Dienstag, 12. November 2013

Ich könnte heulen – Lesen an "schwierigen" Schulen

Meist lese ich an Schulen oder auf Lesefesten. Dazu haben mich interessierte Menschen eingeladen, die die Kinder auf Lesungen vorbereitet haben. Kinder, denen im Laufe ihres Lebens das Medium Buch vermittelt wurde.


Manchmal ist es jedoch ganz anders.
Zur Zeit weile ich in Braunschweig und lese fünf Tage lang je dreimal im Rahmen der Braunschweiger Kinderbuchwoche an den verschiedensten Schulen. Diese konnten sich für die Lesungen bewerben, das heißt, sie müssen sie nicht bezahlen, ein engagierter Förderkreis kulturinteressierter Eltern ist nicht nötig.


Daraus folgt, dass ich auch vor Klassen sitze, deren Schüler gemeinhin die angebotene Bildung nur von sehr fern betrachten. Da sitzen Kinder vor mir, denen noch nie vorgelesen wurde, die nicht stille sitzen, nicht richtig schreiben und auch nicht lesen können. Kinder, deren Eltern keine Zeit oder keine Lust haben, sich für Kultur oder eben Bildung zu interessieren oder sie an ihren Nachwuchs zu vermitteln. Hinzu kommen natürlich auch noch die Jungen und Mädchen, die tatsächlich eine gravierende Lernschwäche haben.


Diese Lesungen sind sehr anstrengend für mich – emotional anstrengend. Ich weiß, dass ich hier nicht mit einer Lesung ein kleines Leben ändern kann und doch versuche ich es trotzdem irgendwie.
Ich kam nicht umhin, einige Unterschiede festzustellen. So fiel mir auf, dass die Kinder in solchen Schulen den Humor meiner Bücher nicht verstehen. Stumm blicken sie mich bei Stellen an, an denen sonst losgeprustet wird. Dafür reagieren sie bei ekligen Passagen besonders heftig.
Natürlich sind meine Beobachtungen keine empirischen Erhebungen – und doch, ich muss die ganze Zeit darüber nachdenken.


Ich gebe alles bei solchen Lesungen. Ich verstelle meine Stimme noch etwas mehr, schreie, flüstere und raune. Es spornt mich an, wenn sie mir an den Lippen hängen und förmlich in mich hineinkriechen. Ich versuche mich nicht irritieren zu lassen, wenn ein Junge plötzlich laut hinter mir aufgetürmte Stühle zu zählen beginnt. Es waren 47.
"Bitte, bitte, hör nicht auf zu lesen", flehten die Kinder, als ich das Buch schließlich zuschlug. Sie kamen auf mich zu, umarmten mich und baten mich, ganz, ganz bald wiederzukommen. Dabei hatte ich den Eindruck gehabt, dass mindestens die Hälfte gar nicht zuhören würde. Doch dem war gar nicht so.


Auf dem dunklen Gang sprach mich nach einer solchen Lesung eine Sozialarbeiterin an.
"Haben die gerade etwas geschenkt bekommen? Sie wirken so freudig, geradezu euphorisch."
"Ja", antwortete ich, "ich habe ihnen vorgelesen."
"Na, ich meine, etwas richtiges."
Ich musste schlucken – und sah mich in diesem Gebäude um. Bedrückend schlug auf mich ein, dass hier nicht sehr viel Liebe herrschte, wenig Interesse war, irgendwie selbst die Hoffnung sich in den dunklen Ecken versteckte.


Auch die unfreiwillig belauschten Lehrerzimmergespräche drückten mir auf das Herz. Hier ging es nicht um kreative Ideen, lustige Ausflüge und die nächste Aufführung der Theatergruppe. Hier saßen erschöpfte Lehrkräfte, die beieinander Trost und Hilfe suchten. Hier ging es um Gestörtheit, wütende Eltern, Aggression, Lernrückstand und Apathie.


Ich trage das nun mit mir herum. Auf einem abendlichen Autorentreffen gab mir ein geschätzter Kollege den Rat, solche Erlebnisse auf einer beruflichen Ebene zu belassen. Sie als Schriftstellerin wahrzunehmen, sie aber nicht in meine Seele kriechen zu lassen. Mitleid hilft eben auch niemandem. Daran werde ich arbeiten müssen. Denn ich könnte immer noch heulen.

Montag, 11. November 2013

Salat mit geschmortem süßen Gemüse und Ziegenkäse

Herrlich, herrlich ist dieses Essen und eigentlich ist es sehr dumm von mir, es mit hungrigem Magen zu posten. Aber bevor es jetzt den nächsten Post vom Schreibtisch einer Kinderbuchautorin gibt, hier erst einmal eine nette Kleinigkeit für zwischendurch oder auch wunderbar für Gäste im Rahmen eines herbstlichen oder winterlichen Menüs.


Man braucht:
Wurzelgemüse (Karotten, Rüben, Petersilienwurzeln, Pastinaken, Beten) / Sud: je ein Teil Olivenöl, ein Teil dunklen Balsamico, ein Teil Honig / Salz und Pfeffer / Chilischote
Salat nach Geschmack (z. Bsp. Eisbergsalat oder Frisee) / Kürbiskerne / Feta aus Ziegenmilch
Weißbrot

So geht´s:
Wurzeln und Beten in "Fingerchen" schneiden. In eine feuerfeste Form geben.
In einer kleinen Schüssel entsprechend der Gemüsemenge Sud vorbereiten. Zum Beispiel für je 2 der 5 Wurzeln oder Beten: Je 4 Esslöffel Olivenöl, Balsamico und Honig zusammenrühren, salzen und pfeffern, eine halbe Chilischote in wintzige Stücke schneiden und untermischen. Das Ganze auf die Gemüsestifte geben. Bei 200 Grad für ca. 30 Minuten in den Ofen stellen. Das Gemüse aus dem Sud nehmen, Sud in einer Sauciere oder einem kleinen Kännchen auffangen.

In einer Pfanne die Kürbiskerne rösten. Feta zerkrümeln. Salat waschen und vorbereiten.

Nun etwas Salat auf einen Teller geben. Darauf Gemüse anrichten. Feta darüber krümeln und Kürbiskerne darüber geben. Zum Schluss einen ordentlichen Schuss des Suds über das Ganze gießen.
Fertig! Lecker mit Weißbrot!

Sonntag, 10. November 2013

Der kleine Buchladen – Freude und Leid – "wortwahl" in München

Nach meinen Lesungen in München wandelte ich noch etwas zwischen den Schiffen und Fliegern des Deutschen Museums – (das in seiner Physikabteilung überraschend trocken und ermüdend daher kommt, also eigentlich ganz so wie mein damaliger Physiklehrer, dabei liebe ich die Physik!) – herum und verlor mich anschließend im gegenüberliegenden Viertel zwischen Gärtnerplatz und Viktualienmarkt.


Plötzlich stand ich in der Reichenbachstraße Nummer 15 vor der qualitativ anspruchsvollen Auslage eines Buchladens. Von außen geahnt, von innen bestätigt – eine grandiose Auswahl an Kinder-, Kunst-, Koch- und Designbüchern erwartete mich im überbordenden Lädchen.


Natürlich entdeckte ich sofort die Kinderbücher all meiner lieben Kollegen und dann lachten mir auch meine Kurt-Bände entgegen. Wahrlich, hier bewies jemand Geschmack. :-)


Scherz beiseite, das Angebot ist riesengroß, sehr besonders und einfach wunderbar. Hier tut jemand etwas für die Lesefreude und die Buchkultur.
"Wie heißt denn dieser Laden hier?", fragte ich, denn ein Schild konnte ich nirgends entdecken. wortwahl. erfuhr ich von einem freundlichen Mädel und später auf der Straße auch, dass für ein Schild noch kein Geld übrig war.


Begeistert schoss ich einige (leider verwackelte) Fotos, die ich hier präsentieren wollte, als ich etwas unfreundlich – nun, ja – angefahren wurde: "Keine Fotos!" Zum Glück schluckte ich meinen Unmut hinunter, ging auf die verärgerte Dame zu und stellte mich vor. "Sie schreiben tolle Bücher", lobte sie. Zwanzig Minuten später wusste ich eine Menge über die Freude und das Leid einer Büchernärrin mit einem kleinen, großen Laden, denn solange plauderten Nicoletta Miller und ich.


Ich erfuhr, dass das wortwahl-Team aus einem befreundeten Kollektiv 12 fester Mitarbeiter bestünde – Kunstwissenschaftlern, Germanisten, Theaterwissenschaftlern, Schauspielern und Ethnologen – die alle verrückt nach Büchern seien und das Angebot aus ihren persönlichen Favoriten zusammenstelle. Dass jedes der Bilder-, Kinder- und Jugendbücher sorgfältig ausgewählt und auch gelesen sei. Dabei unterstützten 20 Lesekinder das Team. Dass das vielfältige Angebot weithin bekannt sei, so dass sich die Stammkundschaft nicht nur aus Münchnern sondern auch aus dem Ausland zusammensetze.
Doch warum durfte ich nicht fotografieren? Genau darum. Denn all die Mühe und Energie, die das humanistische Team in die Auswahl stecke, würde nicht nur von den Kunden geliebt, sondern auch – auweia! – von der Konkurrenz gestohlen.
Wie bitte? Ziehen denn die kleinen Buchhandlungen nicht alle an einem Strang?
Scheinbar nicht. Denn immer wieder würden die Mitarbeiter Menschen erwischen, die mit Videokameras und Handys im Ärmel durch den Laden streifen und filmen. Nicoletta Miller erhielte öfter Anrufe befreundeter Verlage darüber, dass eine ganz ähnliche Bestellung der und der Buchhandlung eingegangen sei.
"Können Sie sich vorstellen, wie sich das anfühlt? Wir haben mit viel Herzblut unsere Favoriten zusammengestellt und dann kommt die Konkurrenz, macht ein paar schnelle Fotos und hat einige Zeit später das gleiche Angebot."
Als Autorin finde ich es natürlich sehr erstrebenswert, wenn Menschen mit Geschmack und Liebe ein Angebot für möglichst viele bestimmen, aber dieses Procedere finde ich ganz schlimm.


Genauso respektlos sei ein bestimmtes Verhalten von einigen Kunden. Die kämen und erfreuten sich an der Einzigartigkeit und der fundierten Beratung der Buchhandlung, um dann später zuhause die Bücher beim Onlineanbieter zu bestellen. Weil "sie keine Lust haben, die Bücher nach hause zu tragen". Solchen gedankenlosen Menschen begegne das wortwahl-Team auch an anderer Stelle. Für das große Münchner Kulturfest Tollwood, – das sich aus ganzheitlichen und bewussten Aspekten bildet und in diesem Jahr beispielsweise unter dem Motto "Artgerecht" stattfindet, – erstellt es ein ganz besonderes Buchprogramm. Und auch dort würde fleißig notiert und fotografiert statt gekauft werden. "Solche Leute stehen auch am Amnesty-Stand, reden über Menschenrechte und tragen eine Lidltüte in der Hand. Wenn man sie dann darauf anspricht, wissen sie gar nicht, was man meint."
Ich kann mir sehr genau vorstellen, wie schmerzhaft diese Ignoranz sein muss. Der Frust und die Enttäuschung darüber dürfen jedoch nicht gewinnen. Mit Aufklärung kann man Augen und Herzen öffnen. Danken wir denen, die den Mut dabei nicht verlieren. Zum Beispiel dem wortwahl–Team um Nicoletta Miller.

Samstag, 9. November 2013

Frau Herden auf der Münchner Bücherschau 2013

Die Münchner Bücherschau möchte Bögen und Brücken ohne Hemmschwellen zwischen Büchern und Menschen schlagen. Und das gelingt ihr. Zum 54. Mal bietet die Schau Jedermann die Möglichkeit, ganz in Ruhe und entspannt in neuerschienenen Büchern oder Klassikern zu schmökern. Egal ob man Liebesromane, Krimis, Bastel-, Koch- oder andere Sachbücher mag. 300 Verlage stellen etwa 20.000 Bücher aus und zur Verfügung. Noch bis zum 24. November ist jeder Buchliebhaber, Buchneuling oder Büchernarr von 8 bis 23 Uhr willkommen seiner Lust zu frönen oder seiner Neugierde nachzugehen. Begleitet wird die Schau von verschiedenen Lesungen und Veranstaltungen.
Auch eine große Kinderbuchausstellung, die ein Schulprogramm rahmt, ist im Gasteig zu finden. Darum war ich dort. Denn letzten Donnerstag las ich 2 x 3 vierten und fünften Klassen aus dem "Letzten Montag" vor. Das hat mir und den Kids riesigen Spaß gemacht.
Fast hatte ich ja ein bisschen den Eindruck, dass die Stellen, die ich aus dem 2. Abenteuer von Kurt, Sandro und Tilda aka die Prinzessin lese, die "Letzten Donnerstag"-Lesung noch topt. Natürlich war das Quiz wieder ein Riesenspaß. Im Anschluss stellten mir die Kids viele, viele Fragen. Wir redeten und lachten und die Fragerunden mussten von der Organisatorin des Kinder- und Jugendprogramms Frau Edith Offermann schließlich abgebrochen werden, sonst hätten wir noch ewig gequatscht. Es gibt so Tage, da ist einfach alles perfekt. Als die Lehrerinnen – wie sonst auch, aber trotzdem – zu mir kamen und sich über meine Lesung und meine "Begeisterung" und "positive Ausstrahlung" freuten, da strahlte ich wie ein Honigkuchenpferd. Danke München! Danke Frau Offermann!
Hier noch einige Bilder:


Was gibt es Schöneres, als Jungs über Bücher reden, nachdenken, diskutieren und grübeln zu sehen?




 Vor dem Tulipan-Display war etwas Aufregendes im Gange.




Da notiert sich gerade jemand den Titel eines sehr tollen Buches, ;-).




In der Black Box finden die Lesungen statt.




Mein "Arbeitsplatz" wartete schon während ich sehr charmant von Frau Offermann angekündigt und dann mit einem großen Applaus von den Kindern begrüsst wurde.


Nach der Lesung, dem Quiz und der Fragerunde gibt es Autogramme und Fotos. Ich durfte auch viele Bücher signieren. Manchmal komme ich mir dann ein bisschen wie ein Star vor. Aber nichts geht über die strahlenden Gesichter der Kids. Hier die 5c einer Mädchenschule. Deren Lehrerin, Frau Sabine Springer, machte nicht nur die beiden Bilder von mir, sondern schrieb mir auch am Abend: "Vielen Dank für die spannende und stimmungsvolle Lesung heute Morgen. Sie haben die Schülerinnen aus der Klasse 5C des Städtischen Sophie-Scholl-Gymnasium enorm beeindruckt. Sehr viele Mädchen wünschen sich die beiden Romane zu Weihnachten."
Ist das nicht wunderbar? Ich liebe meinen Beruf. :-).



Montag, 4. November 2013

Der Eintagsladen 8 – ein Streifzug

Ihr konntet leider nicht kommen, würdet aber schon mal gerne im Eintagsladen stromern? Dann kommt mit! Hier gibt es einen fotografischen Streifzug der Veranstaltung am 03. November in der Centralstation in Darmstadt. Viel Spaß!


Samstag, 2. November 2013

Dänischer Apfelkuchen – eigentlich gar kein Kuchen, sondern ein köstliches Dessert

Draußen stürmt es heute. Aber die Erntezeit neigt sich dem Ende entgegen und darum muss raus, wer ernten möchte. Zum Beispiel Äpfel. Die liegen noch als Fallobst unter den Bäumen. Viele lassen sie einfach verrotten. Ich finde das sehr schade. Aber so sind eben die Zeiten, kaufen geht schneller und ist bequemer. Pöh! Dabei macht es Spaß hinauszugehen und voll beladen nach Hause zu kommen. Und es ist gesund für Leib und Seele.
Ich fand meine Äpfel letztens in zwei Eimern vor einem Garten als ich auf dem weg zum Acker war. Ganz lieben Dank! Vielleicht wissen manche aber auch gar nicht, was man aus dem Obst, das einige Madenlöcher und matschige Stellen hat, das zwar hocharomatisch aber doch auch sehr sauer schmeckt, machen kann?


Zum Beispiel dieses wunderbare Dessert (Achtung: Es ist wieder eines, das stundenlang, gerne auch über Nacht im Kühlschrank durchziehen muss). Es klingt so einfach und ist doch so unglaublich köstlich, dass es jeden erstaunt:

Man braucht:
Fallobst (Äpfel aller Sorten) / Orangensaft / Zimtstangen / Vanilleschote / Nelken / braunen Zucker / entweder dänische Makroner (Mandelgebäck) oder eine Mischung aus Amaretti und Eierpätzchen / Vanillepaste / Zucker



So gehts:
Zuerst kocht man aus den Äpfeln ein stückiges Apfelmus. Weil das auch so lecker ist, kann man gleich ein bisschen mehr machen. Vielleicht hatte man ja 3 kg Äpfel gesammelt. Diese putzt, schält, zerstückelt man und gibt sie in einen großen Topf. Dazu gibt man etwa 400ml Apfelsaft, 2 Zimtstangen, 7 Nelken, das Mark einer ausgekratzten Vanilleschote, die Schotenhälften und vielleicht 6 bis 8 Esslöffel braunen Zucker, das kommt auf den Säuregrad der Äpfel an. Von mir aus immer und gerne auch mehr. Bei mittlerer Hitze kocht man diese duftende Mischung bis die Äpfel weich sind (ca. 15 Minuten). Dann zerstampft man sie mit einem Kartoffelstampfer. Das Mus soll nicht so fein sein, sondern noch kleine Stücke enthalten. Das Mus erkalten lassen.
Apfelmus, das man übrig hat und aufheben möchte, wird heiß in heiß ausgespülte Schraubgläser gefüllt, die Gläser werden kurz auf den Kopf gedreht, damit auch die Deckelinnenseiten steril sind, und dann ab damit in den Kühlschrank. Diese Gläser sind viele Wochen haltbar.


Die Makroner (oder die 1:1 Mischung aus Amaretti und Eierplätzchen) zerkrümelt man.


In eine große Schüssel füllt man nun ein Schicht Apfelmus, eine Schicht Krümel, eine Schicht Apfelmus, wieder Krümel und zum Schluss wieder Apfelmus. Die Schüssel stellt man abgedeckt in den Kühlschrank. Mindestens einige Stunden oder über Nacht.


Vor dem Servieren schlägt man eine ordentliche (hier bitte nicht sparen und Kalorien zählen, dieses Dessert braucht viel Sahne) Portion Sahne mit Zucker und Vanillepaste steif und gibt sie über das Dessert. Mit einem großen, großen Löffel serviert man das Ganze wie ein Dessert aus der Schüssel. Die Portionen sehen nicht elegant aus und gewinnen keinen Fotowettbewerb, aber das sollen sie auch nicht. Sie sollen schmecken und das tun sie. Oh, ja, das tun sie.


Freitag, 1. November 2013

Der Eintagsladen 8 naht – ein paar Gedanken dazu und sehr viel Dank

Manchmal kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass böse oder zumindest seltsame Mächte am Werke sind. Beispielsweise in Bezug auf meinen Eintagsladen.
Als ich damals – die seitdem vergangenen Jahre spielen hier keine Rolle, ;-) – aus Californien zurück kam, war ich von der ganz neuen Handmade-Szene begeistert. Ich begann amerikanische Blogs zu verfolgen und selbst Schönes mit den Händen zu produzieren. Irgendwann dachte ich, so ein Craft-Market müsste doch auch in Deutschland möglich sein, es gibt doch so viele wie mich. Der erste Dreitageladen öffnete im November 2009 seine Türen. Dann sprach mich die Centralstation an und im Frühjahr darauf war der Eintagsladen für einen Tag geöffnet. Am kommenden Sonntag geschieht dies zum 8. Mal. Yeah!
Ich habe den Eintagsladen in den letzten 4 Jahre zu einem tatsächlichen Event im Heimatstädtchen erhoben und dennoch wird er von der Presse (also von der einzigen Tageszeitung Darmstadts, sowie von zwei etablierten Stadtmagazinen) einfach nicht wahrgenommen. Ja, in Anbetracht der begeisterten Artikel über andere Handarbeits- und sonstige Märkte, gar stoisch ignoriert. Ich frage mich seit nunmehr drei Jahren: Wieso?


Natürlich kommt man dann als Geschichtenausdenker sofort auf krude Verschwörungstheorien. Was ist da los? Wer hat die Fäden in der Hand? Kann derjenige mich nicht leiden? Warum? Sinnt er auf Rache? Wo für? Was habe ich ihm angetan? So etwas in der Art.
Obwohl es mich doch immer wieder erstaunt, habe ich mich inzwischen daran gewöhnt. Der Eintagsladen brummt und flirrt jedes Mal, wenn sich die etwa 1500 Besucher um die jeweils 40 Bühnenelemente mit zirka 60 ausstellenden Labels sammeln – ein wunderbares Bild. Manchmal bin ich dann total stolz und denke: Die sind alle hier, weil ich das organisiert habe.

Natürlich gibt es Menschen, die mir helfen. Darum heute mal einen dicken fetten Dank an all jene:
* Meike von der Centralstation: Sie hat mich da reingeholt, sie ist für mich da und sie ist meine Freundin.
* Wanja Olten: Er hat von Anfang an die tollen Flyer entwickelt.
* das P Magazin: Es spendierte mal eine Anzeige, brachte immer einige nette Worte zur rechten Zeit und einmal sogar einen ganzen Artikel über den Eintagsladen.
* FRIZZ und Fratz: auch diese beiden Stadtmagazine fanden Worte, über den Eintagsladen zu berichten
* Rufus Meyer: Ein wunderbarer Freund, der immer mit anpackt.
* Suse,


Katinka


und Katja:


drei tolle Freundinnen, die sich nicht entblödeten, meinen Stand in den einzelnen Eintagsläden zu übernehmen, damit ich herumlaufen und alles zum Guten und Schönen richten konnte
* alle Aussteller und Teilnehmer: Die jeden Eintagsladen zu dem bunten Markttreiben machen, das sie waren und sind.
Danke auch den Besuchern, die vorbeikommen, sich bezaubern lassen und ihr Geld lieber für liebevolle Dinge ausgeben, als es irgendwelchen Megakonzernen in den aufgerissenen Rachen zu klimpern.
Kommt vorbei am kommenden Sonntag! Es wird wieder schön.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Halloween

Heute Nacht wandert Jack o´ Lantern also wieder suchend über die stoppligen Felder, in der Hand die Rübe mit dem leuchtenden Stück Kohle. Damit es nicht gar so dunkel sei. Beides gab ihm der Teufel, der ihn in seiner Hölle nicht hatte haben wollen. Jack hatte ihn nämlich dareinst furchtbar hereingelegt. So lautet die alte irische Legende um die Nacht vor Allerheiligen, die sie mit nach Amerika brachten. Weil es dort keine Rüben gab, wurde daraus kurzerhand der große Kürbis gemacht.
Doch das Fest hat noch viel weiter zurückliegende Ursprünge. Schon die Kelten feierten die Nacht vor dem 1. November als Beginn der kalten Winterszeit und damit als Beginn des neuen Jahres. In dem sie sich grauslich verkleideten, wollten sie dem kommenden Kargen und Harten Mores lehren.
Heute laufen kleine Hexen, Zombies und Vampire durch die Straßen und verlangen mit dem Spruch "Süßes oder Saures" nach Bonbons. Wer die Tür nicht öffnet, bekommt eventuell ein faules Ei dagegen geworfen. Obwohl, wahrscheinlich ehr nicht, denn kaum eines der Kinder weiß, was Saures eigentlich bedeuten soll. Wer spielt heute noch Streiche? Oder?


Ich liebte unsere alljährliche Halloween-Party. Bei den Freunden des Söhnchens galt sie gar als legendär. Heute ist sie eine wunderschöne Erinnerung. Allein dafür hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Sie machte aber auch riesigen Spaß!
Die Wohnung schmückte ich mit Geistern (eine Papierkugel in ein Tempo gebunden, Augen darauf gemalt und von der Decke gehängt, x 20), Spinnennetz und Knochen.
Es gab schauriges Essen, das niemand anrührte vor Grausen. Niemals werde ich die "toten Hände" vergessen: rosa Himbeerpudding in Einmalhandschuhe füllen, 3 Stunden im Kühlschrank liegen lassen, die Hände auf eine Platte legen und die Finger der Handschuhe etwas aufreißen – boah, sieht aus, wie tote Haut, super eklig!


In einem dunklen Zimmer hatte ich Kürbisse und Kerzen aufgestellt und erzählte den ängstlich zusammengerückten Kindern die Legende von Jack.
Dann spielten wir einige Spiele: Mumienwickeln, eklige Gegenstände ertasten, furchtbare Speisen kosten (man kann so viel Ekel mit Lebensmittelfarben hervorrufen, ;-))
Schließlich zogen alle um die Häuser und sammelten die Süßigkeiten humorvoller netter Menschen ein. Wenn einer nicht öffnete, veranstalteten die Kids ein lautes Konzert mit Rasseln und Tröten und Klappern vor dessen Tür. Natürlich waren alle gräulich verkleidet.


Ich entzündete derweil ein Feuer im Hinterhof und wartete als Hexe verkleidet auf die Nachbarskinder, um sie zu erschrecken und mit Bonbons zu trösten. Gleiches Recht für alle.
Später aßen noch alle eine Kürbissuppe, auch die abholenden Eltern, wir tranken einen Sekt und hatten einen schönen Abend. Am Abend war ich zwar total erschöpft, aber sehr glücklich.


Den letzteren Part werde ich heute auch machen: also, als Hexe am Feuerchen sitzen, Bonbons verteilen und mit meinen Kids Marshmallows rösten.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Länger als gedacht – Lesend unterwegs in Lüneburg

Ich hatte es ja nicht anders gewollt, denn als ich das Zugticket zurück ins Heimatstädtchen buchte, gab ich mir drei Stunden Zeit, nach den Lesungen meinen Leseort zu erkunden.


Dabei fing alles so nett an. Eine liebe Freundin auf der Durchreise erwartete mich in Lüneburg am Bahnhof. Wir verplauderten ein amüsantes Stündchen. Dann lies ich mich zum Hotel (Bremer Hof) fahren, das wirklich sehr nett war. In meinem Zimmer verbrachte ich einen geruhsamen Abend.


Am nächsten Tag las ich 3 x 3 sechsten Klassen aus dem "Letzten Donnerstag" vor. Dazu hatte mich das Literaturbüro eingeladen – etwas, das ich jedem Kollegen wünsche, denn die Betreuung war wunderbar in jeder Beziehung (Danke schön!) – und zwar ins schöne Heine Haus. Für mich, die ich in einer Stadt lebe, die 1944 in einer Brandnacht zu beinahe 99 Prozent zerstört wurde, sind geschichtsträchtige, gar mittelalterliche Häuser einfach unfassbar.


Die Lesungen waren eine Herausforderung. Das sind die Lesungen in 6. Klassen immer. Während ich die 3., 4. und 5. Klassen schwupsdiwups einfach mitnehme, sind die Prinzessinnen, die halbstarken Rabauken und beinahe abgeklärten Weltretter zwischen 11 und 13 Jahren nicht ganz so leicht zu beeindrucken. Denn das versuchen sie ja selbst den ganzen Tag – irgendjemanden zu beeindrucken. Sie wissen auch nicht so genau, ob sie es nett oder peinlich finden sollen, wenn ich meinen Figuren eine Stimme gebe und die meine also verstelle. Als sich aber einer der vier lautesten der coolen Revoluzzer über den beim Quiz gewonnenen Weltretterbutton freute (er hatte also doch irgendwie zugehört) und mich hinterher mit vielen echt interessierten Fragen löcherte, als die Lehrer sich bedankten und einer fragte "Wie machen Sie das nur?", da war alles gut und ich schlug mir ein wenig verschämt und unbeobachtet auf die Schulter.


Dann stromerte ich durch das Mittelalter und das Backsteinbarock Lüneburgs und fragte mich, ob man ein besserer Mensch ist, wenn man in so viel pittoresker Gemütlichkeit aufwachsen darf.


Und dann brach der Orkan los.
Ich dachte noch, ich könnte mich in meinen Zug Richtung Heimat flüchten. Pff! Hunderte wild telefonierende Menschen belagerten aufgeregt die Anzeige (und die 10 Sitzmöglichkeiten des Lüneburger Bahnhofs), die meinen Zug mit 2 Stunden Verspätung anzeigte. Was anderes fuhr gar nicht mehr.


Was tun? Sitzen ging ja nicht. Ich kämpfte mich durch den Orkan auf die andere Straßenseite in die Spielhalle. Dort wollte ich mein Schicksal bedauern, meiner in der Fremde verlorenen, vom Sturm gefangen gehaltenen Seele das ganze Verlierer-Spektrum bieten und all mein (Bar-)Geld verspielen. Dramatisch viel war das gar nicht und ich wurde es in der Wartezeit auch nicht richtig los. Immer wieder gewann ich etwas, so dass sich der Betrag kaum änderte. "Nicht einmal das", dachte ich enttäuscht, als ich wieder in die Bahnhofshalle lief, die nun noch voller und aufgeregter brummte und deren Anzeige nichts mehr anzeigte. Niemand würde in dieser Nacht diese Stadt per Zug verlassen können. Ein kleines fiebriges U Turn-Gefühl bemächtigte sich meiner jetzt doch.
Aber dann rief ich den Veranstalter in Form der netten Frau Debuch an, die mir ein noch schöneres Zimmer im selben Hotel reservierte. Dort saß ich dann gemütlich in einem Sessel, trank einen eingeschmuggelten roten Wein, war ein bisschen melancholisch, schrieb ein wenig, las etwas, illustrierte meine Notizbuchseiten mit Rotwein und Zahnpasta – was man eben so tut, wenn man wohlig und geborgen ganz alleine mit einer Flasche Rotwein im Bett hockt, während draußen ein Orkan durch die Gassen heult.
Am nächsten Morgen hatte ich dann wunderbar Zeit, noch einmal mit meiner Kamera durch die Stadt zu stromern. Wie gesagt, ich hatte es ja nicht anders gewollt. :-)


St. Michaelis ist unglaublich beeindruckend. Die riesigen Backsteinsäulen, die das Kirchendach tragen, sehen aus, als kippten sie jeden Moment um. Wie der schiefe Turm von Pisa.


Krude Nixen locken in die Altstadt.


Yarnbombing, ...


Kunst, ...


... meine (umgekehrten) Initialien ...


... Urban Gardening ...


... alte Ornamente ...


... und Street Art – alles in der Baumstraße. Ein schöner Ort.


Die alte Salzfabrik steht zum Verkauf. Hoffentlich bleibt sie so toll nach der Sanierung und dem Umbau in Eigentumswohnungen.




Seltsame Heringe schmücken vielerlei Orte in Lüneburg. Sie sind bemalt und hängen so herum.


War hier etwa das Graffiti-Künstler-Duo ZEZAOS aus Sao Paulo zu Besuch in der Beschaulichkeit?




Herakut haben auf alle Fälle diese Wand verschönert. Sehr nett der kleine Wichtigmacher: Seelow – mit Beleuchtung. Ist das dreist, unwissend oder war das Schild schon vorher da? Ist er Street Art Fan? Ich musste viel über Herrn und Frau Seelow nachdenken. Denn diese Situation erinnerte mich ganz stark an eine Szene aus den Stadtteilrittern, meinem neuen Buch, das im Frühjahr erscheint.




Im Seifenhaus Erika gab es nicht nur Parfüme und handelsübliche Drogen (also Medikamente) sondern auch Kindernähr- und Pflegemittel.