Dienstag, 6. September 2011

Ateliergeschichten - mit dem Geist Alfred Messels in seinem Landesmuseum



Das Landesmuseum des Heimatstädtchens ist eines der letzten Universalmuseen Europas und mit 18 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche nicht gerade klein - ganz im Gegenteil. Gebaut wurde es 1906 von seinem Sohn Alfred Messel, der sich als offizieller Architekt der Königlich Preußischen Museen eben nicht nur um das wunderschöne Pergamonmuseum in Berlin kümmerte.


schon drei Jahre her, aber unvergesslich

(Hier muss ich doch noch schnell einen tollen Tipp für kulturinteressierte Berlinreisende mit Kindern einfügen: das Pergamonmuseum. Natürlich ist dort das Ischtar-Tor mit seinen Löwen ein echter Hingucker. Aber man sollte sich unbedingt auch ein Abspielgerät mit Kopfhörern leihen und den Fries das Pergamonaltars abschreiten - gemeinsam, damit man den Kids passend zur Geschichte die Bilder zeigen kann. Danach kann man eine Curry-Wurst essen gehen oder Rote Grütze mit Sahne.)



Im Heimatstädtchen wurden 2007 die 1 Million Ausstellungsobjekte des Landesmuseums über 18 Monate lang verpackt und dann verliehen oder in die Keller von Freunden abgestellt.
Ab 2009 wurde geschabt, gegraben, gekratzt, abgerissen und umgehauen - man fand bauliche Schätze wie alte Fenster, Terrazzo Fußböden, verloren geglaubte Säulen und einen Portikus, museale Kostbarkeiten wie eine Kiste mit 100 Siegeln und olle Mumien, die bis dato nur ungesehen herumlagen.



Am Wochenende nahm ich an einer Führung durch die Baustelle teil. Der Geist Alfred Messels schwebte neben mir durch den Staub; so in etwa sah es wohl auch aus, als er hier werkelte. Er wies mich auf die freigelegte Fassade eines Pompeiischen Hauses in einem Innenhof hin und auf die wiederentdeckten Fluchten und Sichtachsen, die das Konzept des Gebäudes eigentlich bestimmen. "Meine Ideen, die in den 1970er und 1980er Jahren einfach verbaut wurden", brummelte Alfred. "Aber die sind doch nun wieder erfahrbar", versuchte ich ihn aufzuheitern. "Na, mal sehen, was die Brandschutzverordnungen und modernen Fluchtwegpläne so übrig lassen." "Alfred, es wird schön", sagte ich, denn Prof. Teo Jülich, der Fliege trug und uns herum führte, beschrieb es in so wunderbarer Manier und ich konnte es spüren.



Erst 2012 wird das Museum seine Pforten wieder öffnen.
"Das ist nun mal kein kleines Museum, das mal eben schnell durchrenoviert wird", sagte Dr. Theo Jülich und lachte auf charmante Weise. Ich hätte ihm stundenlang zuhören können. Ein Mann, der seinen Beruf im Landesmuseum liebt. Alfred Messel grinste. Ich zeigte ihm auf dem Kameradisplay die Fotos, die ich geschossen hatte. Erst guckte er irritiert, aber dann nickte er verstehend.



Ich freue mich auf die Eröffnung und werde dann in die große Halle hinein winken, auf die Alfred Messel dar einst als Gipsabgußlagerstätte bestand. "Gipsabdrücke macht heute kein Mensch mehr", murmelte Herr Messel, als hätte man es ihm nicht schon damals gesagt. Die Halle mit der freigelegten Gewölbedecke wird 2012 mit einer Alfred Messel Ausstellung eröffnet, erklärte Dr. Jülich. Und Alfred zwinkerte mir zu.



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