Mittwoch, 12. Oktober 2011

Collagen im Heimatstädtchen



Das Heimatstädtchen meint es momentan gut mit mir was die Kunst betrifft.
Während ich also gerade die Collage für mich entdecke, gestaltet die Galerie Netuschil eine Ausstellung -

"Prinzip Collage - 14 zeitgenössische Positionen zum Klebe-, Material- und Montagebild"

- na, das wirkt ja wie abgesprochen.


Fotos der Objekte durchs Galeriefenster, durch die Überlagerung selber fast Collagen

Die Vernissage hatte ich leider verpasst, habe die Ausstellung aber vor einer Woche besucht. Nicht jede Arbeit kann ich verstehen, manches gefällt mir auch einfach nicht. Aber die Vielfältigkeit und Möglichkeiten insbesondere mit Mixed Media zu arbeiten, sind wirklich spannend und längst nicht ausgereizt.



Ich berichte erst heute von der Ausstellung, weil ich mich die letzten beiden Tage selber im Collage-Fieber befand.
Insgesamt habe ich sieben Stück erstellt.



Für diese beiden habe ich mich von der Briefmarkensammlung meiner Kindheit inspirieren lassen. Dafür habe ich auch gern einige Marken geopfert.
Die Marke aus China ziert ein Koi, der Glück bringen soll. Aber leider kommt dieser Brief nicht an: Zurück! Unzureichende Freimachung! (und handschriftlich: Es fehlen 230Pf). Wenn ich solche kleinen Schnipsel wie diesen alten Postaufkleber finde, bin ich richtig glücklich.



Außerdem fand ich ganz einzigartig wunderbare Sätze in dem kleinen Büchlein "Leberecht Hühnchen" von Heinrich Seidel aus dem 19. Jahrhundert.



Beispielsweise diese hier: "Männer fühlten sich dort nur mäßig behaglich. Denn den ganzen Tag rasselte die Nähmaschine, und was da an Gesäumtem, Gebauschtem, Gefältetem und mit Spitzen Besetztem im Laufe der Zeit zu Tage gefördert wurde, war einfach erschreckend."
Dazu musste ich einfach etwas kleben.



Oder auch diese tolle Passage hier ließ mich zu Schere und Kleber greifen: "Mit Schaudern kam mir zum Bewußtsein, mit welch einer endlosen Menge von Gegenständen der Kulturmensch seine Häuslichkeit belastet. Oh, das waren noch schöne Zeiten, als unsere biederen Vorfahren sich begnügten mit einem Speer, einem Steinbeil, einem Bogen, einer Handvoll von Pfeilen, etwas Schmuck von Tierzähnen und Bernstein und einem umgehängten Fell."



In diesem Fall hat mich ein Buchrücken inspiriert. Die Herzensflickerin. Ist das nicht grandios? Und dann fiel mir noch das alte Foto in die Hände. Die Dame darauf sah so aus, wie ich mir eine gute Frau vorstelle, die das von einer Schönen gebrochene Herz eines Mannes wieder flickt. Mit Häuslichkeit, gutem Essen, aufmerksamen Zuhören und ein wenig Demut. Nicht so, wie der schöne Schwan.

In der Galerie der Starken Stücke hängen noch mehr.

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