der Lesung. Nun ja.
Ich fahre drei Stunden mit sehr langsamen Zügen durch den Schwarzwald. Hier war ich noch nie, und im ersten Moment ist mir, als sei ich Teil einer Modelleisenbahn. Eine kleine Figur im Zug, der an winkenden Frauen voller roter Bommeln vorbeifährt. Plötzlich passiert etwas Irres. Nicht mit mir und auch nicht um mich herum, sondern in mir. Ich bin auf einmal wirklich unterwegs. Allein um die Welt. Also fast. Es fühlt sich ein bisschen wie Freiheit an, obwohl die dunklen Tannen drängen und die engen Täler schluchzen. Dieses Gefühl wird sogar noch stärker, als sich ein Obdachloser neben mich setzt. (Wer einmal in Amerika mit den Greyhound-Bussen unterwegs war, weiß, wovon ich schreibe.) Von allem unbeeindruckt pupst und rülpst er vor sich hin. Doch diese frischen Gerüche können die alten seines Körpers, seiner Klamotten und vor allem seiner filzigen Mütze nicht verbrämen. Alle anderen Sitze im Wagen sind frei. Er ahnt wohl meinen Gedanken, schaut mich finster an und ich blicke schnell wieder aus dem Fenster.
Der Zielort ist trostlos.
„Seien Sie nicht entsetzt“, sagt die Bibliothekarin. „Hier steht alles leer.“
Durch die leeren Häuser des verschatteten Tals fläzt sich eine dicke Durchgangsstraße.
Der Gasthof liegt in einer Haarnadelkurve, durch die sich Millionen Fahrzeuge und Schwerlaster drängen. Ich habe mich schon immer gefragt, wer in so etwas übernachtet. Außer mir noch drei Autos voller Soldaten, alle getarnt, vom Mützchen bis zum Laptopcover.
„Hier gibt es zwei Waffenfabriken. Darum. Das ist ja eigentlich nicht so schön“, sagt die Bibliothekarin.
Nein, das ist es nicht.
Ich habe große Lust auf eine kleine Wanderung auf die Höhen.
„Sie machen jetzt aber keine große Tour und gehen mir verloren.“
„Das hatte ich nicht vor.“
„Nicht dass wir die Bergwacht rufen müssen.“
„Nur eine kleine Runde.“
„Sie krabbeln auch nicht in irgendwelchen Höhlen rum.“
„Oh, hier gibt es Höhlen, in denen man herumkrabbeln kann?“
„Sie werden da nicht reingehen! Versprochen?“
„Versprochen.“
In manchen älteren Damen und in gewissen Männern löse ich einen enormen Beschützerinstinkt aus. Das kenne ich schon.

Tag 4
Beim Frühstück geht die Saftpresse kaputt. Ich glaube mir. Die Bibliothek ist lichtdurchflutet und riecht gut. Später erzählt die nette Bibliothekarin, dass kaum noch jemand kommt. Na so was, denke ich, dabei riecht es hier so gut.
Wir rasen die 40 km zur nächsten Lesung konsequent im 2. Gang dafür mit 5000 Umdrehungen. Ich überlege, ob ich um weniger Geschwindigkeit bitten soll, oder darum, dass sie doch schalten möge. Unbekümmert erklärt sie mir die Gegend. Die älteste Stadt Baden-Württembergs heißt wie ein Hund und hat einen absurd hohen Schlot. „Darin werden Aufzüge getestet“, sagt sie und schaltet endlich. Beinahe stöhne ich vor Erleichterung auf. Dann tritt sie voll durch und mir wird ganz anders. Ich überlege, ob die Fahrstuhlabsturzsimulationen bemannt stattfinden und was es doch für besondere Berufe gibt. Wir geraten nur einmal in echte Lebensgefahr.
Nach der zweiten Lesung sitze ich am Bahnhof, der inmitten des Nirgendwos liegt und nur eine Bushaltestelle ist. Es regnet in Strömen. Ich muss aber nur 40 Minuten warten und werde fast nicht nass. Neben mir hat jemand „FUK AYRENMEN“ an die Wand geschrieben. Ich lese es mehrmals, bis ich es kapiere. Wie blöd, wenn man nicht mal ein ordentliches FUCK zustande bringt.
Zurück durch den Schwarzwald. Die Höllentalbahn ist besonders, das „Himmelreich“ nicht. Ich bin froh, im Zug zu sitzen. Draußen regnet es.
Mir gegenüber studiert ein älterer Herr die Fahrpläne der Züge des Landes. Alle. In der Hand hält er einen Stift. Er schreibt nichts auf, er murmelt die ganze Zeit. Ich wage nicht zu fragen.
Nächster Zug, dann noch einer und noch einer und noch einer.
Abends komme ich irgendwo an. Ich glaube, hier ist es schön. Ich sehe es nicht. Bindfäden ziehen sich zwischen grauem Himmel und dampfender Wiese.

Tag 5
Etwas fliegt gegen das Fenster. Kurz verliere ich mich in der Phantasie, der Prinz stünde unten und würfe kleine Steine. Kennt man ja. Dann packt mich der Schmerz. Tagelang schleppte ich mein Gepäck durch Südbaden, in Züge hinein, Bahnsteige herab, enge Gasthaustreppen hinauf. Meine Schultern sind verrissen. Keine Ahnung wie das heute mit dem Jubeln klappen soll und ob ich Rockstar sein können werde. Das Geräusch am Fenster reisst nicht ab. Ich lunze durch die geklöppelte Gardine. Eine Bachstelze stürzt sich wieder und wieder Brust voran vom Blumenkasten gegen die Scheibe. Himmel, wir sind wirklich viele.
Nach der zweiten Lesung reden wir über Pubertät, ich weiß nicht, wie wir darauf kommen.
„Ich will das nie kriegen“, stöhnt ein Junge. „Das ist schrecklich.“
Wir sind einer Meinung. Alle. Doch plötzlich höre ich mich sagen, wie wichtig auch diese Entwicklungsstufe sei. Trotz allem. Völlig klar, was hier passiert. Ich vermisse meine Kinder unendlich. Mit allem.
„Mein Vater hasst die Pub- … Pub- … na eben das bei meinem Bruder so sehr, dass er Pupsität dazu sagt.“
Die Kinder lachen.
„Na, ein Pups ist sie ja nicht gerade“, sage ich. „Ich würde sie eher Furzität nennen.“
Es dauert einen Moment. Dann lachen die Kinder noch lauter.
Die Bibliothekarin findet später viele Worte des Lobs.
„Danke schön“, sage ich.
Danke Gene, Eltern, Schöpfer, Schicksal. Dass ich Schreiben und Vorlesen kann. Dass ich so mein eigener Mensch sein darf. Dass mich neueste Smartphones, große Fernseher, dicke Autos, schicke Schuhe und teure Kosmetika, all diese Substitute, noch nie interessiert haben.
Von Südwesten prophezeiten sie tagelangen Regen. Ich befinde mich im äußersten südwestlichen Zipfel und sie haben leider recht. Bus, dann Zug, wieder Bus, noch einmal Zug. Scheißkoffer. Dafür erhasche ich einen kurzen Blick auf die Rheinfälle. Wunderbar, kann ich die auch abhaken.
Die Sonne bricht durch. Ich bin nicht nur in der Schulter verrissen, sondern auch in meiner Brust. Wie die durchgeknallte Bachstelze. Habe zugleich unendliche Sehnsucht nach der weiten Welt und nach Zuhause.
Meine letzten Gastgeber sind Eheleute, die privat ein Zimmer vermieteten. Dort drin wohnt allerdings schon jemand. Darum quartieren sie mich in ihr Schlafzimmer ein. Ich habe ein schlechtes Gewissen und frage mich, wo sie wohl schlafen werden. Immerhin sind sie älter als ich.
Ich verdrücke mich in das Örtchen. Es liegt auf einem Felsen und ist eine blitzeblank geputzte Mittelalter-Kulisse. Ich entdecke ein Oma-Café mit Apfelrahmtorte und Aussicht. Die kleinen Dinge eben.

Tag 6
Die letzte Lesung der Tour endet in einer Stunde Fragerunde. Ich habe ein enormes Redebedürfnis, die Fünftklässler stört das nicht. Weil ich das darf, reden wir über blöde Lehrer und bekloppte Schulleiter, aber auch lange über Bücher. Als mir die Bibliothekarin einen Beutel mit Reiseproviant in die Hand drückt, plappere ich wie aufgezogen weiter, weil ich sonst heulen würde.
Plötzlich hämmert es an die Tür. Zwei Polizisten in voller Montur stehen davor. Ich habe solche noch nie als meine Freunde und Helfer wahrgenommen.
„Ist regulär geöffnet?“, fragt der eine.
„Nein, wir hatten gerade eine Lesung für Kinder.“
„Aha. Wann ist denn geöffnet?“
„Um drei.“
„Gut, dann kommen wir um drei wieder.“
„Was wollten die denn?“, frage ich.
„Das haben sie nicht gesagt.
„Vielleicht war ihnen langweilig.“
„Hier in Engen ist ja nichts los. Vielleicht wollten sie ein Buch ausleihen.“
„Bestimmt einen Krimi.“
Wir prusten los.
Ich komme das vierte Mal durch Villingen und muss einen hysterischen Lachanfall unterdrücken. Ich möchte für eine sehr sehr lange Zeit nicht mehr in den Schwarzwald, dessen Tannen auch nur Fichten und Kiefern sind. Zum Glück gibt es ein Klo im Zug. Es ist eine komplizierte Angelegenheit mit vielen Knöpfen. Als sich die elektrische Tür wieder öffnet, platze ich in eine völlig absurde Situation. Zwei ausländische Jugendliche stehen mit erhobenen Händen vor mir. Ein voll bewaffneter Polizist (schon wieder!) mit Einweghandschuhen angetan schaut gerade in die Unterhose des einen. Sie blicken erschreckt in meine Richtung und grinsen ertappt. Alle drei. Neben ihnen liegen einige Geldbörsen am Boden. Auf einer sumpfigen Wiese stehen 19 Störche.
Ich schleppe den Koffer die achtundachtzig Stufen in unsere Bude rauf. Schließe die Tür auf. Von Dankbarkeit erfüllt sinke ich auf die Knie. Vor mir im Teppich sind zwei riesige Brandlöcher. Die waren da vor sechs Tagen noch nicht. Zuhause, endlich zuhause!

Sonntag, 10. April 2016

Die Mutter-Kolumne – Kinder brauchen eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Ha! Der ist gut.

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?



Seit das Töchterchen nach der ersten Mörenbreizufütterung vehement nach mehr verlangte, halten mich die Folgen dieser Forderung seit mittlerweile 17 Jahren in Atem, gilt es doch, den Kindern jeden Tag gesunde Kost zu servieren. Um es vorweg zu nehmen, hätte ich keinen Sohn mehr bekommen, hätte es vielleicht auch geklappt.

Ich kochte breiige Wochenvorräte aus Möhren, Kartoffeln und Hühnchen, zerdrückte Avocados und Bananen, rieb Äpfel und verabreichte Fenchelsegmente mit Stiel als Lolliersatz. Es lief gut. Ich war stolz auf mich, ich machte es richtig.

Doch eines Tages saßen wir am Bondi Beach. Ich hatte mir eine Tüte Fish und Chips gekauft. Das Töchterchen, inzwischen zehn Monate alt, gab so lange keine Ruhe, bis ich ihr eine der dicken Schnitzen ins sandige Händchen drückte.
„Süße, daran kannst du herumsaugen, während ich in Ruhe speise.“
Ha! Erstens erpresste sie mich mit Geschrei, bis ich ihr die Hälfte von allem abgegeben hatte und zweitens konnte ich nie wieder in Ruhe essen. Hatte sie mir zuvor mit großen Augen beim Essen nur zugeschaut, verlangte sie nun lauthals ihren Anteil daran. Meist den größeren.

Zu Beginn hatte ich ein schlechtes Gewissen, versteckte mich beim Essen von Ungesundem. Doch irgendwann gewahrte ich die Vorteile. Es war so unterwegs viel unkomplizierter, keine Babaynahrung musste mitgeschleppt werden, wir waren spontan und frei. Meistens aßen wir gesund, nun auch ich, und die Kleine entwickelte sich prächtig.

Dann wurde mein Sohn geboren.
Auch er hatte den Moment, der alles veränderte. Die Möhrenbreiphase war abgeschlossen, es verlangte ihn nach einem Obstjoghurt. Ich weiß nicht mehr, was ich tat, während er in seinem Kinderstühlchen vor sich hinlöffelte. Es schien mir jedoch Stunden später, da er „Fertig!“ krähte.
Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, als ich am Boden des sauberen Bechers die völlig joghurtfreien Obststückchen liegen sah. Wie hatte er das gemacht? 
Bis heute ein Rätsel.
Bis heute zum Verrücktwerden. 
Es zeigte sich, dass der Speiseplan meines Sohnes nur zehn Variabeln entwickeln würde: Schokocremebrote, Garnelensushi, Gurke, Nudeln ohne Soße, Breaburn-Äpfel, japanische Suppen, Pizza, Putenbrust mit Pommes, Hamburger (nur Fleisch und Ketchup), Gemüsesuppe. Einmal waren es elf gewesen. Aber nur solange bis er wusste, dass Bärchenwurst Geflügelmortadella ist.
Wie soll man mit diesen Vorgaben, die Rolle als gute Mutter erfüllen?

Ich gab nie auf. Stehe seit Jahren in der Küche, koche, brutzle und arrangiere gesunde Speisen aller Art und scheitere täglich. Denn wer erfragt die eigentlich?
Mein Sohn nicht. Er isst Schokocremebrote, japanische Nudelsuppen und Breaburn-Äpfel und wächst trotzdem, auch an den richtigen Stellen. Er kann klar denken, hat weder Hautausschläge noch sonstiges Organversagen und auch keinerlei Intoleranz. Außer gegenüber einer gesunden und ausgewogenen Kost.

Letztens sagte er: „Mama, gib dir doch nicht immer so viel Mühe. Wenn ich mal ausziehe, esse ich sowieso nur noch Fertigkram.“
Es wird wohl Zeit, mich langsam zu entspannen.

Samstag, 2. April 2016

Weil ich ein Mädchen bin – eine kleine Buchbesprechung

Als ich 13 Jahre alt war, las ich sehr gerne Ratgeber für Mädchen und junge Frauen. Überraschenderweise solche, die für eine ganz andere Mädchengeneration geschrieben worden waren. Es gefiel mir, die morgendliche Gymnastik am offenen Fenster zu turnen, mir ein Haarband zu knoten und mein Gesicht mit einer einfachen Feuchtigkeitscreme zu verwöhnen, meine Kleidung zuhause in eine gepflegt gemütliche (Jogginghose) zu tauschen, um die gute zu schonen, sonntags einen Kuchen zu backen und die Freundinnen (die ich nicht hatte, nur eine, die aber so weit weg wohnte, dass sie sonntags nicht einfach so hätte vorbeikommen können) zu einem Plauderstündchen einzuladen. Das waren alles Tipps aus den Büchern für Mädchen der 50er Jahre. Warum gefiel mir so etwas? Vielleicht war das so etwas wie Sehnsucht nach Ruhe, Geordnetem und Normalität in einer Zeit, die bis zur totalen Erschöpfung aufregte? 

Bis kurz davor las ich wilde Abenteuerromane und Capote, zeitgleich lieh ich mir heimlich schundige Mysterie- und Denise-Heftchen von meiner Freundin aus, mit 14 versank ich dann in Francoise Sagan und Balzac und hatte meinen ersten, 6 Jahre älteren Freund. 

Dieses eine Jahr war also mein Mädchenjahr und vielleicht gab es damals keine adäquaten Mädchenbücher, die Zeitschrift Mädchen flatterte hin und wieder vorbei, ich flüchtete in Nostalgie, las Schundhefte und schrieb mir die Qual der Pubertät aus der Seele ins Tagebuch. 


Wenn man all diese Versatzstücke zusammennimmt (Tipps für die Gesund- und Schönheit / kleine Rezepte / Freundinnengeschichten / erste Liebe, erster Kuss und erster Sex / quälende Gefühle, große Fragen und wilde Gedanken), wenn man diese wunderbar aufregende Mixtur ergänzt mit den Erkenntnissen, Erfahrungen und dem Wissen, das uns heute, 32 Jahre später zur Verfügung steht, das Ganze noch abschmeckt mit Zeitgeist und Emanzipation, dann erhält man Ilona Einwohlts neuen Mädchenratgeber „Weil ich ein Mädchen bin“ (Sauerländer). 
Ein fröhlich gestaltetes Buch für den Beginn der Zeit zwischen Kind und Frau, das über vieles Bescheid weiß und erste Fragen beantwortet, das Mut und gute Laune macht, das rät und tröstet, vor allem aber zur Achtsamkeit sich selbst gegenüber gemahnt und entsprechende Übungen parat hält. Wahrscheinlich hätte ich das Buch geliebt, vielleicht schon etwas eher, etwa mit 11 bis 12 Jahren.

Samstag, 26. März 2016

Köstliche Oreo-Torte

In Magazinen und im Netz stieß ich auf verschiedene Rezepte für eine Torte mit Oreo Keksen, die ja eigentlich auch ohne Torte schon sehr lecker sind. Doch verarbeitet wie in diesem Rezept, das ich mir aus den anderen zusammengebastelt habe, sind sie einfach himmlisch.

Man braucht:

300 g Oreo Kekse
60 g Butter
750 g Sahnequark
3 Eigelb
600 ml gezuckerte Kondenzmilch (Milchmädchen)
1 Päckchen Sahnesteif
50 g geraspelte Schokolade
2 Limetten


So geht´s:
Zuerst darf man voll kindlicher Freude, die Oreo Kekse trennen. Die Kekshälften kommen in eine Plastiktüte, die Füllung in eine Rührschüssel.
Die Butter schmilzt man bei mittlerer Temperatur.
Die Kekshälften mit einem Nudelholz ganz fein zerbröseln. Etwa 3 bis 4 Esslöffel davon zur Seite stellen. Den Rest mit der geschmolzenen Butter gut mischen.
Eine Springform (24 cm Durchmesser) mit Backpapier auskleiden. Die Keks-Butter-Mischung fest auf den Boden drücken und für etwa eine Viertelstunde ins Gefrierfach stellen.
Den Ofen auf 200 Grad Celsius vorheizen.
Die Keksfüllungen, den Sahnequark, die 3 Eigelb und 200ml der gezuckerten Kondenzmilch (den Rest in den Kühlschrank stellen) sehr gut mit dem Mixer verrühren bis eine homogene Masse entstanden ist. Diese auf dem Keksboden verteilen und das Ganze für etwa 30 Minuten backen, herausnehmen und mit der geraspelten Schokolade bestreuen. Dann den Kuchen in der Form auskühlen lassen. Das dauert ziemlich lange (etwa 1 Stunde).
400 ml gezuckerte Kondenzmilch mit dem Saft der beiden Limetten aufschlagen, das Sahnesteif einrieseln lassen und solange schlagen, bis eine fluffige Creme entstanden ist. Diese auf die erkaltete Torte streichen.
Die Torte für etwa eine Stunde in den Gefrierschrank oder für 4 Stunden in den Kühlschrank stellen. Vor dem Servieren mit den zur Seite gestellten Oreokrümeln bestreuen.
Köstlich!

Dienstag, 22. März 2016

Die Mutter-Kolumne – Kinder brauchen ihre eigene Kinderkultur ... ähm, wirklich?

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?


Man kennt das: Ständig werden allerlei kulturelle Veranstaltungen in den Kalender eingetragen: Konzerte, Theater, Lesungen, Ausstellungen – jedoch nicht als romantische Dates, sondern als unterhaltende aber vor allem geistfördernde Kulturevents für die Kleinen. Kinderkonzert mit Ralf und seiner Gitarre, das Lilliput-Theater spielt "Wir tanzen auf dem Tisch", Bilderbuchkino mit Frau Ulla aus der Stadtbücherei, Mitmachkunst aus Pappenheim. Zu diesen Terminen geht man en famille auch hin, jedenfalls eher als zu zweit zu Glasperlenspiel in die Centralstation, obwohl man sich das fest vorgenommen hatte. Denn Kinder brauchen diese ihre eigene auf sie zugeschnittene Kultur. Zudem ist das Zeitfenster sehr gering, es bleiben acht kurze Jahre und die müssen genutzt werden. Oder? 

„Das ist langweilig“, raunte mein Söhnchen damals, als wir auf Sitzkissen kauernd einem Barden lauschten, der seine Textchen mit gezupften Gitarrenakkorden begleitete. 
Spätestens als er uns bat mitzusingen, verschwanden wir klammheimlich. Beinahe klammheimlich, denn ich stolperte über eines der Sitzkissen und unterbrach so ungestüm den lauschigen Moment.
„Das beste war, als Mama hingeflogen ist“, erzählte der Spross von jenem Konzert. 
Das kann nicht in der Absicht des Musikers gelegen haben.

Einmal begleitete uns mein Vater auf ein Kinderkonzert. Er hing neben mir auf dem Stuhl, die Augen halb geschlossen. Dann kam das erste Mitmachlied. Die beiden langhaarigen Eltern vor uns sprangen wie von der Tarantel gestochen auf und fuchtelten begeistert nach Anleitung mit den Armen, gingen in die Knie und hüpften hoch. Von dem Moment an machte uns das Ganze Spaß. 
Meinen Kindern leider nicht, die saßen vorne und starrten verwundert auf die kreischende und fuchtelnde Musikantentruppe.

Wir besuchten auch Kindertheateraufführungen. Solange meine Kinder dachten, auf der Bühne stünden tatsächlich Ernie und Bert, die für sie sangen, war alles wunderbar. Doch mit vier Jahren erkannten sie die Wahrheit.
„Da sind Erwachsene drunter, die spielen nur“, stellte das Töchterchen fest. „Denken die, ich bin doof und merke das nicht?“
Während die begleitenden Eltern Spaß zu haben schienen, gähnten die Kleinen und mein Sohn flüsterte, so dass es auch alle anderen gut hören konnten: „Die Frau in dem hässlichen Kostüm hat eine komische Stimme.“

Zur selben Zeit tobten meine Sprösschen kopf- und rumpfschüttelnd zu meinen alten Nirvana-Platten durch die Bude, sangen Bowies Major Tom mit, verharrten regungslos und mit vor Faszination geöffnetem Schnütchen vor Impro-Thetargruppen in der Innenstadt und besprachen wochenlang die Installationen von Edward Kienholz, die sie in der Kunsthalle gesehen hatten.
„Kultur für Kinder wird eben von Erwachsenen gemacht, die sich vorstellen, was Kindern gefällt“, sagte ich zu meinem Vater. „So gefällt sie letztendlich den Eltern, wie damals beim Konzert dem Paar vor uns.“ 
Er grinste. „Mit denen hatte ich mich noch unterhalten. Sie waren gar kein Paar und hatten auch keine Kinder. Das waren Sozialpädagogen.“
In dem Moment kam mein Töchterchen um die Ecke, schrappte auf ihrer Luftgitarre und grölte: „Here we are now, entertain us!“
Mein Vater schaute mich sehr nachdenklich an. Allen kann man es eben nie recht machen. Doch auch das ist ja ein Aspekt von Kunst und Kultur.

Sonntag, 20. März 2016

Leckere Frühlingszwiebel – Focaccia und Hummus

Für unser Probekochen zum nächsten Tischdienst mit dem Motto "Frühlingserwachen" hatte ich mir die Frühlingszwiebel heraus gesucht. Ich bug ein Brot und mixte dazu ein Hummus. Beides ergänzte sehr fein Annas Rote-Bete-Eier, das Gurkenlassi und die Rohkost-Karotten-Torte von Selina. Bitte schön, hier kommen meine Rezepte. Die der anderen beiden findet Ihr auf unserer Tischdienst-Seite.



Frühlingszwiebel-Petersilie-Focaccia:

Man braucht:
ca. 8 bis 10 ganze oder halbe Frühlingszwiebeln (falls sie zu dick sind, halbieren)
1 Bund glatte Petersilie
2 Knoblauchzehen
Olivenöl
Salz

ein drittel Stück frische Hefe
300 ml lauwarmes Wasser
1 El Honig oder braunen Zucker
1 Tl Salz
Olivenöl
450 g Mehl (eventuell etwas mehr)

So geht´s:
Das Mehl in eine Schüssel sieben, eine Kuhle hineindrücken, Hefe hineinkrümeln, den Honig, Salz, Olivenöl und etwas Wasser hinzugeben und daraus mit einer Gabel einen kleinen Vorteig mengen. Den für einige Minuten in der Mehlkuhle ruhen lassen. Dann nach und nach das restliche Wasser hinzugeben und den Vorteig und das Mehl zu einem Hefeteig verarbeiten. So lange kneten, bis dieser schön geschmeidig ist.
In eine Schüssel etwas Olivenöl auf Boden und Wände verteilen, den Teig hineingeben, mit einem Küchenhandtuch abdecken und eine Stunde lang ruhen lassen.
Ein hohes Backblech (o. Ähnliches) mit Olivenöl etwas einfetten, den Teig darauf geben und mit den Händen zu einem Fladen auf das ganze Blech drücken.


Ofen auf 200 Grad Celsius vorheizen.
Die Frühlingszwiebeln waschen, eventuell halbieren und je nach Geschmack überschüssiges Grün abschneiden.
Petersilie waschen und grob hacken. Knoblauch schälen und fein hacken. Petersilie und Knoblauch mit etwa 100 ml Olivenöl und einem Teelöffel Salz mischen.


Die Frühlingszwiebeln in den Teig drücken. Petersilienmischung großzügig darauf verteilen, dabei auch etwas Öl auf die Zwiebeln geben. Eventuell noch etwas grobes Salz über alles streuen.


Die Focaccia bei 200 Grad für etwa 20 bis 25 Minuten backen.



Dazu gibt es Frühlingszwiebelhummus.

Man braucht dafür:
10 Frühlingszwiebeln
Olivenöl
1 große oder zwei kleine Dosen Kichererbsen
ca 100 g Tahini (Sesampaste)
3 Bio-Zitronen
Salz
Chiliflocken


So geht´s:
Die Frühlingszwiebeln waschen, überschüssiges Grün abschneiden, in eine Auflaufform legen und mit reichlich Öl beträufeln. Die Auflaufform ca. 10 Minuten bei 200 Grad Celsius in den Ofen stellen.
Die Schale von zwei Zitronen abreiben und den Saft aller drei auspressen.
Frühlingszwiebeln, abgetropfte Kichererbsen, Tahini, Zitronenschale und -saft, ein, zwei Prisen Salz, gemahlene Chiliflocken nach Geschmack und einen ordentlichen Schuss Olivenöl in den Mixer geben und so lange mixen, bis eine sämige Masse entstanden ist. Falls die zu fest erscheint, löffelweise noch etwas Öl, Orangensaft oder Wasser zugeben.
In eine Schüssel füllen, mit etwas Olivenöl beträufeln, und mit gemahlenem Chili abrunden. (Auf dem Bild seht Ihr etwa ein Drittel der entstandenen Menge.)


Beides reicht für etwa 6 Leute. Vom Humus bleibt sogar noch etwas übrig. Das kann man in ein Schraubglas füllen, im Kühlschrank lagern und noch etwa eine Woche lang genießen.
Guten Appetit!


Mittwoch, 9. März 2016

Tourtagebuch – 5 Tage vorlesend in Oberbaden unterwegs


Immer wieder werde ich gefragt, wie meine Lesereisen so seien. Nun denn, während der der letzten Woche schrieb ich Tagebuch.

Erster Tag –
Der Koffer ist gepackt. Unbedingt hinein gehörten die warmen Socken, das Bild der Kinder, das Kuschelkissen, ein Regenschirm, der Ordner der Bibliotheksstelle, in dem meine Reise wunderbar aufbereitet ist, der Rechner natürlich und Leselektüre für mich. Am besten ein Lieblingsbuch, dieses Mal sogar zwei: Die Landkarte des Chaos und Flavias siebter Fall. Schwer wird der Koffer von den Büchern, aus denen ich vorlesen werde, den 600 Autogrammkarten, die entweder zu viele oder zu wenige sein werden. Noch schwerer wird er durch die Einsamkeit, die mit mir reisen wird.
„Machs gut“, sagt mein Sohn mit einem Schmunzeln in den Augen. Er freut sich auf vier Tage sturmfrei. Der Preis ist eine blitzblank geputzte Bude, wenn ich zurück komme. Das klappt wunderbar, das weiß ich schon.
Es regnet nicht nur, es beginnt überraschend zu schneien.
Zugfahren im Dunkeln mag ich nicht.
In Heidelberg weht es mich fast vom Bahnsteig. Ich bin viel zu dünn angezogen, schaue mich nervös um. Hier wird doch wohl keiner niesen müssen? Herumfliegende Bakterien, gar Vieren könnte ich jetzt nicht bekämpfen. Neben mir niest es tatsächlich. Hilfe, bin in extremer Gefahr!
Eineinhalb Stunden mit der S-Bahn. Wohin, kann ich nicht sehen. Plötzlich ein Ortsname, den ich kenne, aber nicht von hier. Hatte ich eigentlich je geprüft, ob es eventuell mehrere Seckbachs gibt? Vielleicht verteilt über ganz Deutschland? Ich kann niemanden fragen, denn außer mir unternimmt niemand sonst diese Fahrt. Den Zugführer will ich nicht stören, der muss sich konzentrieren, damit er durch das Schneetreiben etwas sieht. Nun habe ich etwas zum Gruseln. Mitten in der Nacht im Irgendwo ankommen, wo einen keiner erwartet, wo nichts ist. So beginnen Geschichten.
Um 20 Uhr am Bahnsteig erwartet mich Frau Link, die nette Dame von der Bibliothek, und bringt mich ins zehn Kilometer entfernte Hotel in Buchen. Ich bitte um Wärme und drehe das Heißgebläse voll auf. Sie hat nichts dagegen. Zum Dank umarme ich sie, obwohl wir uns erst seit fünfzehn Minuten kennen. Ich entschuldige mich, aber sie sagt, das mache doch nichts. Wie schön.
Man empfängt mich nett im Gästehaus. Obwohl das Hotel Zum Reichsadler heißt und von außen auch so aussieht, hat sich im Zimmer jemand gestalterisch ausgetobt, jemand der vielleicht lieber Innenarchitektur oder Design studiert hätte, aber dann eben doch das elterliche Hotel übernahm. Ich freue mich darüber.
Draußen schneit es noch immer, dabei wäre, wäre nicht ein Schaltjahr, meteorologischer Frühlingsanfang. Hunger habe ich zum Glück fast keinen. Die Heizungen bleiben eiskalt, das Internet ist zu langsam, um irgendetwas darin zu finden. Ich krieche unter zwei weiche Decken, lese eine Stunde lang, nehme eine Schlaftablette. Ich schaffe es, nicht zuhause anzurufen. Beinahe kann ich schlafen.

Zweiter Tag –
Ich wache panisch auf, zum Glück vor dem Wecker. Ich mag das Geräusch nicht, das er macht. Ich schalte sofort den Fernseher an. In der Fremde bin ich in der Stille zu sehr allein.
Zum Frühstück ist alles da, lag vorher aber wohl beim Discounter im Regal. Sogar der Saft ist keiner. Ich höre mich selbst schlucken. Dann wird mir ein bisschen übel. Dabei wäre das Brötchen ohne etwas drauf lecker gewesen. Dorfbrötchen, obwohl ich mich, glaube ich, in einer kleinen Stadt befinde.
Die Bibliothek liegt romantisch im alten Kern, dieser liegt in einer morgendlichen Wintersonne.
Der junge Reporter der ortsansässigen Zeitung schaut mir beim Interview nicht in die Augen, dafür fotografiert er von der Seite, während ich lese. Ich sage ihm nicht, dass man so etwas mit einer 45-Jährigen nicht tun sollte.
Die zwei Lesungen sind spaßig. Zum Glück hört das nicht auf. Was wäre, falls das mal passieren sollte?
Die 160 Drittklässler sind fröhlich und stellen viele Fragen. Ein Junge faltet gerne Origami. Er kann auch den Kranich, mein ewiges Scheitern. „Oh, wie toll!“, rufe ich. „Denn wusstet ihr, dass man einen Wunsch vom Universum erfüllt bekommt, wenn man 1000 Kraniche gefaltet hat?“ Alle nicken, so etwas weiß man hier. Ein ganz besonderer Ort scheint das zu sein. Wir lachen zusammen und es gehen nur zwei Stühle kaputt.
Ich trinke zu viel Kaffee und sitze wieder eineinhalb Stunden in der S-Bahn. Dieses Mal schaue ich hinaus. Hübsch ist es da. Die Sonne scheint immer noch. Dann muss ich zur Toilette und weiß, dass ich erst in einer Stunde im IC nach Karlsruhe gehen können werde.
Ich schaffe es. Auf dem Nebengleis fährt der IC zurück ins Heimatstädchen.
In Karlsruhe empfängt mich Frau Hess, der ich diese Reise zu verdanken habe, mit weinrotem Schal, wie sie mir zuvor auch schrieb. Wir plaudern und lachen sogleich, als kennten wir uns schon lange. Dann essen wir Torte. Menschen, die mit mir Torte essen, sind mir grundsympathisch. Das Hotel liegt zwischen Bahnhof und rosa Flamingos. Es wirkt beruhigend nostalgisch.
Ich suche etwas Gesellschaft im Facebook, bin glücklich, als mir meine Tochter antwortet. Alles okay. Ich muss schlucken. Himmel, wann hört dieses Vermissen mal auf? Bald werden sie doch ausziehen. Bis dahin muss das besser laufen in meinem Herzen.
Später gehe ich noch einmal hinüber in den Bahnhof, esse asiatisch mit zu viel Glutamat und artifiziellen Geschmacksstoffen. Die Blicke der Menschen taxieren mich. Ich bin eine in einem alten Mantel ohne irgendeine Tasche an einem Ort, von dem man abfährt, an dem man ankommt, aber nicht verweilt. Schon gar nicht ohne Tasche. Plötzlich habe ich das Bedürfnis mir die Haare zu waschen. Wie schnell das geht.
Im Zimmer schalte ich sofort die Glotze an. Die Flüchtlinge an der mazedonischen Grenze leiden furchtbaren Durst. Ich gehe noch einmal hinunter und hole mir im Hotelflur eine Flasche Wasser am Automaten.
In der Dusche sitzt ein Käfer. Vor Schreck spüle ich ihn mit dem Wasserstrahl in den Abfluss. Das schlechte Gewissen treibt mich tropfend aus dem Bad. Etwas Furcht ist auch dabei. Davor dass er zurückkommt, wütend aus dem schwarzen Loch krabbelt, wächst und wächst, um schließlich Rache zu nehmen. Ich kann so etwas nicht vermeiden. Wenigstens verdiene ich unser Geld damit.
Vielleicht schreibe ich noch, vielleicht lese ich oder schaue zu viel Fernsehen. In Moskau hat ein Kindermädchen ein Kind enthauptet.
Dann ruft wunderbarerweise eine Freundin an und ich bin beinahe zuhause.

Dritter Tag –
Vielleicht ist der Restaurantchef ein Scherzkeks, vielleicht kann er nicht lesen oder er ist gar nicht da. Die kleinen Metallschildchen, auf denen die Speisen des Frühstücksbuffets ausgewiesen sind, stehen alle falsch. Das Buffet selbst hat etwas von einer mittelalterlichen Wunderkammer: In verschiedenen Glasgefäßen gibt es von Mandelkaramellbruch bis eingelegten Pilzen so allerlei Merkwürdiges. Ich nehme mir ein Brötchen, etwas Pflaumenmus, ein Ei, beobachte die Flamingos beim Flamingosein. Ein Mann setzt sich neben mich; zahnlos, zitternd bestellt er ein Hefeweizen. Mir ist das so früh am Morgen etwas zu viel Leben.
Im Treppenhaus kommt mir ein unglaublich schöner Mann entgegen, so einer, der bestimmt nach Einhorn riecht. Ich überlege, was ich Spektakuläres tun könnte, um bemerkt zu werden. Doch dann fällt mir ein, wie ich morgens um sieben aussehe. Verknorkelt UND tattrig ist wahrlich nicht der Eindruck, den ich gerne vermitteln möchte.
Die S-Bahnfahrt dauert nicht lang. Der Tag ist so grau, dass er zum Klischee gereicht. Der stetige Regen tut der Stadt Pforzheim nicht gut. Wir fahren durch hässlich anmutende Straßen verwahrloster Nachkriegs-Bauten. Wo ist das Gold, wo sind die Diamanten?
Ich habe Bammel vor der ersten Lesung. Die Gruppen einer Sonderschule mit geistig behinderten Kindern haben sich angemeldet. Ich möchte ihnen so sehr gerne etwas Schönes geben, dass ich beinahe anfange zu weinen, als sie dann tatsächlich lachen und sich an der Lesung erfreuen. Himmel, ich wäre die unbrauchbarste Sozialarbeiterin der Welt.
Mit den ersten Klassen im Anschluss rede ich über Schlangen, Blindschleichen, Spinnen und Zwerge. Offiziell lese ich aus meinem ersten Kinderbuch: Herr Klopstock, Emma und ich. Außerdem erfahre ich, dass viele der Papas einen Frack trügen; einer, ein Wirtschaftsprüfer, verübe darin sogar täglich seinen Beruf. Wir sprechen auch ein bisschen russisch. Das liegt am Viertel. Hier liegt Schönes neben Schrecklichem. Nebenan verteidigen gerade ein paar Russlanddeutsche ihre neugegründete Bürgerwehr, während ich mit ihren Kindern noch schnell die Waldtiere aufzähle. Die Cobra lasse ich nicht gelten.
Ich bin früh zurück in Karlsruhe.
Es regnet immer noch. Meinen Schirm habe ich vergessen. Trotzdem laufe ich die zwei Kilometer zum ZKM. Anders bekomme ich meine der Gesundheit förderlichen 6000 Schritte nicht zusammen. Ich weiß nicht, warum ich unterwegs wieder ein Chinarestaurant betrete. Wahrscheinlich ist es Hunger und die Sorge, vor dem Museum nichts anderes mehr zu finden. Ich esse schlecht, dafür zu viel. Buffet eben. Buffet mit Hunger.
Ich gehe gern in Museen. Das ZKM kenne und mag ich. Ein paar Studenten der angegliederten HFG tanzen Ballett in einem der Lichthöfe. Ich schaue ihnen zu. Einige Projektgruppen haben sich auf den Galerien verteilt und erarbeiten Kunst, erinnern mich an meine Zeit als Architekturstudentin. Außerdem roch es bei uns damals ganz ähnlich – nach Ideen und zu süßem Parfum, nach sauren Weinresten und möglichen Küssen, nach heimlich gerauchten Zigaretten und wilden Träumen, nach altem Staub und zu großen Versprechen.
Die Ausstellung jagt mir eine Gänsehaut über den Nacken: Globale Überwachung und Zensur. Aufregend und bedrückend. Ich hinterlasse trotzdem einen Fingerabdruck und mein Konterfei. Das Büro, das das ZKM für Edward Snowden eingerichtet hat, blieb bisher leer.
Für den Rest des Tages spreche ich kein Wort mehr.
Stimmt nicht. Ich rufe zuhause an. Mama, wir sind doch schon groß; hör mal auf, dir so viele Sorgen zu machen. Ich wachse da rein. Versprochen.


Vierter Tag –
Ich bin gänzlich im Unterwegsmodus angekommen. Am Frühstücksbuffet erscheint mir alles dermaßen normal, dass ich überlege, heimlich die Schildchen umzustellen.
Vielleicht bin ich müde, der Wecker klingelte bereits um 6 Uhr, davor klapperten die ganze Nacht die vier Meter hohen Rollläden im Wind, aber bevor ich es richtig begreife, ist die erste Lesung in Iffezheim schon wieder vorbei. Sie war bestimmt sehr nett. Ich würde mich daran erinnern, wäre sie es nicht gewesen.
In die zweite in Gaggenau schleicht sich dann etwas Magie. Manchmal ist das so, auch wenn ein Außenstehender es wohl gar nicht bemerken würde. Ich lese, als hätte ich noch nicht viele viele viele Male diese Stellen gelesen, ich erzähle begeistert, die Kinder fragen neugierig, wir lachen zusammen. Vielleicht war er nur in mir, aber da war so ein Moment, in dem alles alles stimmte. Am Ende habe ich gerötete Wangen, wirres Haar und bin völlig erschöpft.
Zurück in Karlsruhe laufe ich vom Bahnhof zum Schloss. Die Stadt scheint eine einzige lärmende Baustelle zu sein. Ein einsamer Republikaner zetert unerhört im doppelten Sinne durch ein Megafon. Es regnet in Strömen, der Wind weht eisig. Tapfer laufe ich durch den Matsch um die Barockresidenz herum. Das gehört sich so. Außer mir tut das aber niemand. Zum Glück habe ich meinen Schirm dabei. Schade, dass der Wind ihn zerstört. Er war jedoch von Anbeginn seltsam wackelig und auch aufgespannt etwas zu platzsparend. Ich selbst bin mit 1.80m-Körpergröße ja nicht besonders platzsparend. Wir hatten also insgesamt nicht so gut zusammengepasst.
Plötzlich bin ich von schwarzen Männern umringt. GSG 9. Um Gottes willen, was wollen die von mir?, denke ich, denn außer denen bin nur noch ich im Park. In mir breitet sich dieses kribbelig unangenehme Gefühl aus, das man hat, wenn man aus Versehen eine Bühne betritt, obwohl man gar nicht zum Ensemble gehört. Dann sehe ich die Übertragungswagen. Klar, hier geht es um das Verbot der NPD. Da öffnen sich die Türen des Bundesverfassungsgerichts und ich werde von einer Wolke aus schwarzen Anzügen eingesaugt. Wir stehen alle gemeinsam an der Ampel. Ich überlege kurz, ob ich jemanden am Ärmel zupfe und mal nachfrage. Traue mich aber nicht.
Ich laufe noch ein wenig herum. Ehrlich gesagt, verlaufe ich mich ein bisschen. Die Kamera lasse ich wohlgeborgen im Rucksack.
Plötzlich stehe ich vor dem Ring Café. Ein nostalgisch-schöner 50er Jahre-Bau voller alter Damen mit Frisuren und Hüten, mit Schmuck, Rüschen und räudigen Pelzen. Sogar einige verzierte mobile Taschenhaken, um damit die Tasche am Tisch aufzuhängen, entdecke ich. Begeistert bestelle ich mir Rhabarber-Baiser-Torte. Sie schmeckt wie früher bei Omi im Garten.
Weil ich mir in einem Schokoladenladen auch noch eine Tüte Trüffel kaufe, rücke ich später die Möbel im Zimmer etwas zur Seite und lege eine Gymnastikrunde ein. Ich stoße mich nur einmal an einem kleinen Tischchen.
Während Frau Klum großgewachsene kleine Mädchen ver- und zerstört, esse ich erst eine Tüte Chips und danach die mit den Schokoladentrüffeln auf.

Letzter Tag –
Der Schlafmangel macht sich bemerkbarer. Jede Nacht nur durch die flachen Phasen zu wandeln, sieht irgendwann einfach nicht mehr gut aus. Ich versuche, meine Augenringe wegzuschminken. Das ist ähnlich erfolgreich wie ein Gebirge azurblau anzumalen, damit man es nicht mehr sähe. Irgendeine Perspektive bleibt immer verräterisch.
Im Frühstücksraum steht plötzlich ein Mann in geflochtenen Lederhausschuhen neben meinem Tisch. Weiter oben sieht er gut aus. Einen Moment bin ich erstaunt, doch dann erkenne ich das Geniale. Er ist ein wahrer Kosmopolit. Er weiß, zuhause ist dort, wo man seine Hausschuhe trägt. Das nächste Mal, werde ich auch welche mitnehmen. Ich möchte ihm gerne verstehend zulächeln. Leider komme ich nicht mehr dazu, denn ich stoße aus Versehen meine volle Kaffeetasse um. Schade.
Später in der S-Bahn erschrecke ich wieder, ob meines gräulich-faltigen Gesichts. Himmel, wie kann das ich sein? Doch als ich mich etwas weiter umschaue, schäme ich mich stattdessen, denn diese Gedanken sind abscheuliches Jammern auf hohem Niveau.
Ich bin ein bisschen neben mir. Das ist bestimmt auch dem Schlafmangel geschuldet. Daran ändert die erste Lesung leider nicht viel, obwohl die wirklich sehr nett ist und voller lieber Kinder. Doch mir ist, als erwache ich zur Lesung, glänze, lese, erzähle, lächle, juble eine Stunde lang und erlösche dann wieder. Muss das Adrenalin sein. Zum Abschied drückt mir die Bibliothekarin noch ein Käsebrötchen in die Hand. Am liebsten hätte ich sie umarmt. Einen Moment überlege ich, ob ich ihr sage, dass so ein Käsebrötchen manchmal den Unterschied macht, ob man sich wie ein geduldeter Gast oder wie ein willkommener Mensch fühlt. Dann kommt mir das aber etwas zu pathetisch vor. Ich sollte dringend schlafen.
Die letzte Lesung findet in Karlsruhe im Museum für Literatur statt. Ich möchte noch einmal alles geben. Nicht nur weil Frau Hess zuhört oder weil wir in diesen Räumlichkeiten der Literarischen Gesellschaft gastieren. Aber natürlich kommt es anders. Zwei Klassen sind zu spät, die Begrüßungsrede zieht sich etwas und plötzlich bleiben mir nur noch 40 Minuten für mein gesamtes Programm. In denen entdecke ich eine Lebensalternative: Falls das irgendwann nicht mehr laufen sollte mit dem Bücherschreiben, werde ich Marktschreier. Mir gelingt es, in nur zwei Dritteln der üblichen Zeit alles zu lesen und zu erzählen, zu lachen, herumzuhüpfen und zu jubeln. Ich darf es zugeben, danach bin ich nass geschwitzt.
Eine letzte Umarmung und ich sitze im Zug nach Hause. Während der Zugfahrt frage ich mich, ob meine Kinder noch leben, ob sie heute in der Schule waren, wie die Bude wohl aussieht und wie das Konzert von Alligatoah war, das die beiden gestern (um Gottes willen, das erste des Sohnes, und beide des nächtens in Frankfurt, und überhaupt) besuchten.
Später erfahre ich, alles super.
Danke. An alle!
In drei Tagen geht es wieder los.

Freitag, 4. März 2016

Pavlova mit Mango und Erdbeersoße

Kennengelernt habe ich diese wunderbar leichte Torte als ein australisches Nationalgericht, zu Ehren der Tänzerin Anna Pavlova nach dieser benannt. Zwar streiten sich Neuseeland und Australien darum, wer nun der wahre Erfinder sei, doch mir ist das, ehrlich gesagt, völlig egal. Schön ist, dass sie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts überhaupt erfunden wurde.
Irgendwie befürchtete ich immer, dass sie nicht klappen würde, büke ich sie einst einmal selbst. Doch das stimmte zum Glück nicht. Sie geht eigentlich ganz einfach, braucht nur ihre Zeit.
Nun ist der Damm gebrochen und die Pavlova gehört zu unserem Leben. Und wie! Denn dieses köstliche Gebäck, außen knuspernd, innen weich und saftig, gefüllt mit Sahne und Obst ist einfach himmlisch.

Man braucht:
* für das Baiser: 6 Eiweiß / 1 TL Apfelessig / 2 Tl Speisestärke / 280 g Zucker
* für die Füllung: 400 ml Sahne / 4 EL braunen Zucker / 1 TL Vanillepaste / 1 Päckchen Sahnesteif / eine reife, süße, nicht fasrige Mango / 1 Bio-Limette / 2 EL braunen Zucker
*für die Erdbeersoße: 400 g gefrorene Erdbeeren / 4 EL Holundersirup / 2 EL Puderzucker

So geht´s:
Den Ofen auf 125 Grad Celsius vorheizen.
Speisestärke sieben und mit dem Zucker mischen.
Die Eiweiß steif schlagen. Dabei den Essig und nach und nach die Zuckermischung dazugeben. So lange schlagen bis eine glänzende, zähe Masse entstanden ist.
Ein Backpapier auf ein Backblech legen. Darauf die Baisermasse als Kreis geben. Mit dem Löffel eine Art Körbchen von etwa 24 cm Durchmesser formen, also die Mitte vertiefen und einen breiteren Rand hochstehen lassen.


Ab in den Ofen damit und 2 Stunden backen. Dann den Ofen auf 80 Grad Celsius herunterstellen und das Baiser noch 2 weitere Stunden trocknen lassen.
Es wird vielleicht ein wenig reißen, besonders wenn der Rand etwas zu dünn war. Doch das macht nichts, denn das Innere verbleibt weicher und hält alles zusammen.
Das Baiser auskühlen lassen.


Eine Mango in kleine Würfel schneiden. Die Schale der Limette in feinen Streifen abreiben, den Saft auspressen. Mango, Limettenschale und Saft sowie den Zucker vermischen und kalt stellen.
Die angetauten Erdbeeren mit dem Sirup und dem Puderzucker in einen Mixer geben und pürieren.
Kurz vor dem Servieren Sahne steif schlagen. Dabei Sahnesteif, Vanillepaste und 4 EL braunen Zucker hinzugeben. Die geschlagene Sahne auf das Baiser streichen, Mango darüber geben und zum Schluss die Erdbeersoße großzügig darauf verteilen.
Die Pavlova lässt sich mit einem scharfen Messer in ganz normale Tortenstückchen schneiden.
Achtung: Superköstlich!



Montag, 15. Februar 2016

Die Mutter-Kolumne – Förderung auf Teufel komm raus?

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?


Kinder müssen unbedingt gefördert werden! – Wirklich?

Manch Schwangere hört spanische Deklinationsreihen oder sitzt als Gasthörerin in Vorlesungen für angewandte Mathematik. Davon möchte ich nicht schreiben. Nein, für mich begann alles mit PEKIP. Lange wusste ich nicht, was das ist. Die Selbstverständlichkeit mit der andere Mütter davon sprachen, schien ein Nachfragen schlicht zu verbieten. Erst als ich mit meinem Baby durch die Welt reisend, jenes längst auf Wiesen und Stränden abgelegt, es vom Gras kitzeln und vom Wind liebkosten lassen hatte, erfuhr ich, dass andere Mütter ihre Kleinen in Gruppen zwischen Luftballons und Seidentücher platzierten, während sie sie mit Pfauenfedern streichelten. Ich fand das befremdlich, sie ließen jedoch Worte wie Förderung und Verantwortung fallen.

Hatte ich also mit dem nigelnagelneuen Kind schon alles falsch gemacht? Erschüttert blätterte ich durch Kataloge unzähliger Kurse, Gruppen und Schulen, die alle nur das Beste aus meinem Kind herausfördern wollten. Tapfer versuchte ich, den stetig wachsenden Druck zu ignorieren.

Doch dann meldete ich das 4-jährige Töchterchen in der Berlitz School an. Das lag allerdings an der englischsprechenden Verwandtschaft, die den teuren Kurs auch finanzierte. Einge Monate lang brachte ich das süße Wesen mittwochs zum spielerischen Sprachkurs. Als Erinnerung daran blieb uns ein anglophiles Kuscheltier, ein weiteres Wort Englisch hörte ich mein Kind jedoch nicht sprechen. Dabei war ihr erstes so eines gewesen. „More.“ Damals ging es um Kartoffelbrei und die Frage der fütternden Granny „Do you want more?“

Später saß ich mit dem neuen Kind donnerstags hinter einer Scheibe und sah dem Töchterchen im Tutu zu. Bis das Brüderchen vehemment forderte, auch „ballettern“ zu wollen. Die gestrenge Lehrerin erteilte die Erlaubnis, was der Kleine mit einer derart juchzenden Begeisterung tat, dass er den Saal nach zehn Minuten Glückseligkeit wieder verlassen musste. Er weinte bitterlich und begehrte niemals wieder zu tanzen. Auch die Tanzkarriere seiner Schwester erfuhr durch die bedauernden Worte der Lehrerin, sie sei einfach zu groß dafür, ein apruptes Ende. Es brach unser aller Herz. Wir gingen nach Hause und tanzten wild im Wohnzimmer herum.

In denkwürdiger Erinnerung wird mir auch das Jahresabschlusskonzert der ungeliebten Gitarrenklimpereinheiten meiner Kinder bleiben. Die riesige Gitarre im Arm saß mein Sohn auf einem der im hinteren Bereich der Bühne aufgestellten Stühle und harrte seines Auftritts. Davor gab sich ein Teenager alle Mühe, gemeinsam mit der Musiklehrein einen aktuellen Hit noch höher zu singen als die letzte Casting Show Kandidatin. Plötzlich begann mein Kind völlig selbstvergessen, quasi im Playback eine leidenschaftliche Opernsängerin darzustellen. Dass das Publikum lachen musste und der singende Teenager samt begleitender Lehrerin immer verzweifelter wurde, macht diese Geschichte zu einer dramatischen. Ich schämte mich etwas, doch größer war die Erkenntnis, dass mein Sohn zum Schauspieler geboren war.

Das werde ich allerdings nicht fördern, das wird ihm passieren. Und vielleicht schreibt seine Schwester mal ein Stück für ihn. Dass sie gute Poesie zu Papier bringt, hat sie nämlich zwischenzeitlich ganz alleine herausgefunden.

Samstag, 6. Februar 2016

Regretting Motherhood? – Niemals!

Zwei Ereignisse innerhalb zweier Tage brachten mich zum Nachdenken. Wenn ich etwas bedenke, muss ich es aufschreiben. So entsteht so mancher befindliche Text. Meistens veröffentliche ich diese auf meiner Autorenseite. Dort rutscht es jedoch schnell ins Vergessen, darum also hier noch einmal. (Ich möchte mich disziplinieren, das immer zu tun. Ehrlich gesagt, habe ich durch die Autorenseite meinen Blog etwas vernachlässigt. Schade, denn nicht jeder ist im Facebook vertreten. Ich gelobe Besserung.)



„Mama, wie oft hast du eigentlich bereut, dass du uns geboren hast?“, fragte mein Sohn vor einigen Tagen.
Ich dachte, mein Herz würde brechen. „Wie kommst du denn auf so was?“, rief ich verstört. „Noch nie! Ich habe es noch nie bereut, dass es euch beide gibt.“
„Aber es gibt doch Momente, wo man bedauert, Kinder zu haben, oder? Also manchmal, da hast du dich echt so angehört“, hakte mein Sohn nach.
Mir wurde ganz elend. „Klar, es gab manch schwierigen Augenblick“, gab ich zu. „Ihr habt mich angekotzt und angepinkelt, mir den Schlaf geraubt, mich bloßgestellt, ihr habt mich die Haare raufen lassen, bis sie ausfielen, mir Sorgen bereitet und mich in Angst und Schrecken versetzt, ihr habt mich zur Putzfrau, zur Köchin und Hinterherräumerin, zum Geldbeutel, zum Müllmann, zum Bulldozerfahrer, zur hilflosen Therapeutin und zu einem geifernden Etwas gemacht, das ich selbst am allermeisten verabscheute. Doch immer liebte ich euch wie verrückt und hätte mir ein Leben ohne euch nicht vorstellen mögen.“
„Dann ist es ja gut“, sagte mein Sohn. 
Gestern sah ich eine Fernsehsendung, in der eine Frau saß, die ein Buch darüber geschrieben hat, dass sie und auch andere die eingegangene Mutterschaft ganz klar bereuten. Es schien also einen gesellschaftlichen Trend zum Thema zu geben, Regretting Motherhood genannt. Dieser begann im letzten Jahr mit einer Studie der israelischen Soziologin Orna Dornath, in der sich zwei Dutzend Mütter über ihre Mutterschaft bitterlich beklagten (Moment mal, zwei Dutzend? Darf man das überhaupt Studie nennen? Ich weiß, ich werde gerade unsachlich, doch dies hier ist auch kein sachlicher Text). Irgendwie war das Ganze bisher unbemerkt an mir vorübergegangen, aber scheinbar hatte meinen Sohn ein Luftzug davon gestreift.
Mir fiel zu dieser Fernsehdiskussion nicht viel ein, eigentlich überhaupt nichts. Ich gebe zu, meine Emotionen hatten die Oberhand übernommen und fassungslos betrachtete ich die Dame.
Keine Frau muss, wenn sie das nicht möchte, ein Kind bekommen. Warum sich manche dennoch unter solcherlei Druck fühlen, ist mir ehrlich gesagt unverständlich, und meiner Meinung nach, eher individuell denn gesellschaftlich bedingt.
Ein Kind zu bekommen, ist die größte Entscheidung des Lebens. Keine andere ist größer, denn sie ist die einzige, die nicht umkehrbar ist. Dafür sollte man sich dann auch schon etwas Zeit nehmen, im Vorfeld darüber nachzudenken.
„Da müssen Sie jetzt einfach durch“, sagte auch eine ältere Politikerin der Dame.
Hätte von mir sein können. Und noch: Bitte mit Respekt dem Kind gegenüber. Schöner wäre es jedoch mit Liebe. Dass sie diese für ihr Kind empfände, darauf verwies die Dame immer wieder beinahe flehentlich. Mir blieb unklar, welch Definition sie für die Liebe hat.
„Das arme Kind, das mit einer Mutter aufwächst, die ein Buch darüber schrieb, dass sie es bereue, ein Kind bekommen zu haben“, sagte auch meine Tochter zum Thema.
Gerade in der Pubertät denken das die Kinder doch sowieso: Dass sie ungewollt sind. Weil die Bude wackelt, weil gestritten, gemeckert, gezofft und geschrieen wird. Weil die Heranwachsenden nicht wissen, wo sie hingehören, weil sie sich selbst gerade verloren haben, eher einen abgehalfterten Rockstar, einen ausgewanderten Nordpolreisenden oder gar Aliens als wahre Eltern akzeptieren können, als diese Personen, die zwar in derselben Wohnung leben, aber nur dazu da zu sein scheinen, sie in den Wahnsinn zu treiben und bei allem zu stören.
Das dachte (und denke) ich übrigens auch in diesen Zeiten. Denn wenn sich plötzlich die geliebten herzigen Kleinen, die sich einst mit einem riesigen Strahlen im Gesicht, juchzend in meine Arme schmissen und mich unendlich liebten, in Wesen verwandeln, die maulend, grummelnd oder schreiend durch manche Tage schlurfen und durch andere rasen, aber dabei immer eine Spur der Verwüstung hinter sich lassen, nimmt einem das schon mal den Atem. Also ehrlich gesagt, ist es richtig furchtbar. Doch da muss man dann eben auch durch. Man hat ja schon gehört, es ginge vorüber. Und: Man überlebt es.
Getragen von der Liebe, watet man tapfer durch den zähen Morast dieser düsteren Jahre. Auf der anderen Seite kann man sich dann in die Arme fallen, froh es geschafft zu haben, ausruhen und erst mal etwas trinken. Zusammen. Vielleicht im Sonnenschein.
Nicht eine Sekunde, mein Sohn. Nicht eine Sekunde.

Nachtrag: Da dieser Text (auf der Facebookseite) auf so viel Resonanz stößt und auch Fragen und Kritiken aufwirft, möchte ich noch einen Kommentar dazu abgeben. Meine Worte sind aus dem Herzen geschrieben. Ich lebe in einer Gesellschaft, deren Werte auf dem Christentum basieren, in der ich aber die Freiheit habe, mir meinen eigenen Weg zu suchen. Ich habe in meinem Text sicher (auch) die Position eines Kindes eingenommen, das vielleicht nicht in der Lage ist, sich objektiv mit der Tatsache auseinander zu setzen, dass seine Mutter die Mutterschaft bereut, ohne das auf sich zu beziehen. Ich denke, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, sehr durchdacht sein muss. Man muss sich die Frage stellen, schaffe ich das (im Zweifelsfall auch alleine) oder nicht. Wie die Welt, wie die Gesellschaft aussieht, in der ich lebe, darf mir keine Überraschung dabei sein, das gehört quasi zur Recherche. Wenn ich diese Frage nicht eindeutig mit ja beantworten kann, dann ist das zumindest einen Moment des Zögerns wert. Denn ich bin letztlich verantwortlich für ein kleines und größer werdendes Leben. Ich selbst war und bin alleinerziehend. Dabei möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass diese 17 Jahre 2 x 3 Jahre lang von wunderbaren Männern begleitet wurde. Trotzdem musste ich diesen Weg letztlich alleine gehen, von Anfang an. Dass ich nicht jede Facette meiner Persönlichkeit ausleben, mir nicht jeden eigenen Wunsch erfüllen konnte, ist "part of the game". Das habe ich gerne gegeben.

Dienstag, 12. Januar 2016

Die Mutter-Kolumne – Täglich frische Luft?

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?


Manche behaupten ja, es gäbe kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung. Solche Leute tragen gerne Goretexjacken, Fleecemützen und robuste, wasserundurchlässige Schuhe mit wärmenden Filzeinlagen, die man nur im Internet oder in speziellen Outdoor-Läden bekommt.

Dass ich noch nie eine derartige Allwetterbekleidung besaß, liegt nicht daran, dass ich sie unkleidsam und farblich zumeist etwas fragwürdig finde. Ich besuche auch hin und wieder diese oft etwas streng riechenden Läden, kaufe beispielsweise Gaskartuschen für den Campingkocher und betrachte staunend, was man alles zu brauchen scheint, wenn man sich mal ins Freie wagt. Nein, es liegt daran, dass diese Funktionskleidung erstens sehr teuer ist und ich zweitens bei Regen, Hagel und Sturm einfach nicht so gerne rausgehe. Daran änderten auch die Geburten meiner Kinder nichts.

Ich höre das empörte Luftschnappen der Guten und bin mir der Schwere meiner Schuld durchaus bewusst. Ich weiß sehr wohl, dass Kinder täglich und ohne Rücksicht auf die Wetterlage an die frische Luft gehören. Und natürlich führte dieser Umstand immer wieder zu einem enormen inneren Konflikt. Nicht nur mit meinem schlechten Gewissen, sondern auch mit meinen Eltern. Sie schoben jedes tropfende Näschen, jedes tränende Äuglein und jedes kleine Hüstelchen auf die Pimpelhaftigkeit meiner Kinder, ausgelöst durch den nachweislich von mir verursachten Mangel an frischer Luft. Diesen Nachweiß erbrachte ein Hauttoncheck, den mein lieber Herr Papa mit einem Stück weißen Karton durchführte. Ehrlich gesagt, konnte ich ihn dessen nie tatsächlich überführen, bin mir aber sehr sicher, dass er stattfand. Es könnte natürlich auch sein, dass großelterlicherseits einfach per se behauptet wurde, meine Kinder seien bei schlechtem Wetter zu selten draußen. Immerhin wussten meine Eltern ja, dass ich mich dort nicht so gerne aufhielt, wenn es ungemütlich aussah. Übrigens genauso wie meine Kinder. Das muss genetisch und oder ererbt sein. Wenn es vor den Fenstern stürmte und pladderte, machten wir es uns dahinter lieber geschichtenlesend auf dem Sofa gemütlich. Je nach Lage manchmal tagelang und meist im Schlafanzug. 
Doch wir waren nicht dumm.

„Kinder, Omi und Opo holen euch gleich fürs Wochenende zu sich. Wir müssen mal raus“, sagte ich in solchen Momenten.
„Auweia, das gibt bestimmt Ärger“, sagte das Töchterchen.
„Genau, weil wir so weiß sind wie Bettlaken“, tönte das Söhnchen heiser und etwas hüstelnd.

Die Situation war ausreichend anlysiert. Aber draußen regnete es noch immer. Es galt, Plan B umzusetzen. Also standen wir auf, zogen unsere Jacken an, setzten Mützen auf, banden Schals um, schlüpften in Gummistiefel und stellten uns auf den Balkon, die Gesichter dem grauen Himmel entgegengereckt. Der Wind rötete unsere Wangen und wenn wir uns ein bisschen verbogen, konnten wir beim Nachbarn im Haus ums Eck mit Fernseher gucken. Wir verbrachten die Zeit damit, das von Ferne Gesehene zu synchronisieren.

„Mützen ab!“, sagte ich nach einer Weile.
„Genau, wegen dem Vitamin D“, erklärte das Söhnchen. 
Wir wussten bescheid.

Als wir glaubten, genug davon gebildet zu haben, gingen wir hinein und machten es uns mit großen Tassen heißer Schokolade wieder auf dem Sofa gemütlich.
Trotzdem nagte natürlich das schlechte Gewissen an mir.

„Mach dir keine Sorgen, Mama“, tröstete das Töchterchen. „Bei Omi und Opo müssen wir sowieso ganz viel wandern.“

Da war ich auf einmal sehr froh, dass meine Eltern Goretexjacken tragen und auch welche für die Kinder gekauft hatten.

Montag, 11. Januar 2016

Far Above The World – Mach´s gut, Major Tom – zum Tod von David Bowie

Die Zeile mit der Nachricht liegt direkt vor meinen Augen, doch ich kann sie nicht glauben: David Bowie ist tot! Fassungslos starre ich darauf. Eine Träne läuft meine Wange hinunter. Dabei bin ich gar kein liebender Fan, war nie auf einem seiner Konzerte, habe mir keines seiner Alben gekauft. Nur eines besitze ich. Changes. Auf Kassette. Trotzdem gehörte David Bowie in mein Leben, in meine kleine Familie. Dass er jetzt ging, ist unendlich traurig. Ich öffne ein neues Dokument und schreibe, versinke in Erinnerung:  


Jeden Morgen eines jeden Wochentags saßen wir im „Herdenkutsche“ genannten gelben Kangoo. Wir waren umgezogen und für ein halbes Jahr, bis zum ersten Schultag des Töchterchens und des Söhnchens Krippe-Kindergarten-Wechsel ins neue Viertel, mussten wir zur angestammten Kindertagesstätte zehn Kilometer mit dem Auto fahren. Das hätte doof sein können. Es war sehr früh, wir drei noch müde und die Straßen berufsverkehrverstopft. Doch es wurde jedes Mal eine gemeinsame wunderbare halbe Stunde. 
„Mama, das Astronautenlied!“, krähte allmorgendlich das dreijährige Söhnchen aus dem Kindersitz direkt nach Anschnallen und Motoranlassen.
Ich schob die Kassette ins Kassettendeck. Es hudelte einige Sekunden etwas altersschwach. Doch dann durften wir aufatmen. Beides funktionierte noch.
„Pst!“, machte das Töchterchen.
„Weiß ich doch“, wisperte das Söhnchen.
Der Motor ratterte blechern, das Lied begann sehr leise. Ich stellte es jedes Mal zu laut.
„Jetzt setzt er den Helm auf“, raunte es unisono auf der Rückbank.
„Drei, Zwei, Eins, Start“, flüsterte es.
„Jetzt fliegt er los!“, schrie das Söhnchen und ich regelte schnell die Lautstärke nach unten.
Eine Weile schwiegen wir.
„Jetzt steigt er aus, stimmt´s Mama?“, krähte das Söhnchen.
„Ja, jetzt steigt er aus und fliegt ganz alleine in die Sterne“, erklärte das Töchterchen.
„Weil er so Sehnsucht hat, stimmt´s Mama?“, wusste das Söhnchen.
„Obwohl ihn seine Frau ganz dolle liebt“, flüsterte das Töchterchen. „Und obwohl er wusste, dass er sterben wird.“
„Er wollte lieber zu den Sternen fliegen, als auf der Erde leben“, erklärte das Söhnchen.
Dann war das Astronautenlied zu Ende.
„Noch mal!“, schrieen die beiden von hinten.
Ich spulte zurück. Dreimal schafften wir es, dem Song zu lauschen. Jeden Morgen. Ein halbes Jahr lang.
Danke, David Bowie!
Mach´s gut, Major Tom! 
Ich werde dich nie vergessen.