Sonntag, 18. September 2011

Ich klebe mir die Welt


Das Ganze ist nicht nur schön. Da gibt es zum Beispiel überall Stapel zerfledderter Zeitungen und Bücher im Wohnzimmer, da liegen Millionen Schnipsel auf dem Teppich, in der Küche stehen Gläser mit Kleister und unausgewaschenen Pinseln. Meine Fingerkuppen sind vom Kleber verhärtet. Geschnitten, ja, geschnitten habe ich mich allerdings erst einmal und das auch nicht schlimm und in einen herum liegenden Cutter bin ich auch noch nicht mit bloßem Fusse getreten. Gefährlich ist es also nicht.


"Spielball"

Einen Materialraum hätte ich gern, um dieser Gier nach Bildern noch besser nachkommen zu können. Und während ich versuche, mit den Scherblättern immer auf der Linie zu bleiben, fällt mir ein Roman ein, den ich vor Jahren las: "Wie ich vom Ausschneiden loskam". Dabei möchte ich davon nicht mehr loskommen. Es könnte aber sein, dass die Familienmitglieder das irgendwann fordern.


"Die Antwort"

Der Prozess eines jeden Bildes selbst dauert erstaunlich lange. Etwas zum Ausschneiden finde ich immer. Themen habe ich auch sofort im Kopf. Aber bis das "perfekte" Ensemble zusammengestellt ist, das dauert manchmal Wochen.


"Reisende"

Ich sammle die zusammengehörenden Schnipsel in Klarsichthüllen, die ich immer wieder ausbreite und zusammenschiebe, solange, bis alle Einzelheiten da sind. Manchmal fand ich noch etwas nach dem Kleben. Das ließ mir dann keine Ruhe.


"Puppen"

Darum klebe ich erst, wenn ich mir ganz sicher bin, momentan auf Buchdeckel, entweder innen oder außen, je nach dem. Ich benutze Serviettenkleber, obwohl viele Schnipsel weitaus dicker sind als Servietten.


"Schwärmer"

Die analogen Collagen sind irgendwie ganz "nah". Sie haben Risse und Falten oder erkennbare Pinselstriche und auch mal einen Daumenabdruck. Irgendwie macht sie das lebendig. Irre.
Gescannt wirken sie eher wie Grafiken. Ich würde gern noch einige Drucke davon machen.
Diese Fünf wandern jetzt erst einmal in die Galerie der Starken Stücke.

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