Mittwoch, 16. Juli 2014

Bitte, bitte liebt mich! – Frau Herden trauert der Nummer 600 nach


Aus aktuellem Anlass schrieb ich soeben dies.
Ach ja: Wer nicht über sich selbst lachen kann, der sollte das hier nicht lesen.


Über Nacht habe ich im Facebook wieder einen Fan verloren. Jetzt sind es nur noch 598. Dabei hatte ich mich vor zehn Tagen noch ganz innig bei meinen 600 Fans bedanken dürfen. Zum Tag des Kusses natürlich mit Kussbildern, die zwar etwas peinlich, aber doch von Herzen waren. Nicht nur, dass es seitdem keinen neuen Freund meiner Autorenseite gibt, zwei Tage später verließ mich gar einer. Und nun ist das also wieder passiert.
Ich starre auf die Zahl 598, weine leise vor mich hin und rufe in die Leere des Raumes hinein: „Warum, liebe 599? Warum? Und was war dein Grund, Nummer 600? Wann und wie habe ich euch so bitter enttäuscht, dass ihr mich verlassen musstet? Ihr hättet mich doch auch einfach unauffällig ignorieren können.“ 
Die ahnen vielleicht nicht einmal, wie sehr ich an sie denke.

Dabei gebe ich mir doch so viel Mühe. Jeden Tag überlege ich mir etwas, womit ich meine Fans beglücken könnte. Ich mache mir Gedanken über Wichtiges oder auch mal Unwichtiges, kleide sie in die mir eigenen Worte, fotografiere oder finde dazu ein Bild, arbeite das Ganze noch mal auf und präsentiere es dann in möglichst mungerechten Stückchen. Wenn es jemandem gefällt, dann freut mich das. Wenn gar einer etwas dazu äußert, muss ich ein aufgeregtes Klopfen meines kleinen, wilden Herzens unterdrücken. 
Obwohl es hin und wieder schon schmerzt, dass Posts, die ich nur geteilt habe, weitaus mehr „Likes“ bekommen, als solche, die ich mir in der eben beschriebenen Form quasi aus der Seele gerungen habe. Die Frage, was mir das sagen soll, ignoriere ich jedoch tapfer und mit fest zusammengebissenen Zähnen.

Manchmal kann ich mich auf gar nichts anderes konzentrieren, bis nicht irgendeine Reaktion auf meinen Tagespost gekommen ist. Um die Wartezeit bis dahin zu verkürzen, telefoniere ich währenddessen gerne mit meiner Freundin Katinka.
„Warum mache ich das?“, jammere ich dann zum Beispiel.
Eigentlich hatte ich die Seite nämlich einst eröffnet, um über meine Bücher und auch etwas über mein Leben als Kinderbuchautorin zu berichten. Für Leute, die das interessiert. Veranstalter zum Beispiel, die nach Autoren für das nächste Festival Ausschau halten, Lehrer und Bibliothekare, die sich ein Bild von mir machen wollten, und Buchhändler. Das sollte flott, rein beruflich orientiert, aber sympathisch funktionieren und vor allem nicht viel Zeit kosten.

Als eine Studie der TU meines Heimatstädtchens herausfand, dass Facebook in den Usern Neid schürt mit all seinen Bildchen, die „Schaut her! Hier bin ich in meinem wahnsinnig sexy Outfit, an diesem wunderschönen Ort, gleich beiße ich in diesen unglaublich leckeren Burger, neben mir sitzen diese ultracoolen Leute und nachher fängt es erst richtig an!“ schreien und ein höhnisches „Und du so?“ nachschieben, da überprüfte ich alles (Blog, Profil, Autorenseite) genau darauf hin. Denn das wollte ich nicht. Neidisch sollte niemand auf mich sein. Beruhigenderweise stellte ich schnell fest, dass ich gar kein wahnsinnig sexy Outfit besitze und mich so auch nie aus Versehen darin hätte fotografiert haben können. Ehrlich gesagt, besitze ich auch gar kein Selfiephone, mit dem man das gemeinhin und eben mal schnell so macht. Und vielleicht auch nicht mal die Figur ... doch das ist ein ganz anderes Thema.

„Letztendlich wollen wir eben alle geliebt werden“, sagt Katinka. „Darum.“
„Aber bin ich denn so verdammt liebebedürftig, dass ich mich auf ein „Gefällt mir“ stürze wie ein verhungernder Straßenköter auf einen angeschimmelten Knochensplitter?“
„Darüber müsstest du vielleicht mal nachdenken“, sagt Katinka.
„Ja, da hast du recht. Vielleicht läuft ja irgendetwas schief in meinem Leben.“
Ich lege auf, nicke mit dem Kopf und nehme einen Schluck aus der Tasse mit kaltem Kaffee. Dann presse ich den Hörer wieder an mein Ohr und drücke die Wiederwahltaste.
„Katiiiinkaaaa? Aber warum hat mich Nummer 600 nicht mehr lieb?“

Mittwoch, 9. Juli 2014

Der Keller ist ein kalter Ort – Notunterkünfte für kleine Revoluzzer


Menschen saßen schon immer zusammen, am Feuer zum Beispiel oder beim Quilten. Die Alten erzählten und die Jungen hörten zu. So erfuhren sie die Geschichten und Legenden des Stammes oder der Familien.
Und lernten.


„Mama, erzähle uns von früher, als du klein und noch jung warst!“, wurde ich vom eigenen Offspring aufgefordert. Ich erzähle gerne und so waren wir oft zusammen – im Auto auf großer Fahrt zum Beispiel, beim Durch-die-Landschaft-Laufen oder Vor-dem-Zelt-Sitzen – und ich erzählte. Je älter die Kids wurden, desto älter wurde auch die Protagonistin (ich) meiner Geschichten.

Und so begannen die Fehler. In meinen Erinnerungen schwelgend, erzählte ich nämlich vor lauter Begeisterung hin und wieder zu viel. Und die Kinder lernten. Saßen da mit offenen Ohren, offenen Mündern und ich tauchte mit ihnen in jene verrückte Nacht ein, als ich, 14-jährig, gemeinsam mit einer Freundin heimlich eine wilde Party mit erstem Bier (schmeckte nicht) und richtigem DJ erlebte. Wir hatten Schlafsäcke dabei und die Option bei „dem süßen blonden Typen“ zu übernachten. Leider hatte dessen Mutter etwas dagegen. Darum standen wir plötzlich mutterseelenallein gegen zwei Uhr morgens zehn Kilometer vom Heimathafen entfernt im kalten Novembernieselregen. Wir hängten uns die Schlafsäcke über und liefen durch den finsteren Wald nach Hause. Da sie ja bei mir und ich bei ihr übernachtete, schlichen meine Freundin und ich uns in den Keller ihres Elternhauses. Nach unserem nächtlichen Marsch waren wir sehr sehr hungrig. Das Grillen zweier Wienerwürstchen in Aspik aus der Voratskammer auf einem alten Bügeleisen wollte nicht schmackhaft gelingen. Notgedrungen hebelten wir mit einem Stemmeisen eine Thunfischdose auf, verschlangen den öligen Inhalt und entsorgten die Dose hinter einem Haufen Bretter. Dann versuchten wir eng aneinander gegabelt in den Schlaf zu finden. Vier fischbegeisterte Katzen, die sich von einem meterhohen Bretterhaufen nicht entmutigen lassen wollten, und die deutlichen Minusgrade verhinderten das jedoch. Schließlich gaben wir auf, schlichen ins Bett der Freundin, wo wir nur wenige Stunden später entdeckt und bestraft wurden.

Vor etwa zwei Jahren brach das Töchterchen zu einem Übernachten bei einer Freundin auf. Am nächsten sehr frühen Morgen klingelte das Telefon. Die aufgeregte Mutter einer ganz anderen Freundin meiner Tochter war am anderen Ende.
„Weißt du, wo unsere Mädchen heute nacht geschlafen haben?“, fragte sie.
„Also, meine war bei einer Freundin.“
„Ha! Das stimmt nicht. Die waren bei euch im Keller!“

Der Tag wurde von vielen Tränen, Erklärungen und auch einem Entschuldigungsgang auf das nächste Polizeirevier bestimmt, wo sich die Mädels bei den beiden Beamten meldeten, die die ganze Nacht lang sämtliche Facebookfreunde im Umkreis von 30 Kilometern abgefahren waren. Ich war sehr froh, dass ich diese ganze Nacht seelenruhig geschlafen hatte und von all dem gar nichts wusste.

„Aber, Mama, das hast du doch damals auch gemacht“, raunte mir das Töchterchen zwischendurch zu.
„Na und, das ist kein Argument“, sagte ich und versuchte mich an einer gestrengen Miene.
„Ich kann sehen, dass du lachen musst“, erwiderte das freche Weiblein und grinste mich an.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Frau Herden ist eine Frau – und das gerne

In meiner heutigen Mittwochskolumne wage ich mich an ein wichtiges Thema und sage: Ich bin gerne Frau und würde auch gerne mal wieder so behandelt werden. Dafür würde ich auch meine geliebte Kapuzenjacke ausziehen.



Ich bin gerne Frau. Mit allem Pipapo. Mit Begegnungen voller Zuvorkommenheit und Achtsamkeit, mit Beschütztwerden und Türaufgehaltenbekommen, mit Ausgeführtwerden und Nichtimmerbestimmenwollen (außer natürlich, wenn ich recht habe).
„Oh, ha!“, höre ich die Emanzen schimpfen. Aber die schimpfen immer mal, wenn ich etwas sage. Manchmal auch, wenn sie mich nur sehen.
Dabei hat das gar nichts mit Gleichberechtigung oder Emanzipiertsein zu tun. Ersteres erwarte ich, das zweite bin ich. Seit sechzehn Jahren erziehe ich (mit zwei knapp dreijährigen Unterbrechungen) meine Kinder alleine. Da bleibt einem gar nichts anderes übrig.
Trotzdem.

Wie schön wäre es beispielsweise, einen Anruf von einem netten Mann zu bekommen (ich ignoriere hier einmal ganz bewusst, dass dieser Anruf natürlich erst nach dem Kennenlernen eines netten Mannes erfolgen kann und spreche einfach mal aus Erfahrung), der mich auffordert, eine Tasche für drei Tage zu packen – je nach dem mit Badeanzug oder Wanderschuhen, vielleicht auch einem Buch und meinem Kleid für Gelegenheiten – und einfach damit zu warten, bis er mich abholen kommt. Alles andere sei schon organisiert.

Vielleicht bin ich etwas maßlos? Nun gut, ein Anruf von einem netten Mann, der sagt, er würde mich in einer Stunde zum Essen abholen und ich bräuchte weder das Restaurant raussuchen noch dort einen Tisch reservieren, denn das hätte er alles schon getan und das Lokal sei eine Überraschung, würde mich schon unendlich glücklich machen.
Denn so etwas kenne ich aus den Filmen der 50er und 60er Jahre. Leider nur daher.
Ich selbst habe wunderbare Freundschaften und Lieben leben dürfen. Aber immer war ich auch ein bisschen der Animateur darinnen gewesen. Dabei wollte ich das nie sein. 
„Na und?“, fragen vielleicht manche und verstehen meine Not nicht. Darum möchte ich ein Beispiel erzählen.

Einmal, es ist viele Jahre her (etwa die Zeit, aus der das Plakat von mir stammt), da wollte ich die Probe aufs Exempel machen und beweisen, dass ich für den Mann an meiner Seite oft sogar denken musste.
Wir waren eingeladen und hatten einen sehr großen Salat bereitet. Wir setzten uns damit ins Auto. Der Mann fuhr. Ich sagte nichts. Der Mann fuhr die lange Straße hinunter, durch die ganze Stadt, auf den Autobahnzubringer. Ich sagte nichts.
Kurz vor Frankfurt fragte der Mann: „Wo müssen wir noch mal hin?“
Ich sagte es ihm.
Die Adresse lag nur wenige Straßen von unserer Wohnung entfernt. Das Auto hatten wir eigentlich nur wegen des sehr großen Salats genommen.
„Warum hast du das denn nicht gleich gesagt?“, wurde ich angefahren.
Das führte letztendlich zu einem etwas lauteren Gespräch auf einem Autobahnparkplatz.
„Weißt du, manchmal ist es eben einfacher, dich zu fragen, als selbst nachzudenken“, ließ er mich ganz unverblümt wissen. Okay, nicht ganz unverblümt. Er grinste dabei. Und er hatte ein süßes Grinsen.
Versöhnt haben wir dann auch gleich noch dort auf dem Parkplatz den Salat gegessen.
Ach ja: Eingeladen hatten uns übrigens seine Freunde.


Das letzte Mal ging es um Traditionen. Das passt ja irgendwie zusammen.

Sonntag, 29. Juni 2014

Kirschkuchen mit Schmandguss – der perfekte Sommer-Sonntags-Oma-Kuchen vom Blech

Habt Ihr noch Kirschen im Garten? Oder vielleicht der Nachbar? Dann könntet Ihr damit diesen himmlisch köstlichen Kuchen backen.



Man braucht:

für den Teig:
200g zimmerwarme weiche Butter / 100 g Zucker / eine Prise Salz / 4 zimmerwarme Eier / 250g Mehl / 2 TL Backpulver / etwas Milch

für den Schmandguss:
500g Schmand / 4 Eier / 100 g Zucker

etwa 600 - 700 g Kirschen (je nach Geschmack)

So geht´s:
Die Kirschen entsteinen. Das funktioniert zum Beispiel mit dem runden Ende einer großen Sicherheitsnadel ganz prima, auch wenn es etwas spritzt.

Ofen auf 200 Grad vorheizen.

Butter, Zucker und Salz schön schaumig rühren. Nach und nach die Eier zugeben und weiter schaumig rühren.
Mehl und Backpulver mischen.
Das Mehl unter die Zucker-Butter-Eiermischung geben.
Mit ca. 5 Esslöffel Milch den Teig geschmeidig rühren. Achtung: Sobald das Mehl im Teig ist, immer nur noch ganz kurz rühren, sonst wird das Ganze kleistrig.

Ein hohes Kuchenblech (meines ist 26 x 38 x 4 cm und für die Teigmenge perfekt) ausbuttern (oder einfetten, ;-)). Den Teig darin verteilen. Darauf die Kirschen legen.

Schmand, Eier und Zucker verquirlen und über die Kirschen geben. Den Kuchen 35 Minuten in den Ofen schieben.

Zum Genießen gibt es zwei Varianten:
* noch warm mit Vanillesahne oben drauf
* oder kalt (gerne auch am nächsten Tag)

Mittwoch, 25. Juni 2014

Traditionen – Frau Herden findet ihren Weg


Heute habe ich mich in meiner Mittwochskolumne einmal mit meinem Verhältnis zum Alten beschäftigt und festgestellt, dass ich trotz allem kein Spießer bin, sondern wahrscheinlich überleben würde.


Wäre das Leben ein Film, dann wäre meine Rolle darin wohl die eines Bewahrers. Ich betrachte gerne Relikte alter Zeiten, egal ob pompöse Ölschinken in Prachtsälen oder verrostete Riegel an Ruinen. Dann stelle ich mir vor, was beispielsweise ein Nagel, der vor 300 Jahre in einen wurmlöchrigen Hausbalken geschlagen wurde, schon alles gesehen und gehört hat, oder wer, Worte der Liebe flüsternd, den verzierten Knopf an einem alten Strumpfhalter befingerte.
Inzwischen bin ich auch nicht mehr böse, dass mich meine Eltern in sämtliche Kapellen, Kirchen, Klöster und Kathedralen (ganz zu schweigen von den Lustschlösschen und Herrschaftssitzen) zwischen Magdeburg und dem schwarzen Meer schleppten. Im Gegenteil.
Aber nicht nur in dieser Weise bin ich der Historie und den Traditionen verhaftet. Habe ich mich im Alltag mit etwas angefreundet und es als funktionierend erkannt, muss ich es nicht austauschen, nur weil es längst etwas Neueres gibt. Nicht, dass ich dem Neuen misstrauisch oder gar ablehnend gegenüber stehe. Nein, ich mag es einfach, mich mit Dingen zu umgeben, die eine Geschichte haben. Gerne auch eine mit mir.
Außerdem möchte ich nicht wegen des Gebrauchs moderner Technik einst erlernte und eventuell irgendwann einmal überlebenswichtige Fähigkeiten einbüßen. Vieles kann ich nämlich auch ohne Hilfsgerät.
Und vielleicht liegt es daran, dass ich mit beinahe knurrender Verbissenheit mein altes Nokia-Handy verteidige, das ich vor 15 Jahren aus der Not heraus kaufte, als ich das Töchterchen in die Krippe geben musste, um die Architektur zu studieren.
Dem 13jährigen Sohn entlockt das hin und wieder ein mildes Lächeln. Letztens musste ich ihm gar das Versprechen geben, vor der nächsten längeren Lesereise, diesen Zustand zu ändern. „Mamilein, das ist dumm und unwirtschaftlich, wenn man vor Dekaden geschlossene Verträge einfach immer weiterlaufen lässt.“ Mamilein bin ich nur in solchen Momenten.
Meine Tochter nimmt das Ganze gelassener und sogar mit etwas Stolz, will mir scheinen. Sie ist inzwischen in dem Alter, da Eigenheiten manchmal durchaus als etwas positives wahrgenommen werden.
Vor einer Weile bekam ich am Rande ein Gespräch zwischen ihr und einer Schulkammeradin mit.
„Den Straßennamen gebt ihr dann einfach in den Navi ein“, hatte das Mädchen gesagt.
„Wir haben kein Navi“, antwortete meine Tochter.
Die pure Erschütterung im Gesicht der Anderen musste ich gar nicht erst sehen, als sie fragte: „Wie findet deine Mutter denn dann ihren Weg?“
Nun ja ...

Am letzten Mittwoch ging es um brechende Mutterherzen.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Mama, du bist peinlich! – Frau Herdens Mutterherz bricht im Tanze



So langsam beginnt die Zeit, da ich des Abends im Heimatstädtchen nicht einfach mehr ganz unbedacht ausgehen kann. Meine Tochter geht inzwischen nämlich auch hin und wieder aus. Früher dachte ich noch, dass es ganz nett wäre, wenn wir irgendwann zusammen tanzengehen würden. Aber damals glaubte ich ja auch, dass der Musikgeschmack meiner Kinder etwas damit zu tun haben könnte, was ich ihnen während der vielen Jahre unseres engen Zusammenlebens vorgespielt hatte. Seit vier Jahren kenne ich jedoch die Wahrheit.

Damals fand hier das erste Kinderliteraturfest statt. Das 12-jährige Töchterchen war begeistert. Was wiederum mich sehr freute. Das Kind ließ sich von Literatur in den Bann ziehen! Wie im Glückstaumel stürzte ich mich in die das Lesefestival abschließende Disko. Ein stadtbekanntes DJ-Duo legte für die Kids an einem Ort Platten
auf, der eigentlich in mein Leben gehörte, zumindest in meine übliche Abendgestaltung. Das fand ich irgendwie süß. Da wollte ich dabei sein. Glücklich und gerührt schwenkte ich die Arme und schleuderte die Beine zwischen den kleinen Freunden meines Kindes herum. Das zog jedoch einen Flunsch, der immer wütender wurde.
„Engelchen, was ist denn los? Gefällt dir deine erste richtige Disko nicht?“, fragte ich.
„Rede nicht mit mir! Geh weg! Du bist peinlich!“, zischte die Süße mich an.
Aua! Ich versuchte mich an einem Lachen, entschuldigte die Beleidigung vor mir selbst als schlechten Scherz und tanzte weiter.
Doch das Töchterchen hatte es durchaus ernst gemeint.
„Du sollst weggehen!“, schrie sie gegen die treibenden Beats an und mein Mutterherz brach. Ich ließ meine plötzlich zentnerschweren Arme sinken und eine Träne rollte meine Wangen hinunter.
„Ey, lass sie doch hier mit tanzen. Sie ist echt cool“, beschwichtigte eine der kleinen Freundinnen meine Tochter. Sie nahm sogar meine Hände und versuchte mich in einen flotten Reigen zu ziehen.
„Cool? Die ist doch nicht cool!“, schrie mein Kind. „Das ist meine MUTTER!“
Mit hängenden Schultern befreite ich mich, schlich von der Tanzfläche und lief hinter die Bar, die wie ein großer Raumteiler den kleineren Teil der Lokalität abschirmte. Dort tanzte ganz alleine eine Bekannte. Durch einen schmalen Spalt beobachtete sie ihren Sohn auf der anderen Seite.
„Sind sie nicht süß?“, fragte sie und drehte sich im Takt.
„Na ja“, machte ich bedrückt.
„Wir können ja hier tanzen“, sagte sie.
Lustlos begann ich ein bisschen hin und her zu wippen und wackelte auch etwas mit den Armen. Aber so hatte ich mir das Ganze nicht vorgestellt.

In diesem Sommer passiert es nun zum ersten Mal, dass in der Nähe ein Musikfestival stattfindet und wir nicht im Urlaub sein werden. Schon immer wollte ich dort gerne hingehen. Doch das Schicksal hat mir wieder einmal einen Strich durch meine Pläne gezogen. Das Töchterchen hat sich nämlich längst eine Karte gekauft.

Als ich mal am Marterpfahl stand, kann man hier nachlesen.

Sonntag, 15. Juni 2014

Frau Herdens Lieblings-Erdbeer-Rhabarber-Crumble

Im letzten Jahr "erfand" ich mir ein leckeres Rhabarber-Crumble. Ein Crumble ist ja quasi mit knusprigen Krümeln überbackenes Obst. Gestern bug ich wieder einmal ein solches und ich muss sagen, diese kleine Köstlichkeit toppte die vom letzten Jahr noch einmal um Längen. Darum hier und heute mein Lieblings-Erdbeer-Rhabarber-Crumble wie immer im Glas, aber natürlich genauso gut in der Auflaufform möglich.
Man beginnt damit schon am Abend vorher, zumindest einige Stunden vor dem Backen.


Zutaten für etwa 10 Gläschen:

500 g Erdbeeren / vier Stangen Rhabarber / ca. 6 bis 7 EL Zucker (zum Zuckern der Früchte) /  100 g weiche Butter / 100 g Vollkornhaferflocken / 100 g braunen Zucker / 50 g Mehl / 50 g geriebene Haselnusskerne / 1 TL Vanillepaste / Prise Salz


So geht´s:

Die Erdbeeren waschen und in Scheiben schneiden. Zuckern und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Den Rhabarber waschen, schälen in Scheiben schneiden, ordentlich zuckern und über Nacht in den Kühlschrank stellen. (Das könnte man natürlich auch in einer gemeinsamen Schale machen, aber dann kann man die übrig gebliebenen Erdbeeren am nächsten Morgen nicht einfach so verspeisen, weil ja dann der ungekochte Rhabarber dazwischen ist.)

Am nächsten Morgen:
Ofen auf 200 Grad vorheizen.

Die Gläschen (oder die Form) buttern und zur Hälfte mit Erdbeeren und Rhabarber füllen. Dabei auch vom süßen Saft nehmen. (Falls Saft übrig bliebt, kann man den in ein Glas füllen und mit Sprudelwasser auffüllen. Lecker!)

Alle anderen Zutaten mit der Maschine oder den Händen zu Krümeln verkneten. Davon jeweils eine Handvoll fest in die Gläschen auf das Obst drücken.
Nun die Gläschen (ich stelle sie immer auf das Backblech und kann sie so alle auf einmal rein- und rausziehen) etwa 20 bis 25 Minuten in den Ofen stellen.
Herausholen, fertig. Lecker und saftig in warm, lauwarm, kalt und am nächsten Tag.

Wer auch einmal das andere Crumble vom letzten Jahr probieren möchte, der findet das Rezept hier.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Am Marterpfahl – Frau Herden organisiert den perfekten Kindergeburtstag


Zum Mittwoch meine persönliche Kolumne. Heute wieder ein Text, den ich im letzten Jahr für das Familienmagazin Fratz schrieb: Indianergeburtstag.


„Das wird toll!“, jubelte das Söhnchen. "Stimmt doch Mama, oder?"
Der seltsame Druck in meiner Brust nahm zu. Es ging um den Indianergeburtstag in einigen Wochen. Der musste einfach viel, viel besser werden als die Fantasyparty mit Zauberer, Vampirangriff und echtem Drachen letztens bei Levin. 
Mindestens.

Ich nutzte die wenige verbleibende Zeit sinnvoll. Ich recherchierte spannende Indianerspiele und wilde Stammesrituale, kochte Bärenpfoteneintöpfe (nach Karl May ja das Leckerste überhaupt) zur Probe und bestellte eine riesige Pinata in Mexiko, ich bastelte einen lebensgroßen Pappmacheé-Büffel, bog Bögen, schnitzte unzählige gefiederte Pfeile und wickelte einen original indianischen Fußball aus unzähligen Stoffbändern.
„Mama, wir Jungs basteln doch nicht“, sagte das Söhnchen. Also packte ich die vorbereiteten 10 Kreativ-Sets wieder aus und fertigte daraus selbst noch schnell 10 bemalte Lederbeutel und 10 Krallenketten. Außerdem drechselte ich für jede kleine Rothaut ein Kriegsbeil, während der vor sich hin schmurgelnde Eintopf seinen penetranten Duft nach Wildem Westen verbreitete.

Am Tag der Tage wollte ich mich eigentlich für eine lange Zeit in die Einöde der Prärie zurückziehen, um zu ruhen. Doch dann kamen die Blutsbrüder. Mit wildem Gebrüll zog der Tross in den Park ein. Am vorbereiteten Plätzchen erkletterte einer der Schwarzfüssigen sofort die luftige Höhe einer Laterne, während die anderen mit Pfeilen um sich schossen. 
Mein Mahnen wurde von den Wilden überhört, geknebelt und an den Marterpfahl gefesselt gab ich wohl keine überzeugende Figur ab. 
Ein grober Kerl mit buntem Kopfschmuck begann aus unerfindlichen Gründen zu schreien und wurde kurzerhand von der Meute mit dem original indianischen Fußball ins weite Land Manitus geschossen. Ich wollte helfen, doch mir waren die Hände gebunden. 
Pfeile surrten an mir vorbei. Aus den umliegenden Gebüschen fiepte und röchelte es. Erst als die rauen Kerle die Pinata nicht aufgeschlagen bekamen, band man mich los. 
Unter dem entsetzten Aufstöhnen aus 10 verschmierten Schokomündern schlug ich mit dem Stock wie ein Berserker auf das bunte Krepplama ein. Hinter mir begannen ein paar kleine Stimmchen zu weinen.
Auf dem Heimweg zum Bäreneintopf kamen wir an einem Burgerladen vorbei. Ungünstigerweise erinnerten sich die nur beinahe müden Krieger ihrer Holzbeile. Mit Kriegsgeheul enterte der Stamm die fettigen Räumlichkeiten, bedrohte die Bedienung und forderte Nahrung. Ergeben bezahlte ich. Auch die zerschlagene Vitrine mit billigem Plastikspielzeug.

Als endlich alle kleinen Indianer in ihre eigenen Wigwams zurückgekehrt waren, sank ich erschöpft danieder und genehmigte mir einen großen Schluck Feuerwasser. 
„Mama, das war der tollste Geburtstag der Welt“, schwärmte das Söhnchen. 

Auweia, den gilt es im nächsten Jahr zu toppen.

Wer lieber wandern geht, mag zuvor vielleicht die letzte Mittwochs-Kolumne lesen.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Wandertag – oder: The secret knowlegde of the nature wariors – level 1

Na, wunderbar. Die dritte Mittwochs-Kolumne erscheint also bereits am Donnerstag. Tja, so ist das bei einer selbstständigen Autorin: Die hat einfach das Gefühl für die Wochentage verloren. Nichts desto trotz folgt hier ein Text, der ganz wunderbar zu freien Sonnentagen passt und im letzten Jahr im Fratz Magazin erschien.

Ein ganzes Album meiner Fotografien von der Wiese, findet Ihr hier.


Wandertag
während diese Ankündigung in der Schule zu Jubel führt, erntete ich im Zuhause nur einen mitleidigen Blick. Aber: Wandern ist gesund für Leib und Seele. Besonders für Comicleser und Computernerds. Außerdem kann man dabei entspannt die heimische Pflanzenwelt kennenlernen. Ich wollte mich nicht beirren lassen. Schon gar nicht von einem voller Unlust gezogenen Flunsch.
„Es gibt eine tolle Überraschung. Wir werden großen Spaß haben“, versprach ich.
„Wobei werden wir Spaß haben?“, fragte das heimkehrende Töchterchen.
„Wir müssen morgen wandern“, antwortete ihr Bruder. „Echt, ey! Wandern und Spaß ist ein Paradoxon.“
Ich freute ich mich über die – wahrscheinlich vererbte – Eloquenz des Söhnchens.

Am Abend vor dem großen Tag wälzte ich verschiedene Werke – den alten Schmeil aus meiner Schulzeit, einen Kosmos-Natur-Führer und das große Pfadfinderbuch. Mir war klar, allein mit einem fulminanten Picknick konnte ich mein Versprechen nicht einlösen. Darum bereitete ich ein Waldquiz vor: Bäume sollten benannt, Kräuter gesammelt, Tierlosung erkannt, eine Wetterprognose anhand des Wolkenbildes erstellt und die Himmelsrichtungen bestimmt werden. Das Übliche eben. Als ich selbst über alles bescheid wusste, legte ich mich zufrieden ins Bett. Ich beschloss, das Ganze nicht Waldquiz sondern The secret knowlegde of the nature wariors – level 1 zu nennen.

Darüber hatte ich ganz vergessen, eine Wanderstrecke rauszusuchen. Nun denn, ein netter Weg, der an einem Bächlein entlang mäandern, unter schattigen Baumkronen führen und blühende Wiesen kreuzen würde, fände sich sicherlich auch so. Zu unwegsam durfte er jedoch nicht sein, die Wanderschuhe des Söhnchens passten nicht mehr und das Töchterchen hatte gar keine.

Ich wollte mir die Laune nicht verderben lassen und schleppte meinen mit Proviant, Picknickdecke, Regenzeug, Fernglas und Quizutensilien vollgestopften Rucksack, mit dem ich normalerweise auf Fernreisen gehe, ins Auto. Dann setzte ich die muffelnden Kinder dazu. Der Morgen war nicht mehr ganz so früh, wie ich geplant hatte, eigentlich war es schon früher Nachmittag. Darum fuhr ich auch nicht so weit. Wir wollten ja in die Natur.

Die Wiese unter unserer Picknickdecke blühte, Bienchen summten, ein Bächlein murmelte und die Sonne lachte. Wir aßen Brote und sogar die Karotten- und Apfelschnitzen, wir lagen auf dem Rücken und guckten in die Wolken.
„Die sieht aus wie der Kopf einer Mantis“, murmelte das Söhnchen verträumt.
„Schau mal, die coole Dragon Fly“, sagte das Töchterchen. Wir schauten der schillernden Libelle nach. „Hey, wie ist denn die Sequoia hierher gekommen?“
„Vielleicht gab es hier mal ein Arboretum“, mutmaßte das Söhnchen.

Zum Glück fragte keiner nach der tollen Überraschung. Ich hatte die Quizfragen sowieso vergessen.
„Mamaschka, erzähl mal eine Geschichte. Irgendwas Lustiges aus der Zeit als du klein warst.“
Wir kuschelten uns zusammen. Eine Sommerböe spielte mit unseren Haaren. Ich erzählte. 
Das nächste Mal wandern wir bestimmt. 

Wer wissen möchte, wie man die Ruhe bewahrt, kann die Kolumne von letzter Woche lesen.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Frühstücksbrot mit karamellisiertem Mangold und Salbei – meine Lieblingsvariation mit Ei

Alle guten Dinge sind drei, so sagt man. Darum hier also meine dritte Frühstücksbrot-Variante. Und zu dem auch noch die, die mir am besten schmeckt.


Man braucht pro Portion:
zwei Handvoll Schnittmangold / eine Handvoll Salbeiblätter /1 Scheibe Lieblingsbrot / etwas Butter / eine Scheibe würzigen Käse / eine Scheibe Serrano Schinken / 1 Ei / Salz / Pfeffer / Chillischote / Honig

So geht´s:


1. Mangold und Salbei klein schneiden und in etwas Butter bei mittlerer Hitze braten bis der Mangold weich ist. Dann in einem Hauch Honig karamellisieren lassen. Salzen, pfeffern und etwas getrocknete, gemahlene oder frische, klein gehackte Chilischote dazugeben.

 
2. Eine Scheibe Lieblingsbrot toasten oder in der Pfanne mit etwas Butter rösten.


3. Das Brot mit Käse und Schinken belegen.


 4. Darauf das karamellisierte Gemüse anrichten.
In der Pfanne ein Spiegelei braten. Ich lasse das Gelb flüssig, aber drehe es ganz kurz mal um, damit das Weiß überall fest ist. So eine Mischung aus Sunny side up und Over easy wie der Amerikaner es nennt.
Das Ei auf das Gemüse geben. Fertig! Lecker!


Eine andere Variante mit knusprig gebratenem Salbei und Ei findest Du hier.

Freitag, 30. Mai 2014

Antje.Herden.Kinderbuchautorin – Wie alles begann

Immer wieder treffe ich Menschen, die ihre Anfänge vergaßen. Das finde ich verwirrend und seltsam. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie alles begann. "Alles" ist das aufregende Kapitel "Autorin", das sich nun (hoffentlich) bis zu meinem Lebensende ziehen wird.


Auf Lesungen werde ich oft gefragt: "Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?" Den Satz "Ich habe schon immer gerne geschrieben", versuche ich mir dann zu verkneifen. Obwohl es stimmt. Ich schrieb schon immer kurze Texte über mein Leben, besonders dann, wenn ich traurig war oder etwas nicht verstand. So entstand auch der allererste Text, den ich öffentlich vorlas. Vor 1000 Leuten!
Dabei war das alles ein großer Zufall.

Auf einer Party draußen und Ende September, umstanden wir ein brennendes Ölfass und ich erzählte einer Freundin von einer schwierigen Situation mit einem Mann und dass ich ihm zum besseren Verständnis meine Gedanken aufgeschrieben hatte. Diese Worte hatte ich ihm vorgelesen, er hatte sie aber trotzdem nicht verstanden. Dafür gefiel ihm ein Text zwei Seiten zuvor in meinem Notizbuch ausnehmend gut. Der behandelte ein seltsames vergangenes Wochenende, das mich etwas überfordert hatte, und trug die Überschrift: "Ein Versuch in lustig".
All das erzählte ich also meiner Freundin, als sich ein Mann an einem Nachbarölfass umdrehte und sagte, er würde die Darmstädter Dichterschlacht organisieren und ob ich eben jenen Text dort vorlesen wolle. Ach, ja, und sorry, das er gelauscht habe. Ich war nicht sauer. Ich habe eine sehr laute Stimme. "Na, ich weiß nicht", antwortete ich. Meine Freundin schrieb mich dann auf die Leseliste.


Ich war mit dem Rad zur Dichterschlacht in die Centralstation unterwegs, als sie mich anrief, dass ich am Abend also auch vorlesen würde. Um Himmels Willen! Schnell radelte ich wieder nach Hause und suchte den Text heraus. Zur Sicherheit auch noch einen zweiten, falls ich die Vorrunde gewinnen würde. Wer es nicht weiß, die Darmstädter Dichterschlacht ist ein Poetry Slam.
Vor der Tür fragte mich einer, ob ich noch eine Karte hätte, denn die Veranstaltung sei ausverkauft. Kurz überlegte ich, ob ich ihm einfach meine Karte geben und schnell wieder nach Hause fahren sollte.


1000 Leute! Es war furchtbar. Ich war noch niemals so aufgeregt. Vielleicht noch bei meiner Fahrprüfung, als ich meinem Fahrlehrer tumb vor Angst aus Versehen mit in die Klokabine folgte, bevor er mich freundlich darauf hinwies, dass er dort ganz gerne alleine wäre. Da wäre ich während des Lesens auch gerne ganz alleine gewesen. Vor lauter Verzweiflung machte ich mir beinahe und überaus sprichwörtlich fast in die Hose.
Ich gewann die Vorrunde. Ich las wie ein D-Zug, hin und wieder machte meine Stimme einen unkontrollierten Kiekser, nur eine hennarot gefärbte dicke Frau buhte, weil sie meinen Text sexistisch und unwürdig fand, die anderen freuten sich. Ein Poet schenkte mir ganz begeistert sein Buch, das Dichterschlacht-Team rief kurzerhand einen Nachwuchspreis aus und ich gewann meine liebe Freundin Katinka Buddenkotte, die mit mir im Finale stand. Das und dass ich nun tatsächlich Autorin geworden bin, war das Allerschönste.
Wer mag, hier ist die Aufnahme meines ersten Auftritts:
Wenn mir das Schicksal einen One-Night-Stand offerieren sollte, muss ich dankend ablehnen


Die Bilder zum Ereignis machte übrigens Rüdiger Wenig.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Kommt Frühstücken! – Variationen mit Ei, dieses Mal: Salbei

Ein großes Bund Salbei aus dem Garten meiner lieben Frau Mama ließ mich heute eine neue Frühstücksvariante mit Ei ausprobieren. Was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt.

Man braucht pro Portion:
1 Scheibe Lieblingsbrot (auch altbacken, sprich von gestern oder vorgestern) / Blue Cheese (Blauschimmelkäse oder Gorgonzola) / Salbeiblätter / Ei / Butter / Pfeffer / Salz



1. Die Brotscheibe toasten. Ich mag´s knusprig.



2. Blue Cheese darauf verteilen. Nicht zu sparsam. (Ich glaube, Brotporenzukratzer mögen meine Rezepte aber sowieso nicht, ;-).)



3. In Butter bei mittlerer Hitze die Salbeiblätter braten, etwas salzen. Diese auf den Käse geben.



4. Danach in der Pfanne das Ei braten. Salzen, Pfeffern. Vorsichtig auf die Salbeiblätter gleiten lassen und das Gelb einstechen.
Guten Appetit!

Du magst Salbei nicht so gerne? Wie wäre es mit Spinat? Hier findest Du eine andere Variante mit Ei.

Mittwoch, 28. Mai 2014

Entspann dich mal! – Frau Herden versucht, die Ruhe zu bewahren


Mal sehen, ob es klappt, die Idee ist da, die Idee der persönlichen Kolumne hier auf dem Blog, vielleicht jeden Mittwoch. In der letzten Woche begann ich mit dem ganz großen Glück. Heute und an den nächsten beiden Mittwochstagen gibt es hier je einen Text, den ich als Kolumne für das Familienmagazin Fratz schrieb.


Nur die Ruhe

Das Jahr ist noch sehr nicht alt, darum weiß ich auch noch sehr genau, wie meine zwar heimlichen aber auf alle Fälle leichtfertigen Vorsätze für eben jenes klangen. Darum stehe ich nun auch hier und wische mir ein Tränchen der Verzweiflung fort. 
„Entspann dich mal!“, sagt meine kinderlose Freundin. 
Ha!

Dabei hatte es so gut begonnen. Voller Tatendrang wollte ich 
* das Söhnchen in Französisch auf Vordermann bringen, 
* die Küchenschränke ausmisten, 
* den Keller aufräumen, 
* mit den Kindern durch die Winterschlaf haltende Natur stromern, überhaupt, der Natur in ihrem Jahresverlauf folgen und ganz viel draußen sein, 
* täglich etwas Frisches kochen, 
* aus den 100 Einzelsocken 50 Sockenpaare krempeln, 
* die neuen Spielkartons auspacken und einen wöchentlichen Familienspielabend einführen, 
* den Staub unter den Betten wegsaugen, 
* dem Töchterchen das Nähen mit der Maschine beibringen, 
* jeden Dienstag eine kreative Bastelstunde – gerne auch mit den Freunden der Kinder und selbst gebackenem Kuchen und Limonade – abhalten und als Familie das Wort Nachhaltigkeit nicht nur buchstabieren, sondern auch umsetzen können. 
Es gab noch einige Vorsätze mehr, die hatten etwas mit mir zu tun, die sind mir aber gerade entfallen.
Ich habe es versucht. Wirklich und wahrhaftig.

Inzwischen alpträume ich von Malicka et Emma, les filles très sympa, verteidige den aufgeräumten Küchenschrank, damit dort niemand unüberlegt etwas hineinstellt, denn dazu sind die anderen, die unaufgeräumten Schränke da, und verstecke mich vor den Nachbarn, weil die Dinge, die nun nicht mehr in den Keller passen, vor dessen Tür stehen. Ob die Natur schon erwachte, versuche ich an den Winters zerplatzten Balkonkästen zu erkennen. Die Idee eines täglichen Besuchs im Gemüselädchen lässt mich müde lächeln. Mit den dort nicht getätigten Einkäufen auch noch etwas zu kochen, will mir nahezu infam erscheinen. Im Strumpf-Beutel tummeln sich jetzt 113 einzelne Socken. Einen scheint die Waschmaschine tatsächlich gefressen zu haben. Den Spieleabend letztens erinnere ich mit Grausen. Die Nähmaschine steht noch immer dort, wo ich sie vor vielen, vielen Monaten einst hinstellte. Ich weiß aber nicht mehr so genau, wo das ist. 

Nur das Nachhaltige setze ich – zwar alleine, aber immerhin – sehr gewissenhaft um: Ungeduscht, in eine alte Jogginghose gewandet, sitze ich im Dunkeln und weine leise vor mich hin.

Meine Freundin kocht einen löslichen Kaffee, das Töchterchen schlägt mit einem lapidaren „Hab dich lieb“ die Zimmertür hinter sich zu. Wir legen die Beine hoch.
„Gemütlich“, sagt meine Freundin. 
Stimmt, denke ich, greife unter das Sofa, ziehe ein Staubgewöll hervor und beginne, daraus eine flotte Mütze zu häkeln.

(Letzte Woche in meiner Kolumne: Das ganz große Glück)

Montag, 26. Mai 2014

Meine Antwort auf Kai Lüftners, Kreativitäter und Kinderbuchautor, offenen und sehr sehr wütenden Brief

Foto: Michael Rahn

Kai Lüftner, mein wunderbarer Kollege und Geschichten vom Bürgersteig-Teammitglied, hat gestern einen offenen und sehr sehr wütenden Brief auf Facebook veröffentlicht, der mich beinahe auf die Matte legte. Er endete mit den Worten:
"Mann ey, lasst mal was machen! Wenigstens mit der Faust auf den Tisch hauen und kund tun, dass wir das mitbekommen, was hier mit uns abgezogen wird. Wir müssen echt aufhören uns so klein zu machen, sonst sind wir so klein wie sie uns gerne hätten. Die Verlage brauchen uns mehr, als wir die Verlage."

Den ganzen Brief findet Ihr auf Kais Autorenseite oder auch in Stefanie Leos Blog.
Heute habe ich darauf geantwortet.

Lieber Kai,
nicht nur weil wir Kollegen sind, nicht nur, weil wir uns nahe stehen, nicht nur, weil Du mich in Deinem Wutwort namentlich erwähnst, sondern weil es mich gestern Nacht unerwartet aus dem Hinterhalt traf und nahezu in die Knie zwang, möchte ich darauf antworten.

Mein Name ist Antje und ich schreibe seit vier Jahren Kinderbücher.

Ich gebe mir verdammt viel Mühe damit: recherchiere genau, konzipiere zwar akribisch aber aus tiefstem Herzen und formuliere möglichst intelligent und komisch. Ich bin stolz auf meine Arbeit und ich liebe meine Bücher. Ich weiß, wenn mehr Kinder Zugang dazu hätten, würden meine Geschichten viele glücklich machen.

Leider haben das aber nur wenige. Meine Bücher werden in der Branche zwar hochgelobt, aber von der äußeren Welt, den Lesern, Buchkäufern und –schenkern, wenig wahrgenommen. Woran das liegt, hat viele Ursachen: Kleinverlag und Unvermögen einzelner sicher auch, aber hauptsächlich: Unwichtigkeit im großen geldregierten Ganzen und damit keine lohnende Investition.

Warum das so ist? Wenn ich diese Frage beantworten oder gar lösen könnte, dürftet Ihr alle in meinem Geldbunker schwimmen wie Dagobert Duck.

Ein Versuch:

Wenn mich ein Veranstalter den Kids vorstellt, ist das erste und auch das am meisten beachtetste zu meiner Person: Sie arbeitete viele Jahre als Fotomodell.
“Geil”, höre ich dann. “Aber Lesen finde ich eigentlich nicht so toll.” Danke dafür.

Wir leben in der Blase eines überschaubaren Kreises. Kollegen in ähnlichen Situationen, Buchhändlerinnen, einige Bibliothekare, Blogger, Kinderbuchfans und ein paar Engagierte. Doch was bedeutet das? Letztendlich nicht viel.

Obwohl Deine Bücher einfach wunderbar sind, obwohl Du ein supersympathischer Typ bist, der zudem noch auf spezielle Art und Weise fantastisch aussieht, obwohl Du den großen Bang-Auftritt im Fernseher hattest, haben (im Moment) 1075 Menschen den Gefällt-mir Knopf Deiner Autorenseite gedrückt. Stefanie, die in der Sendung neben Dir saß und Topmodel ist, hat 580486 Fans auf ihrer Seite. Warum ich das schreibe? Weil es meiner Meinung nach genau darum geht.

Die Menschen bekommen letztendlich, was sie verdienen, wonach sie fragen. Während der Trend zum Zweitbuch im Kinderzimmer rückläufig ist, haben alle irgendein Smartphone. Dass es immer wieder heißt, Kinderbücher seien zu teuer, ist ein Witz. Wenn man die jährlichen Kosten der Unterhaltungselektronik in Kinderhänden einmal in Kinderbücher umrechnete, dann hätte selbst ein Mensch mit fotografischem Gedächtnis Probleme, diese alle zu lesen. Dass es eine Handvoll Menschen gibt, die mahnen, die auf geistige, soziale und emmotionale Verarmung hinweisen, wirkt da wie ein Pups im Sturm.

Lesen gilt zwar in einigen Kreisen als erstrebenswert, aber es ist unglamourös, unsexy und viel zu leise, um die Massen zu erreichen.

Meiner Meinung nach, erheben Verlage keinen Weltverbesserer-Anspruch. Die haben vielleicht einmal mit einer Mission oder einem Interesse am Kind und der Literatur begonnen, aber in einem kapitalistischen System handeln sie letztendlich kapitalistisch. Am Ende geht es nicht mehr um Werte, sondern um den schnöden Mammon. Ich weiß nicht, ob Schimpfen auf und über Verlage etwas ändern würde. Wenn man mit guten Kinderbüchern Geld verdienen könnte, würden sie uns hofieren. Das mag elend und klein erscheinen, aber ich befürchte, so sieht es aus.

Ich habe mir Gedanken gemacht, was nun mit Dir, der Du gebrüllt hast, passieren könnte, wenn das System tatsächlich so furchtbar ist, wie ich es vermute. Wahrscheinlich laufen heute einige Telefonstrippen heiß. Was machen wir mit diesem Aufrührer, diesem Wütenden, diesem unangepassten Autoren? Können wir damit irgendwie Geld machen? Ist das womöglich eine Supersache, die wir monitär ausnutzen könnten? Oder ist der Typ einfach schwierig, macht Ärger und Stunk und wir lassen den mal lieber in der Senke verschwinden und seine Hörbücher udn Sketche für andere schreiben?

Das wäre fatal, denn dann müssten unzählige Kids auf Deine klugen, berührenden und lustigen Geschichten, auf Deinen Humor und Deinen Spaß am Fabulieren verzichten. Denn die würden es eventuell gar nicht mitkriegen. Die Läden sind doch voll mit unzähligen anderen Büchern.
Eine echte Lösung habe ich nicht. Nach einer Lösung hat mich auch die Redakteurin Natascha Geier im Interview mit dem NDR gefragt. Über eine Lösung haben Antje Ehmann, Jurymitglied des Deutschen Kinder- und Jugenbuchpreises, und ich gerätselt. Theoretisch gibt es eine, klar. Leseförderung. Den Spaß am Buch und am Lesen vermitteln.

Wir alle wissen, dass die meisten Eltern damit überfordert sind. Sie greifen zu Altbewährtem, das sie aus Kindertagen kennen, und meistens noch irgendwo auf dem Dachboden herumstehen haben. Die Großeltern sowieso. Wir Autoren wissen alle: Nachmittagslesungen oder Wochenendlesungen sind “voll”, wenn da 20 Leute sitzen, also etwa 10 Kinder und ihre Begleitperson, gerne mit Baby. Die einzige Ausnahme, die ich dazu bisher erleben durfte, war eine Lesung mit Andreas Steinhöfel.

Leseförderung sollte schon im Kindergarten beginnen. Auch klar. Aber geht doch mal in die Kindergärten und Grundschulen. Nicht in die mit prämierten Vorzeigemodellen oder einem potenten Förderverein, sondern in die echten, in die, von denen es die meisten gibt. Schaut Euch dort die zerfledderten ewig alten Bücher an. Fragt die Kindergärtnerin, welche Neuerscheinungen sie mag. Ich verspreche Euch, die meisten kennen nicht eine einzige der letzten Jahre. (Ich weiß, es gibt Ausnahmen, aber die Ausnahmen ändern eben nicht viel.)

Als meine ersten Bücher erschienen waren, habe ich mehrfach in der Grundschule, im Hort und in der weiterführenden Schule meiner beiden Kinder angeboten, kostenlos zu lesen. Es gab kein Interesse! Nur die wunderbare ehemalige Lehrerin meines Sohnes, Frau Wolfert, veranstalte eine Lesung mit mir in ihrer Klasse.

Sollen wir Autoren nun laut brüllen und tanzen? Uns zum Hempel machen? Damit uns jeman dsieht, hört und liest? Oder resigniert leise seufzen und Margarine statt Butter kaufen, aber weiter das schreiben, an was wir glauben? Und falls es dann doch endlich läuft, das lieber niemandem erzählen, um keinen Kollegen neidisch oder traurig zu machen?

Ja, auch ich poste Amazonrezensionen meiner Bücher in Ermangelung von professionellen Besprechungen. Ich freue mich, wenn jemand meine Bücher mag und sich die Zeit nimmt, einige Worte dazu zu schreiben. Aber ich teile das mit zusammengebissenen Zähnen und Tränen in den Augen. Genauso, wie ich jeden Tag etwa eine Stunde Zeit investriere, einen oder zwei Facebookposts zu entwickeln, die ich auf meine Autorenseite stelle, um mich dann bei meinen 499 Fans dafür zu bedanken, dass etwa 300 von ihnen den Post sahen, 15 darauf positiv regierten und mich nur einer alle zwei Tage entfreundet, weil er sich zugespamt fühlt.

Das tut weh! Denn ich glaube wirklich, dass ich den Leuten mit meinen Posts und vor allem mit meinen Büchern etwas schenken kann, was sie ein wenig glücklicher, nachdenklicher, neugieriger sein lässt. Und ja, es würde mich sehr froh in mein Margarinebrot beißen lassen, wenn sich dafür einer bei mir bedanken würde und nicht umgekehrt.

Laut genug mit der Faust auf den Tisch gehauen, Herr Lüftner? Leider laufen mir zeitgleich die Tränen über die Wangen. Aber ich darf das ja, so als Frau und Kinderbuchautorin.

Ich hab Dich lieb! Und mich erst recht!

Antje

Sonntag, 25. Mai 2014

Pikantes Frühstück mit Spinat

Ich mag das Frühstück. Nicht das Schnelle unter der Woche, wenn keiner Zeit dafür hat und ich denke, ich auch nicht. Sondern das Sonntagsfrühstück oder Ferienfrühstück. Tage, die schon im Aufwachen langsamer beginnen. Dann probiere ich gerne Varianten mit Ei. Denn Eier müssen sein zum Frühstück.
Da auf dem Acker auch der Pflückspinat fast schon in die Blüte schießt, muss er schnell geerntet werden.
Darum gibt es heute hier zwei Rezepte mit Spinat, die sich hervorragend zum Frühstücken eignen.

Gebratener Spinat mit Ei auf Toast


Man braucht (pro Portion):
2 Handvoll Pflückspinat / ein Stück Blauschimmelkäse oder Gorgonzola / 1/2 Birne / 1 Ei / Toastbrot / etwas Butter / Pfeffer

So geht´s:
Die Butter bei mittlerer Hitze in der Pfanne schmelzen lassen, dann den Spinat dazu geben und einfallen lassen. Den Käse in Stückchen schneiden und untermischen. Die halbe Birne in kleine Scheibchen schneiden und dazugeben. Pfeffern und alles eine Weile schmurgeln lassen.
Alles in eine Ecke der Pfanne schieben und auf die leere Seite das Ei geben. Wenn es leicht gebräunt ist vorsichtig und ganz kurz wenden, damit das Weiß zwar überall fest ist, das Gelb aber nicht.
Auf ein getoastetes Toastbrot den Spinat legen, darauf das Ei mit dem Gelb nach unten anrichten. Das Gelb einstechen, so dass es über alles läuft.
Dann genießen.
Salz habe ich kein zusätzliches verwendet. Das braucht man nicht, wenn der Käse salzig genug ist.


Spinat-Artischocken-Dipp


Man braucht:

1 Dose Artischocken-Herzen oder -Böden / 2 Handvoll jungen Spinat / 1 EL Zitronensaft / 1 Knoblauchzehe / Pfeffer / Salz / etwas braunen Zucker

Die Artischocken abtropfen lassen. Alle Zutaten in einen Mixer geben und zu einer grünen Paste zerkleinern.
Sehr lecker mit Radischen. Ansonsten ein Superdipp für Brot oder Gemüse oder auch als Beilage zu Grill-Fleisch und warme Kartoffel- oder Eigerichte.
Der Dipp hält sich in einem Schraubglas im Kühlschrank etwa eine Woche.


Mittwoch, 21. Mai 2014

Vom wahren Glück – Frau Herdens Liste



Alle wollen glücklich sein. Ich auch. Aber weiß ich eigentlich, was Glück für mich ganz persönlich wäre? Ich höre immer wieder, dass man Ziele und Wünsche genau definieren soll, sie aufschreiben und visualiseren muss, damit sie überhaupt wahr werden können. Beim großen Glück bin ich seltsamerweise etwas lax.

Es passieren Momente, da kribbelt es in meinen Füßen und ich denke: „Hopsala, bin ich aber gerade verdammt glücklich!“ Spüren! Drin schwelgen! Festhalten! Na, und dann klingelt das Telefon oder mir fällt irgendwas runter, meistens etwas mit was drin, und das muss ich dann erst mal schnell aufwischen und so beim Wischen auf dem Boden knieend fällt mir direkt ein, dass ich ja noch dieses oder jenes machen muss.

Also, was und wie genau meine ich das, wenn ich denke, ich wäre so gerne glücklich? Welche Augenblicke sind das, in denen ich mich wirklich, wirklich glücklich fühlen würde? Erinnere ich noch das Gefühl schon gelebter Glücksmomente? Ich bin 43 Jahre alt. Es hat einige gegeben. Und ich meine nicht die kleinen, die hoffentlich alltäglichen, wie bunte Käfer beobachten oder in einen Schokotrüffel ohne Alkohol zu beißen, sondern die ganz ganz großen. Als das Glück allumfassend war. Einfach so. Ohne dass man zu jemandem Ja sagte oder ein Kind ins Leben presste. Hatte ich alles. Je zwei Mal. Da erwartet jeder, dass das nun das ganz große Glück sein muss. Man selbst natürlich auch. Die Ehen scheiterten, die Kinder sind mir unendliche Freud und manchmal auch Leid. Aber bald werden sie in ihr Leben hin- und von mir fortgehen. Und noch immer träume ich vom großen Glück. Von diesen Momenten, die einen ohne Maßen pathetisch und euphorisch sein lassen, in denen man die ganze Welt umarmen möchte, glaubt, alles, alles sei gut und diese irre Gewissheit hat, irgendwie kapiert worden oder womöglich angekommen zu sein.

Da gab es so einen Augenblick an einem sonnigen Tag vor 17 Jahren, den ich so genau erinnere, als wäre er gestern gewesen. Wir lagen draußen im Line up neben dem Pier in Ocean Beach, San Diego, auf unseren Surfbrettern. Die Sonne glitzerte wie verrückt im Wasser, weil es später Nachmittag war. Und dann kam die perfekte Welle, auf der quasi mein Name geschrieben stand. Ich wendete mein Board, padelte, spürte wie mein Brett hinten angehoben wurde und sprang auf die Füße. In dem Moment rief ein Freund: „Yes!!! Misses Olsen!!! Go for it!!!“. Und ich ritt vor Freude kreischend die Welle hinunter. Zwei Tage zuvor hatte ich einen Mister Olsen in Las Vegas geehelicht. Das Ganze hielt nicht lange. Aber diesen Moment (ohne ihn) werde ich nie niemals vergessen.

Ohne lange zu fackeln, habe ich mir mal 10 solcher besonderen Momente überlegt, die ich gerne erleben möchte. Klar, schon im Augenblick da ich sie aufschreibe, fühle ich mich von Glückserweiterungen und -ergänzungen überrollt. Es gäbe so viele mehr. Trotzdem hier mal zehn spontane, ganz persönliche und wahrhaftige Glückssituationen, mit denen von mir aus gleich losgelegt werden könnte. Nun, Punkt 10 kann ruhig noch eine Weile warten und Gesundheit, Friede, Freude und Eierkuchen für alle und das alltägliche Kleine seien mal vorausgesetzt.

* einfach losfahren, immer nach Westen und dann über die Wasser und wieder nach Westen und wir wüssten, es wird sehr lange dauern, bis wir wieder zurück kommen, wenn überhaupt

* das „wir“ im vorherigen Glücksmoment

* morgens in ein Betttuch gewickelt und mit einer Tasse Kaffee mit Haselnusssirup in der Hand barfuß auf die schon sonnenwarmen Holzdielen treten, die in den Garten hinausführen und nach den Blüten schauen, die sich neu geöffnet haben (ach, ja: und hinter dem Garten rauscht die Brandung und dann steht da noch der Frühstückstisch mit Avocado, Senfsoße, pochiertem Ei und knusprig geröstetem Weißbrot)

* die perfekte Welle noch einmal, es darf dann auch Frau Herden heißen und es muss keine Hochzeit vorangegangen sein

* wenn auf die Frage eines Jungen nach einer Lesung, wie viele Bücher ich schon veröffentlicht hätte, ein anderer „Na, 20!“ riefe

* wenn mich die Journalistin fragen würde, ob ich mir meinen Kurt genauso vorgestellt habe, wie er nun auf der Leinwand zu sehen sei, und ich sagte: „Ja.“

* diese Sekunde, wenn sich einem einer entgegenbeugt, mit weichen Lippen und man weiß, er wird mich gleich das erste Mal küssen

* na gut: hemmungsloses Knutschen mit einem, der gut riecht und andeutete, dass er einen wirklich kennenlernen möchte

* das Gefühl, irgendeine echte körperliche Herausforderung gemeistert zu haben, sich vielleicht durch den Dschungel von Belize kämpfte, auf einer einsamen Insel klarkam, einen Triathlon schaffte oder doch noch Skateboard fahren lernte

* und auch: wenn mich eines Tages zwei oder gern auch mehrere kleine Menschlein, die nach Keksen duften, aus den Augen meiner Kinder anschauten

(Okay: Und wenn mir diese eine tolle Hose wieder passen würde, in der ich immer dachte, alles ist gut. Falls aber all die vorangegangenen Punkte sich auch erfüllen, ohne dass mir diese Hose wieder passen würde, dann entfällt dieser letzte, dieser elfte und überhaupt nicht gefragte Punkt als völlig irrelevant.)

Dienstag, 20. Mai 2014

Huch, ein Buch! – das Darmstädter Jugend- und Kinderliteraturfestival


Lange hatte ich mich darauf gefreut und nun ist es schon wieder vorbei. Zurück bleiben einige große Zahlen doch hauptsächlich die Erinnerung an die fünf großartigen Lesungen, die ich besucht und fotografisch begleitet habe.
Zum 4. Mal haben die Kulturmanagerin Meike Heinigk, die Autorin Ilona Einwohlt und der Buchhändler Alfred Hofmann dieses spannende Lesefest organisiert. Nicht nur waren brillante Autoren mit ihren Büchern zum diesjährigen Motto "Das Leben ist nicht totzukriegen" geladen sondern auch die Besonderheit der Darmstädter Variante, nämlich eine Woche lang an sehr ungewöhnlichen zumindest aber besonderen Orten lesen zu lassen, begeisterte mich.
Kurz zu den Zahlen: 12. bis 17.5.2014 / 15 Lesungen / 20 Veranstaltungen / 2300 erreichte Kinder, Jugendliche und Erwachsene / größte Lesung: 330 Besucher (Andreas Steinhöfel)

Ich selbst suchte mir aus dem inhaltlich wie optisch Klasse-Programm meine fünf besonderen Veranstaltungen heraus.



1. Finn-Ole Heinrich – Maulina Schmitt


Die Lesung aus dem Buch "Die erstaunlichen Abenteuer der einzigartigen, ungewöhnlichen, spektakulären, grenzenlos mirakulösen Maulina Schmitt – Mein kaputtes Königreich" war genau so, wie es der knackig kurze Titel versprach. Wenn Finn-Ole Heinrich mit herrlichen Worten um sich schmiss (auch solchen, die es gar nicht gibt), wenn den Kindern die lustigsten Vergleiche um die Ohren flogen, dann wurde gelacht und gegiggelt. Zum Glück. Und zum Glück ist Maulina so frech, wortgewandt und stark. Sonst wäre das traurige Ende vielleicht gar nicht zu verkraften gewesen. Und zum allergrößten Glück gibt es nicht nur das blaue sondern auch noch das grüne (und ab September das dritte) Buch. Denn erst dann wird die wunderbar witzige aber auch unglaublich traurige Geschichte der Paulina Klara Lilith Schmitt (auweia) fertig erzählt sein. Danke, Finn-Ole Heinrich!



2. Maja Nielsen – Feldpost für Pauline




Dafür steht "Huch, ein Buch" eigentlich, Lesungen an ganz besonderen Orten zu präsentieren. Doch die Lesung von Maja Nielsen aus ihrem berührenden Roman "Feldpost für Pauline" fand in einem wahrlich spektakulärem Ort statt: im Raum der Stille der Ausstellung über den Tod "Leben.Aus.Gestorben". Ein nahezu perfektes Zusammenspiel. Nachdem sich die Jugendlichen im Keller das alten Krematoriums dem Tod genähert hatten, beeindruckte sie Maja Nielsen mit ihrer wunderbar inszenierten Show aus Erzählen, Vorlesen, Fotoprojektionen und Hörspielbeiträgen zum Schrecken des ersten Weltkriegs am ganz persönlichen Liebesschicksal von Pauline und Wilhelm. 
Nicht nur die Autorin dieser Zeilen hatte Tränen in den Augen.




3. Christine Fehér – elfte Woche


In der pittoresken Atmosphäre des Darmstädter Schlossmuseums, umgeben von altehrwürdigen Ölportraits und großen Wandteppichen, las Christine Fehér aus ihrem Buch "elfte woche". Mit den Gedanken und Sorgen, die sich ein Teenypärchen um eine ungewollte Schwangerschaft macht, zog die sympathische Autorin ihr Publikum in den Bann. Vielleicht lag das daran, dass sich die Jugendlichen im gleichen Alter befanden, wie die Protagonisten. Das große Interesse am Thema zeigte sich auch im anschließenden Autorengespräch.



4. Ursula Podnanski – Die Verschworenen / Die Vernichteten


Ursula Poznanski begeisterte mit ihrer Lesung aus ihrer dystopischen Trilogie um die Lieblinge und Prims die Kinder und Jugendlichen, die sich zum späten Nachmittag in der Centralstation eingefunden hatten. Doch offensichtlich hatten auch die Eltern ihre Sprösslinge nicht nur begleitet. Viele interessierte Fragen ließen ein spannendes Gespräch der Lesung folgen. Die Wiener Autorin beantwortete alle Fragen ausführlich und mit einem fröhlichen Lächeln. Und dann gab es noch eine tolle Überraschung: Extra und ausschließlich zum Festival konnte man den dritten Band "Die Vernichteten" bereits erstehen und das über einen Monat vor dem eigentlich Verkaufsstart. Dafür war sogar ein Vater extra aus Österreich nach Darmstadt angereist, der seine Tochter mit einem Exemplar überraschen wollte.




5. Andreas Steinhöfel – Rico, Oskar und die Tieferschatten



Diese tolle Lesung hatte das Organisationsteam vom Carlsen-Verlag gewonnen. "Das ist der Hauptgewinn", freuten sie sich und hatten recht. 330 Kinder, Jugendliche und Erwachsene waren am Samstag ins Foyer des Staatstheaters gekommen und sie alle durften lauschen, grinsen, lachen und losprusten. Die Lesung mit Andreas Steinhöfel war ein wahrlich amüsanter Knüller – auch wenn ich hier verraten muss, dass wir Großen vielleicht noch viel mehr Spaß hatten als die Kleinen. Ein wirklich schöner Abschluss einer ereignisreichen und tollen Lesewoche.
Und ich habe einen neuen Helden gefunden, ;-).



Im nächsten Jahr findet "Huch, ein Buch" – das Darmstädter Jugend- und Kinderliteraturfestival vom 18. bis 22. Mai zum 5. Mal statt.
Wer noch näher ran möchte oder noch weitere Fotos des Festivals und der Lesungen sehen möchte, kann das hier tun.