Freitag, 17. Juni 2011

Welten #2



Als Kind sah ich einst eine Ernie-Folge (ich glaube, es war Ernie), in der hatte er ein kleines Spielzeughochhaus und entdeckte, dass dort in jedem Fenster etwas passierte, Geschichten, das Leben. Mich faszinierte das ungemein und ich träumte so oft davon, dass ich dieses Hochhaus in meinem Zimmer stehen hätte und mit den Augen von Fenster zu Fenster wandern und für einen Augenblick Teilhabe an den einzelnen Geschichten haben könnte. Vermutlich lebt all dies auf, wenn ich an den "Welten-Kästen" arbeite.

Acht Stunden Arbeit, zwei vollgepackten Tagen gestohlen, acht Stunden, die sich gelohnt haben. "Welten #2" ist entstanden und erzählt wieder viele Geschichten. Aber Geschichten zu erzählen ist ja sowieso meine Passion. Hier bleibt aber auch viel Raum, sie selber zu entdecken.



Details: "Tischmanieren" - "Brieftaube" - "aus meinem Horn" - "Den halte ich bestimmt!"



"Kuss für den flügellosen Amor" - doch der träumt vom Ziel seines letzten Pfeils. Ein Ziel, das ihn die Flügel kostete? - "Zum Tanz, gemeinsam und doch in unterschiedlichem Takt."



horizontal x3 "Wald?" - "Das Bild ist fertig." - "Wir zwei sind was ganz besonderes, glaub mir." - Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.



"Wo bleibst Du?" - erster Bikini - Stuttgart bei Nacht (im Hintergrund ein Foto von F.C. Gundlach). Was wäre, gäbe es diese Wand nicht?

Ab jetzt im MädchenLädchen.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Säue sind ohne Kunst



Durch irgendeinen schier unglaublichen Zufall passierte es, dass mir der Spruch "Ist das Kunst oder kann das weg?" erst vor wenigen Wochen das erste Mal begegnete. Ich musste so lachen und wollte gern alle im Umfeld an diesem so schönen Witz teilhaben lassen, musste aber erfahren, ich war wohl die Letzte, die ihn noch nicht gekannt hatte.
Inzwischen habe ich den Satz für mich modifiziert: Bitte nicht wegschmeißen, da kann ich noch etwas (Kunst?) draus machen. Inklusive des Zweifels. Denn: Ist das Kunst, was ich da mache? Und wer kann und darf das beurteilen? Muss man überhaupt?



Der Künstler Peter Roehr, schon 1968 mit 23 Jahren verstorben, dessen Arbeiten ich in diesem Post verteilt habe, sagte einmal:
"Ob das, was sich mache, Kunst ist, weiß ich nicht. Andererseits wüsste ich auch nicht, was es sonst sein sollte."


Dieses Zitat habe ich in dem Buch "Kunst interessiert keine Sau" von Sandra Danicke entdeckt.
Es ist wirklich lohnend (für Jung und Alt und Groß und Klein), denn auf kurzweilig erzählende Art und Weise versucht die Autorin an einzelnen modernen Werken zu beantworten: Warum ist das Kunst? Leider nur an 20 Stück.



Hinweis: Der Eintagsladen #4, der am 6. November in der Centralstation in Darmstadt stattfinden wird, steht unter dem Motte: Handmade, Kunst, Dekor (daran muss ich noch ein wenig feilen, doch der Sinn ist klar). Von den 35 Tischen sollen etwa die Hälfte der (dekorativen) Kunst gehören. Bewerbt Euch!

Mittwoch, 15. Juni 2011

plastic ocean



Fahrt Ihr im Sommer auch ans Meer? Freut Ihr Euch schon? Sommer, Sonne, Sand, blaue Wellen und wilde Brandung - das ist doch die Kulisse, in der wir unsere Tagträume spielen lassen und die wir in den Ferien dann tatsächlich bespielen wollen. Unser schöner blauer Planet freut sich schon auf uns.

Bevor es los geht, schaut Euch bitte den unten stehenden wirklich informativen Film "Inseln aus Müll" des arte-Formats "Mit offenen Karten" an.

Doch zuvor einfach noch ein paar Fakten:

* In den Weltmeeren treiben 26 Millionen Tonnen, also 26.000.000.000 Kilogramm, Kunststoff als sogenannte Müllteppiche.
* Mit diesem Müll ist eine Fläche von 1,5 bis 3 Millionen Quadratmetern bedeckt.
* Jeder dieser Quadratmeter Wasser trägt 5 Kilogramm Müll.
* Die Müllteppiche treiben unter der Wasseroberfläche.
* Eine Plastikflasche braucht 450 Jahre bis sie verrottet ist. Dabei zerfällt sie in unzählige kleine Teilchen.
* Jedes Jahr verenden 1 Million Vögel und 100.000 Meeressäuger an verschlucktem Plastikmüll.
* Der Großteil des Plastikmülls gelangt durch nachlässige Touristen ins Meer.
* Es gibt Menschen, die behaupten, es gäbe diese Müllteppiche nicht.

Schönen Urlaub!

(verzeiht diesen Zynismus, aber manchmal könnte ich einfach nur noch ...)

Das niederländische Büro WHIM hat eine Idee entwickelt, was man mit diesen Müllteppichen machen könnte: Recycled Island. Diese Insel ist wahrscheinlich nicht wirklich machbar, aber sie veranschaulicht, um wie viel Material es hier eigentlich geht!




Und nun der Film: 12 Minuten, die informieren und betroffen machen (sollen). Danke für Eure Aufmerksamkeit!

Recycling Design



Ich hatte eigentlich nie bewusst und konzeptionell entschieden: Ich mache Recycling Schmuck und Dekor. Das drängte sich von ganz allein in mein Schaffen und die Definition gaben andere, mir war es zu Beginn nicht einmal aufgefallen.



Es begann mit den Schmuckstücken, die ich aus den am Ozean gefundenen Plastikstückchen kreierte. Später kamen metallene Kleinteile hinzu wie Muttern, Unterlegscheiben und Dinge, die ihre Funktion verloren hatten.



Aus alten Zigarrenkisten begann ich Dekorationen, und ja, vielleicht auch Kunst, zu machen.



Und immer wieder entstehen Kleinmöbel und Wohnaccessoires im oberen Fall aus einem rustikalen Frühstücksbrettchen und einem Kerzenleuchterarm oder so wie auf dem unteren Bild aus alten Schubladen.



Recycling oder auch Upcycling ist über die Jahre ungeplant zu einem Hauptbestandteil meiner Arbeit geworden.

Trotzdem weiß ich nicht, ob ich mich für den 5. Recycling Designpreis bewerben darf.
Ein Kriterium ist nämlich der Hinweis und die Nachvollziehbarkeit der Materialbeschaffung. Das Design soll in Beschäftigungsfördermaßnahmen in Kleinserie hergestellt werden können.
Meine verwendeten Materialien gibt es natürlich zuhauf. Aber der Hinweis "Material auf Sperrmüllhaufen oder in den Schubladen sämtlicher Verwandten, Freunde und Nachbarn zu finden", ist sicher nicht das, was die Jury sich bei der Auslobung vorgestellt hatte.
Obwohl es den behinderten Mitmenschen und gelangweilten Jugendlichen so manch eines Beschäftigungszentrums sicher großen Spaß bereiten würde, die Strände der Welt vom Plastikmüll zu befreien. Für unermesslichen Nachschub sorgen ja (leider) die Plastikmüllteppiche im Pazifik und Atlantik. Zu diesem mir unglaublich wichtigen Thema gibt es nachher noch einen eigenen Post.


Montag, 13. Juni 2011

Tapes oder Kassetten



Als wir einmal, vor einigen Jahren, vor einem Plattenladen standen, fragte das Töchterchen, was diese schwarzen Scheiben seien. Ich erklärte es und dachte über Werte nach.
Die Zeiten ändern sich. Schnell tun sie das. Meistens zu schnell. Für mich jedenfalls, die weder auf die neue IPhone Generation noch auf ein Word-Update wartet.
Ich bin ein Kassetten-Mädchen gewesen. Zwar hörte ich keine Benjamin Blümchen Kassetten, so wie die Meinen noch immer, weil ich im Osten stattdessen den Vinyl-Scheiben mit Geschichten aus dem Märchenwald von Fuchs und Elster, Pittiplatsch, Schnatterinchen und Moppi lauschte, aber meine erste Lieblingsmusik war auf einer Kassette und ich bekam von netten Menschen wunderbare Mixtapes geschenkt, die mir damit etwas sagen wollten, meistens irgendetwas über Verwirrung und Liebe.
Natürlich weiß ich, dass die Magnetbänder irgendwann leiern, genauso wie alte Filmrollen reißen, auch das durfte ich noch live und in echt erleben.
Genau diese verendenden Bänder benutzt die Künstlerin Erika Iris Simmons für ihre Kunst. Vielleicht nicht besonders tiefgründig. Aber würdig, dekorativ und einfach schön.




Nach dem Kirsch-Kompott-Kochen


So, dies ist die Ausbeute aus 2 Kilogramm Kirschen: 
3 Tomatensoße-Gläser, 1 Samt-Marmeladenglas und zwei 500 ml Weckgläser. Sud ist noch übrig, ich hätte also noch mehr Kompott-Gläser, allerdings weniger kirschenlastig füllen können.
Die ganze Aktion riecht sehr lecker und ist eine große Sauerei. Ich musste an meine Omi denken, die den ganzen Tag in Dedoron Kittelschürzen verbrachte. Am besten trägt man nämlich beim Kirsch-Kompott-Kochen eine Schürze. Hinterher muss man die Küche putzen.


Das Entsteinen dauert etwas, ich habe ein Kay-Scarpetta-Hörspiel weitergehört (etwa eine halbe CD). Das passte gut, denn auch ich hatte meine Hände in rot triefendem Fleisch, ;-).
Achtung: Zuckerwasser wird sehr heiß, da der Siedepunkt höher liegt als 100 Grad! Wenn die ganze Chose überkocht, muss man schnell alles wegwischen, sonst brennt sich der Zucker als schwarzes Karamell in die Platte. 

Mal sehen, wie es schmeckt, wenn das Kompott erkaltet ist. Wir könnten Waffeln zum Abendbrot haben. Halten werden die Gläser wohl nicht lang. Hier wohnen zwei Leckermäulchen. Die 6 Liter (!) Holunderblüten-Sirup, die ich am 4. Mai in Flaschen gefüllt hatte, sind seit einer Woche ausgetrunken. Irgendwo las ich, er soll gesund sein. Na, dann.

Fühlt sich übrigens sehr gut an, diese Rolle als gute Hausfrau. Ich werde mir ein hübsches Kopftuch zulegen für den nächsten Auftritt. Und vielleicht auch eine Schürze.

Kirschkompott



Kirschen sind Sommer. Kirschen schmecken saftig und süß. Kirschen können aussehen wie Herzen. Kirschen wachsen am Baum auf den man zum Pflücken klettern darf, egal wie alt man ist. Kirschen sind Kindheit.
Ich liebe Kirschen.
Das einzige, was ich nicht mag, ist der Umstand, dass Kirschen immer alle auf einmal reif sind. Dann muss man sich Bauchschmerzen essen, weil sie ja beim nächsten Besuch im Garten der Eltern nicht mehr da sein werden.



Darum nahm ich gestern kiloweise Kirschen mit nachhause. Nun muss ich sie entsteinen. Das mag ich auch nicht so gern. Ich habe auch nicht so ein Entsteiner-Dingsbums. Meine liebe Frau Mama gab mir den Tipp mit der Sicherheitsnadel. So hat das meine Oma auch schon gemacht, sagte sie.



Heute werde ich Kirsch-Kompott und Kirsch-Schnecken machen. Das wird fein.
Das Kompott scheint ganz einfach zu sein:

100 Gramm Zucker in 500 ml Saft oder Wasser 5 Minuten köcheln lassen. Aufgeschnittende und ausgekratzte Vanilleschote dazu geben. Kirschen dazu geben und noch einmal 5 Minuten köcheln lassen. Dann die Kirschen herausnehmen und in Schraubverschluss-Gläser füllen. Den Sud noch einmal aufkochen und dann in die Gläser füllen. Zudrehen, ein paar Minuten umdrehen, fertig. Könnte man auch mit Rotwein machen und mit Zimt und Nelken abschmecken.

via: "mein schönes Land" eines dieser Magazine meiner lieben Frau Mama

Sonntag, 12. Juni 2011

Und sonntags Kuchen



Ich habe hier einen wunderschönen "Rezept-Film" für einen Rote Beete-Kuchen gefunden, umgesetzt vom kleinen Kreativstudio eines Ehemannes und seiner Frau - oder umgekehrt. "Tiger in a jar" nennen sie sich - sehr feiner Name, finde ich.
Ich persönlich würde ihn ja niemals backen, diesen Kuchen. Denn, wie ich schon einmal schrieb, ich esse eigentlich alles gern, außer frischen Korianders, Schweinskopfsülze in Aspik und eben roter Beete.
Aber dieser Film ist einfach so schön und ungewöhnlich für die Vermittlung eines Rezepts, dass ich ihn sehr gern hier poste. Außerdem: Vielleicht gibt es ja Leute, denen rote Beete schmeckt.

Freitag, 10. Juni 2011

Im Knöpfchenland



Es ist immer wieder schön zu sehen, dass ich nicht allein bin mit meiner Knöpfchenliebe.

Hier kommt ein sehr charmanter Kurzfilm. Er ist von der russischen Künstlerin Anastasia Zhuravlena und allen einst in der U-Bahn verlorenen Knöpfen gewidmet. Darum spielen sie auch die Hauptrolle.


Kunst? Kunst!



Obwohl ich streng analytisch wissenschaftlich aufgewachsen bin, glaube ich an Zeichen. Vielleicht gerade deswegen.
Und als mich in den letzten Wochen die Frage beschäftigte, lieber Kunst (malen und die Kessen Kästen) oder lieber handarbeitliches Dekor (Schmuck), wartete ich, statt selbst zu entscheiden.
Der Eintagsladen gab keine Antwort. Kritik, Gleichgültigkeit und Lob gab es gleichermaßen. Zuvor die erfragte Mitarbeit an einem neuen TOPP-Kreativbuch, das im September erscheinen wird. Auch für beides. Letzte Woche ein Interview für die "GZ Goldschmiede Zeitung" (Schmuck).
Ich bin zerrissen. Gut, dass ich bis zum Ferienbeginn mein neuestes Kinderbuch fertig schreiben muss und für anderes gar keine Zeit haben werde.



Ich habe eine Künstlerin entdeckt, die für sich eine wunderbare Lösung fand: Amy Cutler. Ihre Frauenfiguren tragen Kittelschürzen und scheinen der Haus- und Handarbeit zu frönen. Doch weit gefehlt. Denn statt irgendwelcher blumigen Stoffe einer Designerin mit ganz ähnlichem Namen, nähen sie Tiger zusammen und wenn sie Teppiche ausklopfen, fliegen Schweine heraus. Im Hatje Cantz Verlag erschien das wunderschöne Buch "Turtle Fur" - mit Zeichnungen, die Geschichten von Frauen wie mir / uns erzählen.


Das Video zeigt einen privaten Rundgang durch eine Ausstellung im SITE Santa Fee - a contemporary art space.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Hier gibt es etwas zu gewinnen!



Obwohl unser Tombola-Stand der Renner des Eintagenladen late night-Abends war, nein, so ist es nicht richtig, er war ein Renner des Abends, blieben am Ende der Nacht zwei Gewinne der 40 übrig - die Nacht war einfach zu kurz.
Kayami und Für große Mädchen haben zwei süße Tüten gepackt, die noch eine neue Besitzerin suchen.
Ich gestehe, heimlich, ganz heimlich, überlegte ich, sie einfach zu behalten. Doch nein, das darf nicht sein, sie waren keine Geschenke an mich.
Also gibt es sie hier zu gewinnen.
Wie, mögt Ihr fragen.
Wie wäre es mit einem Gedicht oder einem Witz? Einem lustigen Satz oder einer Weisheit?
Schreibt mir! Hier, als Kommentar oder im facebook oder per Mail.
Seid kreativ!

Sommer-Lese-Tipps für Jungs


Ich, als Kinderbuchautorin, kann mir da ja auch nichts vormachen: das Söhnchen ist zwar sehr klug, liest in Rekordgeschwindigkeit, erzählt dann auch gern vom Gelesenen - aber eigentlich muss ich den 10-Jährigen mit einem Buch ans Sofa fesseln oder auf eine einsame Insel setzen.

Trotzdem gibt es Worte zwischen harten Buchdeckeln, die er klasse findet (und ich auch).
Der Sommer steht vor der Tür, es könnte lange Autofahrten und faule Nachmittage geben. Zwei Sommer-Lese-Tipps für Jungs:



* Juma Kliebenstein: "Der Tag an dem ich cool wurde"

Dazu schrieb ich einmal:
Wir (Sohn 9 Jahre alt, Tochter 12 Jahre alt, Mama auch alt) lasen das Buch im Urlaub. Und es gefiel einem jeden von uns. Die Kids "ömmelten" sich auf dem Rücksitz im Auto weg und wollten nur noch ACDC hören, eine Band, die eine wichtige Rolle im Buch hat und enorm den wahren Coolness-Faktor erhöht.
Das Buch ist wunderbar: es ist wirklich komisch (allein die Stelle, als die Jungs irgendwo versteckt im Wald sitzen und ihre Strafarbeit erledigen, nämlich das Lied "Hoch auf dem gelben Wagen" zu lernen, ist köstlich), es macht Mut und es zeigt ganz deutlich: Wirklich cool sind die, die ehrlich und wahrhaftig durch ihr Leben gehen. Denn Coolsein hat nichts mit angesagten Klamotten, einer bestimmten Musik oder einer wichtigen "Clique" zu tun.
Der letztere Aspekt kommt aber so unauffällig daher, dass er weder belehrt noch anders abstößt.



Dies ist der erste Band von dreien. Und sie sind alle toll.

* Sie sind ein schlechter Mensch, Mr Gum
* Mr Gum und der Mürbekeksmillionär
* Der entsetzliche Mr Gum und die Kobolde

Die Bücher meinen es gut mit Bücher- und Lesemuffeln: Es stehen nicht mehr als 100 Worte auf einer Seite, dafür sehen diese aus, als hätte sie schon einer mit richtig schmutzigen Händen gelesen. Trotzdem. Es gibt nichts Schöneres, als das herzhafte Lachen des eigenen Kindes und die Worte: "Hör mal Mami, ich muss dir mal was total Lustiges vorlesen."

Dienstag, 7. Juni 2011

Venedig sehen - aber noch lange nicht sterben



900 Kilometer vom Heimatstädtchen entfernt findet sie also gerade wieder statt und auch in diesem Jahr kann ich sie leider nicht besuchen - die Biennale in Venedig. Schade, schade. Auf der anderen Seite könnte ja bis November noch einiges passieren und vielleicht fahren wir dann doch noch.


In den deutschen Pavillion traute ich mich dann sicher nicht hinein. Also würde ich draußen in der Sonne stehen bleiben und das Tempelchen, das seit einer unsäglichen Epoche versucht, ein Monumentalbau zu sein, mit seinem diesjährigen Schriftzug EGOMANIA statt des manchmal schwer verdaulichen GERMANIA betrachten. Wagners Parsifal, die Todesschreie und Gebete aus Christophs Schlingensiefs "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir", die sich mit dem "Leben wollen, aber Sterben müssen" auseinandersetzt, drängen trotzdem zu mir heraus. Das dadurch entstehende Tremendum genügte mir, ich würde sowieso weinen.



Ich war und bin Fan dieses Menschen, Künstlers und Regisseurs. Im letzten Jahr verfolgte ich seinen Schlingenblog, dessen letzter Eintrag mir nach dem Sommerurlaub ans Herz griff.
Dass der deutsche Pavillon als Gedenkstätte Schlingensiefs , so umstritten er doch war, nun den Goldenen Löwen verliehen bekam, ist einfach schön.
Natürlich würde ich letztendlich doch hineingehen und mich erschüttern lassen.


Anschauen würde ich mir auch den französischen Pavillon mit der riesigen Installation des Künstlers Christian Boltanski. Glück oder Unglück - Schicksal oder Zufall? Was wäre gewesen, wenn sich unsere Eltern jeweils drei Sekunden später vereinigt hätten oder zwei Minuten oder einen Tag später? Wer wäre man dann?
Hier kann man virtuell an einem Mix Max Spiel teilnehmen, jeden Tag einmal, und - mit Glück, aus dem Zufall heraus oder weil es das Schicksal so wollte - ein Kunstwerk gewinnen. Bräuchte man aber eine Menge Platz dafür. Also erst einmal überlegen bevor man "Jouer" klickt.



Lustig stelle ich mir den italienischen Pavillon vor, der die Kunst des Einzelnen in ihre Schranken weist und als wildes, buntes, aufgeregtes und verrücktes Konglomerat daher kommt. So etwas gefällt mir.
Das ist übrigens sehr gut, denn wenn ich mich hier so umschaue ...



Die Amerikaner nehmen sich in diesem Jahr selber auf die Schippe und lassen einen Profisportler einen umgekippten Panzer als Laufband nutzen - upcycle nennt man so etwas, das Upgraden oder wertoller Machen durch Verbessern der Funktion und / oder Verschönerung der Sache. So etwas finde ich sehr sympathisch.

Außerdem ist Venedig ja sowieso eine Reise wert, all dieser faulige morbide Charme und am Strand könnte man nach Muranoglasperlen suchen ... Vielleicht im Herbst, das wäre schön

Samstag, 4. Juni 2011

Eintagsladen late night - einfach einzigartig!



Als ich vor vier Jahren sehnsüchtig die Blog-Einträge über Craft Fairs bei den amerikanischen Bloggern las, dachte ich, so etwas wäre toll, hier im Heimatstädtchen. Und eigentlich soll man aufhören, wenn es am Schönsten ist (werde ich natürlich nicht!), aber ich dachte doch eine Sekunde darüber nach, heute Morgen vor dem Einschlafen. Denn: Es war so schön! Danke, danke, danke - an alle, die diese Nacht zu der gemacht haben, die sie war!
Die Stimmung war dufte, die Stände bunt und wild und einzig und wunderschön, die Menschen nahmen das late night shopping ernst und kamen mit der Dunkelheit zuhauf, die Musik der Jungs von der kassetttentanke war einfach grandios und wir wollten so gern tanzen, die Bar gab ihr Bestes (auweia), die Tombola begeisterte, mindestens ein Drittel der Kreativen war tätowiert und hat damit meinen kleinen Handmade Artikel unterstrichen - es war alles ganz genau so, wie ich es mir vor 4 Jahren erträumte. Und als dann noch die Leute sagten, das ist ja hier wie in Berlin oder Hamburg, da war ich sogar ein bisschen stolz.
Am 6. November findet der Eintagsladen #4 statt. Ich freu mich drauf!