Samstag, 6. Februar 2016

Regretting Motherhood? – Niemals!

Zwei Ereignisse innerhalb zweier Tage brachten mich zum Nachdenken. Wenn ich etwas bedenke, muss ich es aufschreiben. So entsteht so mancher befindliche Text. Meistens veröffentliche ich diese auf meiner Autorenseite. Dort rutscht es jedoch schnell ins Vergessen, darum also hier noch einmal. (Ich möchte mich disziplinieren, das immer zu tun. Ehrlich gesagt, habe ich durch die Autorenseite meinen Blog etwas vernachlässigt. Schade, denn nicht jeder ist im Facebook vertreten. Ich gelobe Besserung.)



„Mama, wie oft hast du eigentlich bereut, dass du uns geboren hast?“, fragte mein Sohn vor einigen Tagen.
Ich dachte, mein Herz würde brechen. „Wie kommst du denn auf so was?“, rief ich verstört. „Noch nie! Ich habe es noch nie bereut, dass es euch beide gibt.“
„Aber es gibt doch Momente, wo man bedauert, Kinder zu haben, oder? Also manchmal, da hast du dich echt so angehört“, hakte mein Sohn nach.
Mir wurde ganz elend. „Klar, es gab manch schwierigen Augenblick“, gab ich zu. „Ihr habt mich angekotzt und angepinkelt, mir den Schlaf geraubt, mich bloßgestellt, ihr habt mich die Haare raufen lassen, bis sie ausfielen, mir Sorgen bereitet und mich in Angst und Schrecken versetzt, ihr habt mich zur Putzfrau, zur Köchin und Hinterherräumerin, zum Geldbeutel, zum Müllmann, zum Bulldozerfahrer, zur hilflosen Therapeutin und zu einem geifernden Etwas gemacht, das ich selbst am allermeisten verabscheute. Doch immer liebte ich euch wie verrückt und hätte mir ein Leben ohne euch nicht vorstellen mögen.“
„Dann ist es ja gut“, sagte mein Sohn. 
Gestern sah ich eine Fernsehsendung, in der eine Frau saß, die ein Buch darüber geschrieben hat, dass sie und auch andere die eingegangene Mutterschaft ganz klar bereuten. Es schien also einen gesellschaftlichen Trend zum Thema zu geben, Regretting Motherhood genannt. Dieser begann im letzten Jahr mit einer Studie der israelischen Soziologin Orna Dornath, in der sich zwei Dutzend Mütter über ihre Mutterschaft bitterlich beklagten (Moment mal, zwei Dutzend? Darf man das überhaupt Studie nennen? Ich weiß, ich werde gerade unsachlich, doch dies hier ist auch kein sachlicher Text). Irgendwie war das Ganze bisher unbemerkt an mir vorübergegangen, aber scheinbar hatte meinen Sohn ein Luftzug davon gestreift.
Mir fiel zu dieser Fernsehdiskussion nicht viel ein, eigentlich überhaupt nichts. Ich gebe zu, meine Emotionen hatten die Oberhand übernommen und fassungslos betrachtete ich die Dame.
Keine Frau muss, wenn sie das nicht möchte, ein Kind bekommen. Warum sich manche dennoch unter solcherlei Druck fühlen, ist mir ehrlich gesagt unverständlich, und meiner Meinung nach, eher individuell denn gesellschaftlich bedingt.
Ein Kind zu bekommen, ist die größte Entscheidung des Lebens. Keine andere ist größer, denn sie ist die einzige, die nicht umkehrbar ist. Dafür sollte man sich dann auch schon etwas Zeit nehmen, im Vorfeld darüber nachzudenken.
„Da müssen Sie jetzt einfach durch“, sagte auch eine ältere Politikerin der Dame.
Hätte von mir sein können. Und noch: Bitte mit Respekt dem Kind gegenüber. Schöner wäre es jedoch mit Liebe. Dass sie diese für ihr Kind empfände, darauf verwies die Dame immer wieder beinahe flehentlich. Mir blieb unklar, welch Definition sie für die Liebe hat.
„Das arme Kind, das mit einer Mutter aufwächst, die ein Buch darüber schrieb, dass sie es bereue, ein Kind bekommen zu haben“, sagte auch meine Tochter zum Thema.
Gerade in der Pubertät denken das die Kinder doch sowieso: Dass sie ungewollt sind. Weil die Bude wackelt, weil gestritten, gemeckert, gezofft und geschrieen wird. Weil die Heranwachsenden nicht wissen, wo sie hingehören, weil sie sich selbst gerade verloren haben, eher einen abgehalfterten Rockstar, einen ausgewanderten Nordpolreisenden oder gar Aliens als wahre Eltern akzeptieren können, als diese Personen, die zwar in derselben Wohnung leben, aber nur dazu da zu sein scheinen, sie in den Wahnsinn zu treiben und bei allem zu stören.
Das dachte (und denke) ich übrigens auch in diesen Zeiten. Denn wenn sich plötzlich die geliebten herzigen Kleinen, die sich einst mit einem riesigen Strahlen im Gesicht, juchzend in meine Arme schmissen und mich unendlich liebten, in Wesen verwandeln, die maulend, grummelnd oder schreiend durch manche Tage schlurfen und durch andere rasen, aber dabei immer eine Spur der Verwüstung hinter sich lassen, nimmt einem das schon mal den Atem. Also ehrlich gesagt, ist es richtig furchtbar. Doch da muss man dann eben auch durch. Man hat ja schon gehört, es ginge vorüber. Und: Man überlebt es.
Getragen von der Liebe, watet man tapfer durch den zähen Morast dieser düsteren Jahre. Auf der anderen Seite kann man sich dann in die Arme fallen, froh es geschafft zu haben, ausruhen und erst mal etwas trinken. Zusammen. Vielleicht im Sonnenschein.
Nicht eine Sekunde, mein Sohn. Nicht eine Sekunde.

Nachtrag: Da dieser Text (auf der Facebookseite) auf so viel Resonanz stößt und auch Fragen und Kritiken aufwirft, möchte ich noch einen Kommentar dazu abgeben. Meine Worte sind aus dem Herzen geschrieben. Ich lebe in einer Gesellschaft, deren Werte auf dem Christentum basieren, in der ich aber die Freiheit habe, mir meinen eigenen Weg zu suchen. Ich habe in meinem Text sicher (auch) die Position eines Kindes eingenommen, das vielleicht nicht in der Lage ist, sich objektiv mit der Tatsache auseinander zu setzen, dass seine Mutter die Mutterschaft bereut, ohne das auf sich zu beziehen. Ich denke, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, sehr durchdacht sein muss. Man muss sich die Frage stellen, schaffe ich das (im Zweifelsfall auch alleine) oder nicht. Wie die Welt, wie die Gesellschaft aussieht, in der ich lebe, darf mir keine Überraschung dabei sein, das gehört quasi zur Recherche. Wenn ich diese Frage nicht eindeutig mit ja beantworten kann, dann ist das zumindest einen Moment des Zögerns wert. Denn ich bin letztlich verantwortlich für ein kleines und größer werdendes Leben. Ich selbst war und bin alleinerziehend. Dabei möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass diese 17 Jahre 2 x 3 Jahre lang von wunderbaren Männern begleitet wurde. Trotzdem musste ich diesen Weg letztlich alleine gehen, von Anfang an. Dass ich nicht jede Facette meiner Persönlichkeit ausleben, mir nicht jeden eigenen Wunsch erfüllen konnte, ist "part of the game". Das habe ich gerne gegeben.

Dienstag, 12. Januar 2016

Die Mutter-Kolumne – Täglich frische Luft?

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?


Manche behaupten ja, es gäbe kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung. Solche Leute tragen gerne Goretexjacken, Fleecemützen und robuste, wasserundurchlässige Schuhe mit wärmenden Filzeinlagen, die man nur im Internet oder in speziellen Outdoor-Läden bekommt.

Dass ich noch nie eine derartige Allwetterbekleidung besaß, liegt nicht daran, dass ich sie unkleidsam und farblich zumeist etwas fragwürdig finde. Ich besuche auch hin und wieder diese oft etwas streng riechenden Läden, kaufe beispielsweise Gaskartuschen für den Campingkocher und betrachte staunend, was man alles zu brauchen scheint, wenn man sich mal ins Freie wagt. Nein, es liegt daran, dass diese Funktionskleidung erstens sehr teuer ist und ich zweitens bei Regen, Hagel und Sturm einfach nicht so gerne rausgehe. Daran änderten auch die Geburten meiner Kinder nichts.

Ich höre das empörte Luftschnappen der Guten und bin mir der Schwere meiner Schuld durchaus bewusst. Ich weiß sehr wohl, dass Kinder täglich und ohne Rücksicht auf die Wetterlage an die frische Luft gehören. Und natürlich führte dieser Umstand immer wieder zu einem enormen inneren Konflikt. Nicht nur mit meinem schlechten Gewissen, sondern auch mit meinen Eltern. Sie schoben jedes tropfende Näschen, jedes tränende Äuglein und jedes kleine Hüstelchen auf die Pimpelhaftigkeit meiner Kinder, ausgelöst durch den nachweislich von mir verursachten Mangel an frischer Luft. Diesen Nachweiß erbrachte ein Hauttoncheck, den mein lieber Herr Papa mit einem Stück weißen Karton durchführte. Ehrlich gesagt, konnte ich ihn dessen nie tatsächlich überführen, bin mir aber sehr sicher, dass er stattfand. Es könnte natürlich auch sein, dass großelterlicherseits einfach per se behauptet wurde, meine Kinder seien bei schlechtem Wetter zu selten draußen. Immerhin wussten meine Eltern ja, dass ich mich dort nicht so gerne aufhielt, wenn es ungemütlich aussah. Übrigens genauso wie meine Kinder. Das muss genetisch und oder ererbt sein. Wenn es vor den Fenstern stürmte und pladderte, machten wir es uns dahinter lieber geschichtenlesend auf dem Sofa gemütlich. Je nach Lage manchmal tagelang und meist im Schlafanzug. 
Doch wir waren nicht dumm.

„Kinder, Omi und Opo holen euch gleich fürs Wochenende zu sich. Wir müssen mal raus“, sagte ich in solchen Momenten.
„Auweia, das gibt bestimmt Ärger“, sagte das Töchterchen.
„Genau, weil wir so weiß sind wie Bettlaken“, tönte das Söhnchen heiser und etwas hüstelnd.

Die Situation war ausreichend anlysiert. Aber draußen regnete es noch immer. Es galt, Plan B umzusetzen. Also standen wir auf, zogen unsere Jacken an, setzten Mützen auf, banden Schals um, schlüpften in Gummistiefel und stellten uns auf den Balkon, die Gesichter dem grauen Himmel entgegengereckt. Der Wind rötete unsere Wangen und wenn wir uns ein bisschen verbogen, konnten wir beim Nachbarn im Haus ums Eck mit Fernseher gucken. Wir verbrachten die Zeit damit, das von Ferne Gesehene zu synchronisieren.

„Mützen ab!“, sagte ich nach einer Weile.
„Genau, wegen dem Vitamin D“, erklärte das Söhnchen. 
Wir wussten bescheid.

Als wir glaubten, genug davon gebildet zu haben, gingen wir hinein und machten es uns mit großen Tassen heißer Schokolade wieder auf dem Sofa gemütlich.
Trotzdem nagte natürlich das schlechte Gewissen an mir.

„Mach dir keine Sorgen, Mama“, tröstete das Töchterchen. „Bei Omi und Opo müssen wir sowieso ganz viel wandern.“

Da war ich auf einmal sehr froh, dass meine Eltern Goretexjacken tragen und auch welche für die Kinder gekauft hatten.

Montag, 11. Januar 2016

Far Above The World – Mach´s gut, Major Tom – zum Tod von David Bowie

Die Zeile mit der Nachricht liegt direkt vor meinen Augen, doch ich kann sie nicht glauben: David Bowie ist tot! Fassungslos starre ich darauf. Eine Träne läuft meine Wange hinunter. Dabei bin ich gar kein liebender Fan, war nie auf einem seiner Konzerte, habe mir keines seiner Alben gekauft. Nur eines besitze ich. Changes. Auf Kassette. Trotzdem gehörte David Bowie in mein Leben, in meine kleine Familie. Dass er jetzt ging, ist unendlich traurig. Ich öffne ein neues Dokument und schreibe, versinke in Erinnerung:  


Jeden Morgen eines jeden Wochentags saßen wir im „Herdenkutsche“ genannten gelben Kangoo. Wir waren umgezogen und für ein halbes Jahr, bis zum ersten Schultag des Töchterchens und des Söhnchens Krippe-Kindergarten-Wechsel ins neue Viertel, mussten wir zur angestammten Kindertagesstätte zehn Kilometer mit dem Auto fahren. Das hätte doof sein können. Es war sehr früh, wir drei noch müde und die Straßen berufsverkehrverstopft. Doch es wurde jedes Mal eine gemeinsame wunderbare halbe Stunde. 
„Mama, das Astronautenlied!“, krähte allmorgendlich das dreijährige Söhnchen aus dem Kindersitz direkt nach Anschnallen und Motoranlassen.
Ich schob die Kassette ins Kassettendeck. Es hudelte einige Sekunden etwas altersschwach. Doch dann durften wir aufatmen. Beides funktionierte noch.
„Pst!“, machte das Töchterchen.
„Weiß ich doch“, wisperte das Söhnchen.
Der Motor ratterte blechern, das Lied begann sehr leise. Ich stellte es jedes Mal zu laut.
„Jetzt setzt er den Helm auf“, raunte es unisono auf der Rückbank.
„Drei, Zwei, Eins, Start“, flüsterte es.
„Jetzt fliegt er los!“, schrie das Söhnchen und ich regelte schnell die Lautstärke nach unten.
Eine Weile schwiegen wir.
„Jetzt steigt er aus, stimmt´s Mama?“, krähte das Söhnchen.
„Ja, jetzt steigt er aus und fliegt ganz alleine in die Sterne“, erklärte das Töchterchen.
„Weil er so Sehnsucht hat, stimmt´s Mama?“, wusste das Söhnchen.
„Obwohl ihn seine Frau ganz dolle liebt“, flüsterte das Töchterchen. „Und obwohl er wusste, dass er sterben wird.“
„Er wollte lieber zu den Sternen fliegen, als auf der Erde leben“, erklärte das Söhnchen.
Dann war das Astronautenlied zu Ende.
„Noch mal!“, schrieen die beiden von hinten.
Ich spulte zurück. Dreimal schafften wir es, dem Song zu lauschen. Jeden Morgen. Ein halbes Jahr lang.
Danke, David Bowie!
Mach´s gut, Major Tom! 
Ich werde dich nie vergessen.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Puddingkuchen im Gläschen

Manchmal backt oder kocht man ja etwas und dann ist das dermaßen lecker, dass man selbst ganz erschauert. So ging es uns mit dem gebackenen Vanillepudding. Zehn Gläschen hatte ich gemacht, aber als ich mir ein zweites holen wollte, waren schon alle weg. Dabei leben wir hier in der Bude nur zu dritt.


Man braucht dafür:
4 Eier / 180g Zucker / Vanillepaste oder das ausgekratzte Mark einer Schote / 125 Butter + etwas für die Gläschen / 125 g Mehl / 450 ml Milch / eine Prise Salz

10 kleine ofenfeste  Gläschen

So geht´s:
Ofen auf 175 Grad vorheizen.
Eier trennen.
Butter schmelzen.
Eiweiß steif schlagen, zur Seite stellen.
Eigelb und Zucker so lange schlagen, bis eine feste hellgelbe Creme (ähnlich einer Zabaione) entstanden ist.
Langsam die Butter zufügen.
Vanille und Salz hinzugeben.
Vorsichtig das Mehl unterheben.
Die Milch unterrühren (nicht erschrecken, die ganze Chose wird nun flüssig.)
Das steife Eiweiß vorsichtig aber so lange unterrühren, bis es sich gut verteilt hat und die Masse nun wie eine luftige, etwas angedickte Flüssigkeit wirkt.
Die Gläschen mit flüssiger Butter auspinseln. Mit einer kleinen Kelle die Teigmasse einfüllen.
Die Gläschen für 45 bis 50 Minuten in den Ofen stellen. Nach 25 Minuten mit Backpapier abdecken.


Wir konnten uns nicht einigen, ob diese kleine Köstlichkeit warm oder kalt besser schmeckt. Sie ist einfach sehr sehr lecker.

Samstag, 12. Dezember 2015

Die Mutter-Kolumne: Weihnachtsmann? Den gibt´s doch gar nicht! Oder?

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?

Mir macht diese Kolumne riesigen Spaß und sie fällt mir auch nicht besonders schwer, denn ich kann einfach nur aus meinem Leben mit meinen Kindern erzählen. Irgendwie haben wir nämlich meistens alles etwas anders gemacht, als man es gemeinhin so macht.
Seit der Oktoberausgabe 2015 also in der eltern.family und immer um einen Monat versetzt auch hier. Viel Freude damit!



Weihnachtsmann? Den gibt´s doch gar nicht! Oder?

Patchworkbedingt gab es eine Zeit, da gleich vier Großelternpaare meinen Kindern etwas zur Weihnacht schenkten. Bei meinen Eltern verbrachten wir den Heiligen Abend, die weiter entfernt wohnenden Omas und Opas schickten ihre Päckchen dorthin und während wir dem Krippenspiel in der kleinen Dorfkirche folgten, legte der Weihnachtsmann ungesehen die Geschenke unter den geschmückten Baum. So weit so weihnachtlich.

Leider handhabte die Familie meiner Schwester die Schenkerei ganz anders. Am Nachmittag des 24. kam das Christkind mit seinen Gaben in ihre Wohnung, am Abend wurden ihre Kinder bei meinen Eltern beschert und am ersten Weihnachtstag schließlich überreichte die väterliche Familie die von ihnen gekauften Geschenke. Das sah unterm Weihnachtsbaum im Hause meiner Eltern natürlich denkbar ungerecht aus.
Zurecht fragte mein ältester Neffe, warum der Geschenkeberg der Cousine und des Cousins so ungleich größer wäre.
„Weil eure Eltern sich nicht entscheiden können, ob es den Weihnachtsmann nun gibt oder nicht“, sagte ich natürlich nicht.
Wer würde einem Kind die Mythen rauben? Man darf doch niemandem den Glaube an den Weihnachtsmann nehmen!

Als mein Söhnchen aus dem bunten Geschenkepapierhaufen heraus krähte, dass er und seine Schwester ganz eindeutig die braveren Kinder gewesen wären, hielt ich ihm schnell das schokoladeverschmierte Schnütchen zu.
„Quatsch“, rief jedoch das Töchterchen, „bei uns sind auch noch die Geschenke von deinen Großeltern, von meiner Nonna und von Oma Linde dabei.“
„Das weißt du?“, schrie ich entgeistert.
„Mama, ich bin schon sieben“, erklärte sie, kuschelte sich an mich und tätschelte tröstend meinen Arm. „Ich glaube aber trotzdem an den Weihnachtsmann. Weil ich das nämlich will. Denn wenn das keiner machen würde, dann würde es ihn wirklich nicht mehr geben.“
Gerührt küsste ich den krummen Scheitel auf des Töchterchens Kopf.

In einer ruhigen Minute fragte ich meine Schwester, was es eigentlich mit diesem Christkind auf sich hätte.
„Der Weihnachtsmann ist eine Erfindung von Coca Cola. Das möchten wir nicht unterstützen“, sagte sie.
„Aber wir sind doch auch mit ihm aufgewachsen“, wunderte ich mich. „Damals im Osten gab es doch überhaupt kein Coca Cola ... oder das Christkind.“
„Mein Mann wurde aber vom Christkind beschert.“
Diesem Argument konnte ich nichts entgegensetzen. Einen Mann hatte ich nicht.

Trotzdem gelang es uns, Jahr um Jahr einen schönen und beinahe feierlichen Familienabend zu verbringen, bis nur noch meine kleine Nichte nicht eingeweiht war.
„Dieses Jahr erwische ich den Weihnachtsmann bei Omi und Opo!“, rief sie und rannte wie der Blitz aus der Kirche.
Lachend folgten wir anderen der geliebten Familientradition, natürlich wie in jedem Jahr erfolglos. Denn als mein Vater die Tür öffnete (er hatte wegen schlimmen Bauchgrimmens – zwinker, zwinker – nicht mit in die Kirche gehen können), war der rote Mann schon wieder fort. Die Geschenke lagen unterm Baum und mein lieber Herr Papa hatte von all dem nichts mitbekommen, da er kurz auf dem Sofa eingedöst war.
„Oh, schade!“, rief meine Nichte fröhlich.

Viel später rutschte die Kleine müde an meine Seite.
„Das war schön“, murmelte sie glücklich. „Aber, Tante Antji, für wen haben wir eigentlich alle so getan, als ob es einen Weihnachtsmann gibt?“

Freitag, 11. Dezember 2015

Süßkartoffel-Gnocchi mit Pesto aus gerösteter Roter Bete und Lebkuchenstreusel

Zu unserem 3. Tischdienst wollte ich mir etwas ganz Besonderes einfallen lassen, immerhin war das Thema "Weihnachtsschmaus". Außerdem hatten wir den Acker abgeerntet und ich hatte einige Rote Rüben im Haus. Doch der erdige Geschmack derselben schien nicht wirklich ein festliches Essen zu bedingen. Doch dann hatte ich eine Idee und es wurde mir berichtet (von meinen eigenen Geschmacksnerven, von meiner Tochter und von den Gästen des Tischdiensts), das es funktionierte.


Ich röstete die Rote Bete, erstellte daraus ein Pesto, in diesem wälzte ich selbstgemachte Süßkartoffel-Gnocchi und zum Abschluss überstreute ich das Ganze mit Lebkuchenstreusel.
(Ich habe leider in der Aufregung unseres wunderbaren Events völlig vergessen, mein Gericht ihm angemessen zu fotografieren. Zum Glück tat dies eine Freundin. Allerdings bevor die Streusel getreuselt waren.)

Die ersten Schritte müssen übrigens am Vortag des Speisens getan werden.

Man braucht für etwa 4 bis 6 Portionen folgendes:

Süßkartoffel-Gnocchis:
* 400g Süßkartoffeln / 320g Ricotta / eine Handvoll geriebenen Parmesan / Salz / 200 bis 250 g Mehl

Pesto:
* 1 große oder 2 kleine Rote Beten / 3 frische Knoblauchzehen / Olivenöl zum Braten / gutes kaltgepresstes Olivenöl / 1 Handvoll Ruccola / 1 Handvoll glatte Petersilie / 1 Handvoll Walnüsse / Saft einer halben Zitrone / Salz / Pfeffer

Lebkuchenstreusel:
* 1 Scheibe knochentrockenes Grau- oder Vollkornbrot / eine Handvoll Walnüsse / 2 Printen / eine Prise gemahlene Nelken / eine Prise gemahlener Anis

Und so geht´s:
Am Vortag muss man drei Schritte erledigen:

Die Süßkartoffeln legt man bei 200 Grad für 50 Minuten auf den Rost in den Ofen. Achtung: Eine Auffangschale darunter stellen. Nach dem Erkalten schälen und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Den dabei anfallenden Saft kippt man am nächsten Morgen fort.

Auch die Rote Beete kann man schon am Vortag (gemeinsam mit den Kartoffeln) rösten. Dazu putzt man sie, schneidet die Enden ab und legt sie in eine kleine Auflaufform. Zwei der Knoblauchzehen gibt man mit der Schale dazu. Das Ganze großzügig mit Olivenöl übergiessen. Für etwa 50 Minuten bei 200 Grad in den Ofen stellen. Nach Erkalten die Rote Bete schälen, zusammen mit dem Knoblauch im Öl aufbewahren.

In ein Haarsieb legt man ein sauberes Geschirrtuch. Dort hinein wird der Ricotta gegeben. Im Kühlschrank kann der Käse über Nacht entwässern.


Süßkartoffelgnocchis:
Die gegarten und entwässerten Kartoffeln in einer großen Schüssel mit einer Gabel zu Brei zerdrücken. Den entwässerten Ricotta hinzugeben und mit einem hölzernen Löffel zu einer einheitlichen Masse rühren. Den geriebenen Parmesan und zwei ordentliche Prisen Salz unterrühren. Nun nach und nach das Mehl dazugeben und mit den Händen vorsichtig unterkneten. Achtung: Je weniger Mehl man benutzt, desto fluffiger werden die Gnocchis.


Den Teig in vier Teile teilen und aus jedem auf einen Holzbrett eine Rolle von etwa 2 cm Durchmesser formen. Diese in 2 cm breite Scheiben schneiden. Schließlich die Scheibchen mit einer Gabel etwas platt drücken.


In einem großen Topf Salzwasser zum Kochen bringen. Darin Portion für Portion der Gnocchis garen bis sie oben schwimmen. Das dauert ein bis zwei Minuten. Die fertigen Gnocchis im Haarsieb abtropfen lassen. Danach vorsichtig im Pesto wenden.

Pesto:
In einen Mixer die Rote Beete, den gerösteten Knoblauch und alle anderen Zutaten geben. Zum Schluss einen guten Schuss feines Olivenöl zugeben. Alles mixen bis eine sämige rot-violette Creme entstanden ist.


Lebkuchenstreusel:
Alle Zutaten in einem Zerkleinerer (ich habe und liebe eine Moulinette) zu kleinen Streuseln / zu groben Mehl zerkleinern. Die Streusel in einer Pfanne etwas rösten.


Die Gnocchis auf einem Teller anrichten und mit Streuseln bestreuen. (Auf dem Foto stehen sie noch neben dran.)

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Cheese Cake Muffins mit Salzkaramell

Kurz vor unserem 3. Tischdienst haben wir Organisatorinnen uns zum gemeinsamen Kochen und Backen getroffen. Ich entschied mich für diese äußerst leckeren kleinen Cheese Cakes mit Karamellsoße (12 Stück +).


Zutaten für den Cheese Cake:
* 15 Vollkorn-Butterkekse / 3 Esslöffel braunen Zucker / 100 g geschmolzene Butter
* 250 g Frischkäse / 125 g Saure Sahne / 125 g Créme Fraîche / 4 Eier / 200 g Zucker / 3 gehäufte Esslöffel Mehl / Vanilleextrakt

für das Karamell:
* 300 g Zucker / 60 ml Wasser / 90 g Butter / 180 ml Sahne / grobes Salz

So geht´s:
Cheese Cake-Muffins:
Ofen auf 180° C vorheizen.
Ein Muffin-Blech (12 Stück) mit Papierförmchen bestücken.
Für den Teig in einer Schüssel die Kekse zu Mehl zerbröseln, mit dem Zucker und der flüssigen Butter zu einem krümligen Gemisch mengen. Dieses in die 12 Muffin-Förmchen pressen und das Ganze 5 Minuten backen.
Auskühlen lassen.

In einer großen Schüssel Mehl und Zucker vermengen. Käse dazugeben und verrühren. Nach und nach die Eier unterschlagen, aber bitte nicht zu lange, sonst wird das Ganze sehr flüssig. Vanille, Créme Fraîche und Saure Sahne vermischen, das Gemisch unter die Käsecréme heben.
Damit die Muffinförmchen auffüllen. Das Blech mehrmals auf den Tisch schlagen (vorsichtig, :-) ), damit die Luftblasen aufsteigen.

Bei 180 ° C etwa 25 Minuten backen. Auskühlen lassen. Dann in den Kühlschrank stellen (kleiner Tipp: Cheese Cake schmeckt eigentlich immer erst nach einer Nacht im Kühlschrank so richtig, richtig superlecker.)
Die restliche Käsecréme (es wird auf alle Fälle einen kleinen Rest geben), kann man in Extra-Gläschen mitbacken.


Karamellsoße (Achtung: Heiß und gefährlich!):
In einer beschichteten Pfanne den Zucker und das Wasser mengen und bei dreiviertel Hitze kochen. Dabei die ganze Zeit mit einem Holzlöffel rühren, bis sich der Zucker gelöst hat und hellbraun karamellisiert. Das dauert etwas, nicht ungeduldig werden.
Die Butter zum Karamell geben. Achtung: Es spritzt und blubbert. Rühren bis sich alles schön vermischt hat.
Die Pfanne vom Herd nehmen und die Sahne peu á peu dazu gießen. Wieder Achtung! Solange rühren bis sich eine feine Karamellcréme gebildet hat. In ein Glas umfüllen. (Ein Trick mit der heißen Masse umzugehen ist, aus Backpapier und einer Wäscheklammer einen Trichter zu basteln.) Abkühlen lassen.


Die Cheese Cake Muffins mit dem Karamell toppen und mit groben Salz bestreuen. Ich verwendete aus optischen Gründen ein schwarzes Grubensalz.
Kann man sogleich essen oder über Nacht in den Kühlschrank stellen, dann sind sie wie gesagt noch köstlicher.

Donnerstag, 26. November 2015

„Liebstes Mannerl, Vati liebster, sei recht innig geküsst, Deine kleine Mutti und Ursula!“ – Leider eine Kriegsgeschichte


Heute möchte ich hier eine traurige Geschichte sich selbst erzählen lassen. Sie hat mich gesucht oder ich habe sie gefunden, weil sie wichtig ist und nicht vergessen werden darf. Obwohl sie eine Geschichte der Liebe hätte sein wollen, ist sie eine des Krieges geworden.

Vor etwa zwei Jahren fand ich auf dem Sperrmüll eine flache Zigarrenkiste. Ich warf nur einen kurzen Blick hinein, erkannte Briefe und alte Dokumente und barg sie wie einen Schatz. Zuhause tobte das Leben und ich vergaß die Kiste an einem sicheren Ort. Letztens fiel sie mir wieder in die Hände. Es war Zeit, Zeit für mich, ihre Geschichte zu erfahren, Zeit diese Geschichte weiterzugeben.
Ich saß zwei Stunden auf dem Sofa, entzifferte die Briefe und weinte. Der letzte Zettel, der mir in die Hände fiel, ließ mich gar laut aufschluchzen. Ich stelle ihn an letzte Stelle, auch wenn er Wally früher erreichte.

Ich lasse diese Geschichte sich selbst anhand der Dokumente und einigen Ausschnitten aus den Briefen, die Wally an ihren Erich schrieb, erzählen.
Ich weiß nicht, ob es nötig war, aber ich habe die Nachnamen unkenntlich gemacht. Zwar lagen diese Leben auf dem Sperrmüll, aber vielleicht hatte das auch Gründe, die man verstehen könnte.


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Liebster Vati, mein geliebtes Mannerl!

Karlsbad, 4. Februar 1945
„... Mit der Postzustellung nach Dir hin ist es ja furchtbar. Hat Mutti doch am 16.1. schon ein Telegramm an Dich aufgegeben und wie ich aus deinem (letzten) Brief ersehe, hast Du noch immer keine Nachricht. Nun wird morgen Dein Töchterchen schon 4 Wochen alt ... Als ich von Dir nun wieder eine Zeit keine Post hatte, machte ich mir auch schon Gedanken, was wohl los sei. Kommen doch nach dort auch oft die Flieger und dann durch die ganze Lage dachte ich schon, ihr wärd weggekommen. Das ist auch nun noch meine Sorge, dass das vielleicht der Fall sein könnte ... Ich möchte unseren Vati nur recht bald in die Arme nehmen. Und dann sollst Du ja auch unser Kindlein bewundern ... Wenn es nur erst ein Ende hätte mit dem Krieg ... Immer das getrennt sein vom Liebsten wird halt mit der Zeit doch schwer ...“

Karlsbad, 5. Februar 1945
„... Heute setze ich an den Anfang meines Briefes wieder eine Nummer, da ja vorerst doch nicht die Möglichkeit besteht, dass wir uns bald wiedersehen werden ... Mich traf ja heute fast der Schlag, als ich aus Deinem Brief No.19 ersehen musste, dass eure Kompanie aufgelöst ist. Der Brief No.18 fehlt nämlich bis heute noch, in dem Du mir das wohl schon angedeutet hattest. Auch muss in dem Brief Genaueres drinnen stehen über die erste Nachricht, die Du von mir bekamst, dass wir ein Mädel haben. Ich war doch so neugierig, wie Du diese Nachricht wohl aufnimmst und nun fehlt gerade dieser Brief. Ach überhaupt, es macht alles keinen Spaß mehr, man kommt aus den Aufregungen nicht heraus ... Wo wird man Dich nun hinstecken und wann werden wir uns jetzt wohl wiedersehen? Es ist furchtbar. Ich darf gar nicht daran denken, sonst könnte ich wieder anfangen zu weinen. Ja Mannerl, bei mir sind in letzter Zeit schon eine Menge Tränen geflossen, teils Freudentränen aber auch eine Menge sehr sehr bittere Tränen. Ich will Dir nun in diesem Brief alles etwas genauer berichten, das Freudige aber auch das Schlechte ... bist doch mein Mann und sollst Freud und Leid mit mir tragen ... ... Die großen blauen Augen, die vielen schwarzen Haar, das kleine Näschen, alles war so herzig und was mich am meisten glücklich machte, sie sieht Dir mein Liebster so sehr ähnlich ... Du hättest bestimmt auch sehr viel Freude an Deinem Töchterlein. Dass Du aber nicht auf das Telegramm hin Urlaub bekamst, verstehe ich gar nicht. Der S. aus der Schulgasse hat gleich Urlaub bekommen, als er die Nachricht erhielt, dass seine Frau entbunden hat. Männi, soviel ich gehört habe, von Frauen, die schon mal ein Kind hatten und bei mir im Krankenhaus lagen, soll für den Mann der (Damm)Schnitt und das Nähen bei der Frau nur zum Vorteil sein. Mal sehen, was Du sagst. Ich werde mal die Daumen drücken, vielleicht kommst Du doch noch ... Männi, mein liebstes, wie froh wäre ich, wenn Du bei mir wärst ...“

Karlsbad, 9. Februar 1945
„... unser Vati kann auch stolz auf sein Mädel sein, es ist so ein herziges Kerlchen, munter ist sie immer und lachen kann sie auch schon tüchtig. Wenn sich Vater über sie beugt, dann packt sie ihn gleich am Bart ... ... es ist wirklich so, jetzt wo sich das Köpfchen erst richtig formt, merkt man es ganz besonders. Zwar hast Du recht Mannerl, auch ich bin dunkel in der Haarfarbe, aber das Gesichtchen ist doch mehr Deines. Ja Vati, kannst es halt nicht abstreiten, dass Du es warst ... Es ist doch ein herrliches Gefühl, Mutter zu sein, für so ein kleines Menschenkind da zu sein. Geht es Dir auch so, Mannerl? Hast halt gar zu wenig jetzt von der Kleinen und so lange Du sie nicht gesehen hast, merkst Du doch eigentlich gar nicht, dass Du Vati bist, hm? Ja, daran darf ich gar nicht denken, dass es wohl Monate dauert bis wir uns wiedersehen, dann ist unser Kleines schon groß. Es ist halt doch schwer, das grosse Glück ganz alleine zu genießen ... Ja, wer hätte das gedacht, dass Eure Kompanie mal ganz aufgelöst wird. Aber in 24 Studnen kann halt vieles geschehen. Hätten die Russen nicht noch warten können, bis Du Deine Reise hinter Dir gehabt hättest? ... Hoffentlich fällt in diesem Jahr noch die Entscheidung, denn so kann es auf keinen Fall weitergehen. Wenn es aber auch nur gut ausfällt ... jammern und klagen hilft halt nichts, es heißt mal wieder tapfer sein und sich als Deine Frau tapfer zeigen ... Ist doch nun so vieles gut gegangen, wird auch diese Zeit vorübergehen, sodass wir uns dann wieder herzlich in die Arme nehmen können. Der Angriff ging gut vorüber trotz meinem damaligen Zustand, auch die Geburt ging gut, also wird die kommende Zeit auch gut vorüber gehen. Wenn ich denke, wie manche Frau bei der Geburt ihres Kindes ihr Leben lassen musste. Noch als ich im Entbindungszimmer lag, lag auf dem Bett neben mir eine junge Frau von 25 Jahren, die musste dann auch sterben. Es ist schon so, mit einem Bein steht man bei einer Entbindung immer im Grab ... Als ich heute mit Ursula spazieren ging, traf ich Dr. Konrad, ich habe ihn dann gefragt, wann ich mit meinem Kindlein wohl reisen kann. Er sagte mir, mit 8 Wochen könne ich schon fahren ... Heute kam auch die Kiste an, über das Bügeleisen habe ich mich riesig gefreut, hab doch ein liebes Mannerl, das für zu Hause sorgt. Das Eisen ist aber noch sehr schön. Ich habe es geputzt und nun sieht es aus wie neu ... Was macht die Radioröhre? ...“

Beerfelden, 4. März 1945
„... Meine Gedanken weilen immerzu bei Dir, aber ich weiß nicht, wo ich Dich suchen soll ... Ende des Monats ist es ja auch 1 Jahr seit Deinem letzten Urlaub, ausgenommen der Bombenurlaub ... Was kann sich doch in einem Jahr alles ändern. Ich darf manchmal gar nicht nachdenken ... Nun habe ich ja unseren kleinen Spatz, der bringt mir sehr viel Zerstreuung ... Männi, was hättest Du nun schon für eine Freude mit ihr! ... ... Ernestine war heute Nachmittag auch hier und hat sich Ursula einmal angesehen. Sie hat geweint, als sie unser Kleines sah. Sie hätte doch auch so gerne ein Kindlein. Heinz aber ist nicht dazu zu bewegen zum Arzt zu gehen ... Ich kann ihn mir überhaupt nicht vorstellen mit einer Frau zusammen. Für mich wäre er jedenfalls kein Mann, er erscheint mir so Mädchenhaft. Ich bin mit meinem Strolch zufrieden und bin froh, dass ich ihn habe ... ... Ja, wann wird unser Vati sein Kindlein im Arm halten können? ...“


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Samstag, 14. November 2015

Die Mutter-Kolumne: Wenn, dann richtig – Verbieten

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?

Mir macht diese Kolumne riesigen Spaß und sie fällt mir auch nicht besonders schwer, denn ich kann einfach nur aus meinem Leben mit meinen Kindern erzählen. Irgendwie haben wir nämlich meistens alles etwas anders gemacht, als man es gemeinhin so macht.

Seit der Oktoberausgabe 2015 also in der eltern.family und immer um einen Monat versetzt auch hier. Viel Freude damit!


„Komm da bitte runter, Schatz“, forderte ich in bemüht ruhigem Ton.
„Nö“, antwortete das Kind kurz und knapp.
Ich versuchte, nicht zu schnauben. „Du kommst da bitte runter.“
„Warum?“, fragte das auf der Mauer hockende Kerlchen.
„Weil ich dir verbiete, da oben herumzuklettern“, sagte ich und kam mir etwas albern vor.
„Warum?“, fragte es auch prompt.

Ja, warum eigentlich? So hoch war diese Bruchsteinmauer tatsächlich nicht. Ein Sturz auf den von Brennnesseln überwucherten Kies hätte eher eine wichtige Erfahrung denn eine schlimme Verletzung zur Folge gehabt. Allerdings hatte ich begonnen, aus weiser Voraussicht ein Verbot auszusprechen. Das musste ich nun hieb- und stichfest begründen, damit mein Kind verstand, dass es in Gefahr schwebte und ich ihm nicht nur den Spaß verderben wollte.
„Weil das gefährlich ist. Weil du da runterfallen und dich verletzen kannst“, erklärte ich und beobachtete mit klopfendem Herzen den auf dem bröckligen Sims unsicher wackelnden Spross.
„Ich passe auf“, tönte der.
„Ich möchte aber, dass du da runter kommst“, wiederholte ich drängend.
„Und ich will oben bleiben. Du hast Angst. Ich nicht“, krähte das Kind, richtete sich zu seinen vollen Einsdreiundzwanzig auf und stolperte auf seinem schmalen unebenen Weg voran.
Ich schnappte nach Luft.

In der Zwischenzeit war ein anderes Kind dem Beispiel gefolgt.
„Runter da, Dennis!“, schallte es kurz und knapp.
Klein Dennis ließ sich ratzfatz wieder von der Mauer gleiten. Dabei warf er dem in luftiger Höhe munter Voranstürmenden einen neidisch-sehnsüchtigen Blick nach. Dann schaute er finster zur so barsch verbietenden Mutter. Ich auch. Wie die mit ihrem Kind sprach, ohne jeder Erklärung!
„Diskutiert wird bei uns nicht“, ließ mich die resolute Frau wissen, als hätte sie meine Gedanken lesen können.
„Na ja –“, begann ich.
Mein 7-Jähriger unterbrach mich jedoch, weil er schreiend von der Mauer fiel.

Etwas später saßen wir im Wartezimmer.
„Tut überhaupt nicht weh“, presste der Kleine hervor.
„Ich weiß“, sagte ich und strich ihm über die tränenverschmierten Wangen. Der Schmerz der aufgeschlagenen Knie und blutenden Hände war sicher auszuhalten. Aber weh hatte das Herunterfallen dennoch getan. Irgendwo tief in der kleinen Brust hockte nun ein raunender Schatten: Du hast das nicht geschafft, du bist gescheitert.
Ich atmete tief durch und überwand meine Angst. „Wirst du es morgen noch einmal probieren?“, fragte ich leise.
„Nee, morgen nicht“, sagte das Kind und schnüffelte. „Aber übermorgen. Weißt du, es ist nicht soooo gefährlich.“
Ich nickte beklommen.
Mein Sohn schaute zu mir hoch. „Aber bei echter Gefahr, wenn so eine Mauer richtig hoch ist, Mama, dann musst du es mir auch richtig verbieten“, sagte er mit gewichtiger Stimme. „Ohne Bitte und Schatz und die ganzen Erklärungen.“
„Würdest du denn wie dieser Dennis einfach herunterkommen?“, fragte ich.
Das Kind überlegte. „Mhm, wenn du immer nur Sachen verbieten würdest, die ganz wirklich gefährlich sind, dann ja.“
Bevor ich etwas dazu sagen konnte, wurde mein Kind ins Arztzimmer gerufen. Erschüttert schaute ich ihm nach. Wie klug es war. Geradezu unheimlich.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Der superbesondere Ort – Völklinger Hütte mit Urban Art

Vorgestern kam ich ganz ergriffen aus dem Kino. Wir hatten den "Marsianer" gesehen und ich wollte mal wieder sofort los, Welten entdecken oder meinetwegen auch Orte auf der unseren. Mir liegt das im Blut, in den Genen, im Herzen oder wo auch immer so etwas herkommt. (Einst dachte ich ja, das wäre etwas sehr menschliches, in uns allen verankertes, heute habe ich verstanden, dass die meisten lieber Fernsehen gucken oder am Computer sitzen. Das ist sehr sehr seltsam). Lesen ist ein wunderbarer Weg, neue Orte zu entdecken, Reisen der noch bessere. Manchmal genügt sogar ein Tag.

Wir besuchten das Unesco Weltkulturerbe Völklingler Hütte. Das ist sowieso eine Reise wert, ach, was sage ich, es ist einer der magischsten Orte, die ich je sah. Momentan und noch bis zum 15. November findet dort die Urban Art Biennale 2015 statt. Besser geht es nicht.

Die Hütte wurde 1873 als Stahlwerk errichtet und gute 110 Jahre später wieder stillgelegt, heute ist sie zum Glück für uns alle Museum mit 7 km langen Wegen durch rostigen Stahl und unheimliche Hallen, zwischen Industrieruinen hindurch, unter und auf Eisenbasiliken entlang und hinauf und mitten ins Paradies hinein. Durch einen unglaublich tollen Zufall (vielleicht der Zeitpunkt am Vormittag unter der Woche?) waren wir ganz allein dort und tiefe Nebel hingen zwischen den Hochöfen. Ich lief den ganzen Weg quasi auf Zehenspitzen vor atemloser Ergriffenheit. Dazwischen dann die Kunst. Mehr geht nicht.

Doch. Mein 14-jähriger Sohn, der sich in diesem Alter befindet, da man ihn schwer begeistern kann, meinte, der Ort sei sehr sehr cool. Noch cooler wäre er allerdings gewesen, wenn wir ihn zufällig mitten im Wald gefunden hätten. Nun ja ...

















Montag, 26. Oktober 2015

Nur noch kurz eine Niesnuschel finden – zwei wunderbare Kinderbücher von Jörg Mühle


Ich möchte Euch heute von ganzem Herzen zwei Bücher empfehlen, die einfach wunderbar sind. Ich entdeckte sie bei den Laborproben, der jährlichen Ausstellung der Frankfurter Illustratoren zur Buchmesse.: 
Jörg Mühle / Nur noch kurz die Ohren kraulen (Moritz Verlag) 
sowie 
Jörg Mühle und Moni Port / Was liegt am Strand und redet undeutlich (Klett Verlag)
Es sind zwei Mitmachbücher, das erste für Kinder ab 3 Jahren und das zweite für Kinder ab 5 bis 99 Jahren.


Alle, die Kinder haben, wissen, dass es ein abendliches Ritual braucht, um die Kleinen ins Bettchen zu bewegen und wie fein Mitmachbücher funktionieren. Beide Hasenkinder (das eigene und das Häschen im Buch) sind also gebadet und im Schlafanzug und nun darf Hasenkind 1 (das eigene) Hasenkind 2 (das im Buch) ins Bettechen bringen. Das Kissen muss noch aufgeschüttelt werden, die Decke ausgebreitet, ein Küsschen gegeben und kurz die Ohren gekrault werden. Erst wenn all das getan ist, können beide Hasenkinder beruhigt einschlafen.


Alle, die Kinder haben, wissen, mit wie viel Freude diese dichten und Wortquatsch machen. Das zweite Buch animiert dazu und lässt einen lauthals lachen. Was liegt am Strand und redet undeutlich? Eine Nuschel. Was hüpft von Baum zu Baum und hat Unsinn im Kopf? Ein Streichhörnchen. Was ist braun und sitzt hinter Gittern? Eine Knastanie. Toll, oder? So geht es Seite für Seite. Natürlich muss man die Antwort zuhalten (sie steht zwar auf dem Kopf, aber man kann das natürlich trotzdem lesen) und anhand der Frage und der Illustration selbst antworten. Ein großer Spaß! Ist die letzte Seite umgeschlagen, macht man einfach selber weiter. Was hat einen Höcker und macht Krach? Ein Trommeldar (erfunden von Tilda).

Sonntag, 25. Oktober 2015

Herrliche Herbstfarfalle – mit Waldpilzen, Pastinaken und Mangold

Der Herbst überschüttet uns mit seinen Köstlichkeiten. Wir können nichts anderes tun, als sie einzusammeln, sie zuzubereiten oder zu konservieren. Und natürlich sie zu genießen.


Im Wald sammelte ich Maronen und Fichtensteinpilze, von meinem Gemüseacker holte ich Pastinaken, Mangold und Petersilie. Mit diesen Schätzen verschwand ich in meiner Küche, um kurz darauf den Herbst zu schmecken.


Das braucht man (2 Portinen):
ca. 8 mittelgroße Waldpilze, 1 Pastinake, 2 Handvoll kleingeschnittenen Mangold, 1 Handvoll kleingeschnittene Petersilie
Olivenöl und Butter
Ahornsirup
Brühe und Sahne
Pfeffer, Salz
gekochte Farfalle

So geht´s:
Die Pastinake in mundgerechte Stücke scneiden. In einer großen Pfanne 3 EL Olivenöl und 2 EL Butter erhitzen. Pastinake darin braten. Kleingeschnittene Pilze dazugeben. Eine Weile bei dreiviertel Hitze knusprig braten, 2 EL Ahornsirup dazugeben und die Mischung etwas karamellisieren lassen. Dann mit 100 ml Brühe ablöschen. Mangold und Petersilie dazugeben und unter einem Deckel etwa 10 Minuten köcheln lassen. Sahne nach Geschmack angießen, salzen und pfeffern. Zum Schluss die Farfalle untermischen.
Fertig und verdammt lecker. Guten Appetit!

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Die Mutter-Kolumne: Das hast du supertoll gemacht! – Eltern als (kritik)unfähige Kuratoren

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?

Mir macht diese Kolumne riesigen Spaß und sie fällt mir auch nicht besonders schwer, denn ich kann einfach nur aus meinem Leben mit meinen Kindern erzählen. Irgendwie haben wir nämlich meistens alles etwas anders gemacht, als man es gemeinhin so macht.

Seit der Oktoberausgabe 2015 also in der eltern.family und immer um einen Monat versetzt auch hier. Viel Freude damit!


Das hast du supertoll gemacht –

Jahrelang bastelten und malten meine Kinder im Akkord. Die entstandenen Objekte und Bilder bekam ich geschenkt. Alle. Ich nannte sie Kunstwerke, stellte sie aus oder archivierte sie. Natürlich nicht ohne zuvor Jubelrufe ausstoßend drum herum getanzt zu sein. Wie großartig sie das gemacht hatten! Wie einmalig! Was für ganz und gar unglaubliche Künstler sie waren! Es galt doch, das Selbstbewusstsein der Kleinen zu stärken und sie zum kreativen Weitermachen zu animieren. Eine Erziehungsregel, die mir so selbstverständlich war, dass sie ausgesprochen beinahe zur Plattitüde geriet.
Regelmässig kaufte ich Rahmen und Mappen für die Gemälde und staubte vorsichtig die kleinen Knet- und Pappmachéhaufen ab, die überall im Wohnzimmer herumstanden. Tatsächlich gefielen mir die entstandenen Kunstwerke. Alle. Alle?
Zugegeben, hin und wieder schob ich eines der seltsameren Gebilde aus der vordersten Reihe hinter die Bücher. Das fiel den kleinen Argusaugen jedoch sofort auf. „Wo ist denn mein Nageligel (ersatzweise: mein Salzteighandy, meine Monstermaske)?“ Schuldbewusst murmelte ich etwas von „sauber gemacht“, „fotografiert“ oder „Omi und Opo gezeigt“ und rückte das entsprechende Artefakt an seinen angestammten Platz.
Irgendwann entdeckte ich einige Skizzen meiner Tochter – zusammengeknüllt und wegschmissen. Entsetzt kramte ich die Werke aus dem Mülleimer und glättete sie. Es waren Portraits verschiedener Filmstars. „Die sind doch total schön!“, rief ich.
„Mama, hör auf, im Müll zu wühlen. Ich finde sie nicht gut, okay?“, erwiderte die 12-Jährige.
Erschüttert schlich ich aus ihrem Zimmer. Und erst in dem Moment wurde mir bewusst, dass das breite Kinderstrahlen ob meiner Lobhuddelei irgendwann zu einem Mundwinkelzucken verkommen war.
Das Fass zum Überlaufen brachte ein aus Versehen erlauschter Satz, den mein damals 9-jähriger Sohn seinem Kumpel zuraunte. „Meine Mama hat nicht so einen guten Geschmack. Die findet alles toll, was ich gemacht habe. Sogar das Strumpfhosenwürmchen, das wir im Kindergarten basteln mussten.“ Giggelnd rannten die frechen Kerle davon.
Kurzentschlossen packte ich die von den Händen meiner Kinder produzierten Staubfänger in eine Kiste. Nur einige ganz besondere Stücke ließ ich stehen. Ich sah mich zufrieden um und atmete erleichtert auf.
„Hey, du hast ja mal aufgeräumt“, sagte das vorbeirauschende Töchterchen. „Sieht toll aus.“
Später zeigte sie mir eine nahezu perfekte Bleistiftskizze von Jack Sparrow.
„Super schön“, staunte ich.
„Ach, das sagst du doch immer. Du findest doch alles toll, weil du meine Mutter bist.“
„Nein, nein, wirklich, die ist super schön. Das fände ich auch, wenn wir nicht verwandt wären“, beteuerte ich.
Ihr Zucken im Mundwinkel wurde beinahe ein echtes Lächeln.
Mein Sohn hat außer im Kunstunterricht nie wieder einen Stift in die Hand genommen oder irgendetwas gebastelt. „So was interessiert mich einfach nicht“, erklärte er. „Aber gestern bin ich im Ranking drei Plätze aufgestiegen (Anmerkung: Das hat irgendwas mit Online-Computer-Spielen zu tun.) Doch das interessiert dich ja nicht.“
Darüber muss ich jetzt erst einmal nachdenken.

Freitag, 16. Oktober 2015

Fernsehdreh auf der Buchmesse 2016

Es gibt Momente, da schaut man sich im Spiegel an und denkt: "Hey Baby, du siehst ja toll aus!" Dann putzt man sich die Zähne und geht allein ins Bett.
Und dann gibt es jene, da hängte man lieber ein Handtuch zwischen sich und sein Abbild. Nun ja, die sind dann oft der Morgen von Tagen, an denen man meistens etwas sehr sehr Wichtiges in aller Öffentlichkeit vorhat. Zum Beispiel einen kleinen Fernsehdreh auf der Buchmesse. Leider bin ich keine Kamerafrau.
Doch das Leben ist immer und immer wieder unglaublich. Ich hatte mich also drei Mal umgezogen, war völlig hin und her gerissen zwischen elegant (nun ja), verspielt (so als Kinderbuchautorin doch völlig legitim, oder?), sexy (toller Witz) und lässig. Es wurde dann das Lieblingskleid, das eigentlich in die Wäsche gehört hätte. Und wisst Ihr was? Es war gar nicht wichtig. Ich habe auf der Messe sehr nette Leute und Kollegen getroffen, den Fernsehdreh absolviert, einige Verlagsgespräche geführt und mich abends auf der legendären Fischerparty zwischen lauter berühmten Leuten etwas betrunken. Es wäre völlig egal gewesen, was ich dabei trug. Obwohl. Drei Leute meinten, ich hätte ein schönes Kleid an.

Morgens halb elf am Fischer Verlag-Stand voller ehrwürdiger und berühmter Autoren. Das Fernsehen kommt also. Meinetwegen (sic).
"Hallo, ich bin die Kamerafrau. Du kennst mich nicht, aber ich dich." (Ein gemeinsamer Freund brach das sowieso nicht vorhandene Eis. Wir lachen sofort.)
"Ach, das ist toll, Sie sind ja eine richtig fröhliche Frau, die so strahlend lacht. Das müssen wir unbedingt mit der Kamera einfangen."


"Ein Kleid mit Fischen drauf. Wie passend."
"Ähm, diese Frisur, also, sollte ich mich vielleicht noch mal kämmen?"
"Die Frisur ist doch toll." (Ach, ja?)
"So wir räumen das hier mal alles, alles weg, und das hier auch noch, und dann arrangieren wir viele Ihrer Bücher darauf und dann läufst du in weiten Kreisen um Frau Herden herum." (Viele Male. Erwähnte ich die echten Stars im Hintergr.... ähm, am Stand? Es war mir alles etwas peinlich.)


"Wie viel wiegt denn diese Kamera?"
"12 Kilogramm."
"Und jetzt noch mal so."
"Nun von links."
"Vielleicht noch mal von rechts."
"Und noch mal von hinten."
"Mach das noch mal mit dem Blättern."
15 Minuten Stromausfall.


"Und jetzt machen Sie doch mal etwas, was Sie immer so am Messestand Ihres Verlags machen."
"Ähm, ... rumsitzen, ausruhen, Kaffee trinken?!
"Nein, mit Ihrer Lektorin."
"Nun ja ... rumsitzen, ausruhen, Kaffee trinken und dabei lachen?"
"Spielen Sie doch einfach mal eine nette Szene zusammen."
"Damit hatte ich nicht gerechnet, dass ich heute fürs Fernsehen gefilmt werde."
"Kann man uns hören, oder können wir Quatsch reden?"

Nach einer guten Stunde waren die 1,5 Minuten Sendezeit im Kasten. hr Fernsehen, Hessenschau kompakt