Donnerstag, 12. Mai 2011

Zum Eintagsladen late night - Rufus


Gestern Mittag auf der Terrasse eines italienischen Restaurants (das Essen war nicht lecker oder gut, darum steht hier auch kein Name).
"Die Fragen sind nicht ohne, wenn man richtig darüber nachdenkt, erfährt man so einiges."
"Darum hatte ich sie ja auch gestellt."
"Muss man sich genau überlegen, was und ob man so viel preisgeben möchte."
Stimmt, denke ich. Aber tut man das mit seinen Arbeiten nicht sowieso? Oder bin ich dadurch, dass ich Schriftstellerin bin und auch noch meine Seele auf der Zunge trage, einfach daran gewohnt, immer zu viele Dinge preiszugeben? Was ist zuviel? Habe ich weniger Angst, verletzlich zu wirken oder gar verletzbar zu sein? Habe ich mehr Vertrauen in andere, weil ich denke, dass wir doch alle eine Seele haben und oft ganz ähnlich fühlen (zumindest die meisten)? Oder bin ich darüber weg und mir ist gar nichts mehr peinlich? Immerhin war ich auch mal Fotomodell und habe Sachen wie bunte Strickpullover, Oma-Nachthemden und Stützstrümpfe in Katalogen vorgeführt. Da härtet man vielleicht ab?
"Man könnte ganz knapp und neutral antworten."
"Hm, und es beispielsweise als witzig verkaufen."
"Oder eben anders."
"Und du? Wie wirst du antworten?"



"Also, was war dein erstes Lieblingslied?"
"The Chain von Fleetwood Mac."

"Und für was gehst du bis ans Ende der Welt?"
"Für die Liebe. Sonst ist da nichts."
Das ist gut, denke ich, das ist sehr gut. Denn dann wird er mitkommen, wenn ich ans Ende der Welt gehe, weil ich da noch etwas offen habe.



"Welches ist dein von dir gemaltes Lieblingsbild?"
"Da habe ich jetzt kein Bild eines Bildes im Kopf. Sie gefielen mir alle. Vielleicht die Tänzerin mit den seltsamen Händen, die bei mir im Flur hängt."
Die Tänzerin mit den seltsamen Händen im Flur des geliebten Mannes finde ich sehr gruselig. Nicht nur wegen der seltsamen Hände. Sie guckt auch seltsam.



"Was würdest du nie wieder tun?"
"Mhm, ich weiß gar nicht, ob ich diese Frage beantworten will. ... Ich würde nie wieder jemandem vertrauen, dem Hierarchien wichtiger sind als die Menschen selber."

"Ein für dich unvergesslicher Ort?"
"Manzanita in Oregon. Dort hat es mir schon immer gefallen: nette Leute und gute Energien."
Ich freue mich, denn da waren wir auch im letzten Sommer.

Bevor ich die nächste Frage stelle, denke ich erst einmal kurz nach. Wir sind seit 19 Monaten zusammen, vielleicht sollte ich das wissen? Ich erinnere jedoch nichts.
"Sammelst Du etwas?"
"Ich habe mal Masken gesammelt."

"Und deine Leibspeise?"
"Karibisches Jerk Hühnchen."
Das werden wir demnächst mal gemeinsam zubereiten und dann auch das Rezept posten.



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