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Sonntag, 8. April 2018

Tischdienst – ein Tutorial für ein wunderbares gemeinsames Speisen, Plauschen und Gerichte Tauschen


Mit lauter netten Leuten Selbstzubereitetes speisen, plaudern und Köstlichkeiten tauschen – wenn Euch bei dieser Vorstellung das Herz hüpft und das Wasser im Munde zusammenläuft, dann übernehmt doch den Tischdienst und organisiert eine fröhliche Runde an einer reich gedeckten Tafel. 




Die Idee
Zwei Freundinnen und ich ackern fürs Gemüse, kochen gerne und lieben es, verschiedenste Menschen an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam zu speisen. So kam uns die Idee zum Tischdienst
Zu einem bestimmten Motto kocht jeder Teilnehmer ein Gericht, das auf die große Tafel gestellt wird. Vier kleinere Portionen desselben (oder einer selbst gemachten Zutat) werden hübsch verpackt zum Tausch mitgebracht. Als Paar kocht man natürlich entweder doppelt so viel oder zwei Gerichte. 


Grafik: Selina Willand


Beim Genießen, Rezepte Tauschen und über das Leben Plaudern lernt man nicht nur neue Gerichte und nette Menschen kennen, sondern geht auch mit dem Bauch voller Köstlichkeiten, dem Kopf voller Kochideen und einer Tüte voller Spezereien nach Hause. 

Einen Ort finden
Wer hat schon eine Tafel für etwa 20 Personen zuhause? Also macht man die Not zur Tugend und entdeckt besondere Orte, indem man mit offenen Augen durch die Stadt läuft. Gibt es eventuell offene Veranstaltungsräume oder Kantinen? Könnte man die nette Dame aus dem großzügigen Gewürzladen, den jungen Mann mit seinem Atelier oder die Frau mit der Musikschule gewinnen? Oder gibt es einen netten Ort open air?
Man braucht einen Raum für eine große Tafel, genügend Sitzmöglichkeiten drumherum, mit einem Wasseranschluss, eventuell einem Herd zum Aufwärmen und einer Toilette in der Nähe. 




Planen
Etwa 6 Wochen im Vorfeld bestimmt man einen Termin. 
Tipp: An einem Donnerstagabend von 19 bis 22 Uhr haben viele Menschen Zeit. Oder Sonntags. Dann passt das auch mit dem Kochen gut. Allerdings schauen viele Menschen gerne Tatort. :)
Dann überlegt man sich ein Motto, zu dem gekocht werden soll. Das kann etwas Saisonales wie Frühlingserwachen und Erntedank sein oder etwas Spezifisches wie 1000 Gewürze, Brotaufstriche und Alles aus Petersilie
Natürlich muss man überlegen, wie viele Leute kommen können. Wie groß ist die Tafel, die ich aus verschiedenen Tischen oder aus Böcken und alten Türen bauen kann? Wie viele Stühle kann ich besorgen? Bekomme ich genug Besteck, Gläser und Teller zusammen oder muss die jeder selbst mitbringen? 


Die Einladung
In der Einladung nennt man nicht nur Ort, Zeit und Motto, sondern beschreibt auch die Idee und bittet um Anmeldung bis zwei Wochen vor dem Termin unter der eigenen Email-Adresse. Wer Freude am Gestalten hat, findet unter thegraphicsfairy.com dekorative Vintage-Illustrationen aller Art zum kostenlosen Download. 
Will man etwas privater bleiben, verschickt man die Einladung nur an seine Freunde und Bekannte. Wer neue Menschen zusammenbringen und kennenlernen möchte, lässt die Einladung als Flyer drucken und verteilt sie in Buchläden, Cafés und im Kindergarten. Noch einfacher ist es, eine öffentliche Facebook-Veranstaltung zu erstellen. 


Grafik: Selina Willand


Die Gäste
Am Tag nach dem Anmeldeschluss fertigt man die Gästeliste an. Haben sich mehr Leute angemeldet, als um die Tafel passen, muss man leider einigen absagen. Doch vielleicht wiederholt man das Ereignis und kann darauf vertrösten? Den Gästen teilt man noch einmal genau mit, wann, wo und unter welchem Motto sie erwartet werden. Nun hat jeder Zeit, sich ein Gericht zu überlegen und ein- oder zweimal zur Probe zu kochen. Darüber freut sich die Familie zu Hause. 
Tipp: Etwa 20 Gäste sind ideal. Alle kommen miteinander ins Gespräch und die Speisen sind äußerst vielfältig, aber nicht zu viele, um eine jede zu probieren. 


Vorbereitung
Als Veranstalter hat man natürlich etwas mehr Arbeit als die Geladenen. Auf der Einkaufsliste sollten Servietten und Brot stehen. Außerdem frische Minze, Zitronen oder gefrorene Beeren, um mehrere Karaffen aromatisiertes Wasser als Getränk anzubieten. 
Etwa eine Stunde braucht man, um die Tafel vorzubereiten und einzudecken. Natürlich kann man mottogemäß dekorieren, doch das ist gar nicht nötig. Die Wasserkaraffen, ein paar frische Blumen oder Zweige auf verschiedene Vasen verteilt, und einige Kerzen runden die vielen Speisen, die auf der Tafel Platz finden werden, schön ab. 
Außerdem hält man DIN A5-Karten und einen Stift bereit. Hierauf schreibt jeder Gast, welches Gericht er mitbrachte, und stellt sie daneben. 


Das Ereignis 
In der ersten halben Stunde trudeln die Gäste ein. Jeder beschriftet sein Kärtchen und stellt sein Gericht auf die Tafel. Die vier Tauschportionen aller werden an einem zugänglichen Ort gesammelt. 
Wenn alle Platz genommen haben, begrüßt man die Gäste. In einer Vorstellungsrunde erzählt jeder etwas zu sich und seinem Gericht. Danach ist das Eis gebrochen und alle wünschen sich einen guten Appetit. 
Tipp: Wenn man einen Weinhändler mit ins Boot holt, kann dieser Weine zur Probe oder zum Selbstkostenpreis anbieten. Außerdem kann man mit einem Sekt den Abend eröffnen. 


Die Tauschrunde 
„Noch nie habe ich so lecker gegessen“, wird es unisono nach dem Essen klingen. Dann wird getauscht. Reihum darf sich jeder eine der Tauschportionen nehmen. Danach darf sich der letzte als erster nehmen. Das Ganze findet 4 Mal statt. 
Natürlich wird nach so einem netten Abend niemand den Gastgeber mit dem Abwasch alleine lassen. Während alle spülen und aufräumen, kann man schon den nächsten Tischdienst planen. 

Wer einmal bei uns vorbeischauen möchte, kann das hier tun: Tischdienst 



Mittwoch, 28. Oktober 2015

Der superbesondere Ort – Völklinger Hütte mit Urban Art

Vorgestern kam ich ganz ergriffen aus dem Kino. Wir hatten den "Marsianer" gesehen und ich wollte mal wieder sofort los, Welten entdecken oder meinetwegen auch Orte auf der unseren. Mir liegt das im Blut, in den Genen, im Herzen oder wo auch immer so etwas herkommt. (Einst dachte ich ja, das wäre etwas sehr menschliches, in uns allen verankertes, heute habe ich verstanden, dass die meisten lieber Fernsehen gucken oder am Computer sitzen. Das ist sehr sehr seltsam). Lesen ist ein wunderbarer Weg, neue Orte zu entdecken, Reisen der noch bessere. Manchmal genügt sogar ein Tag.

Wir besuchten das Unesco Weltkulturerbe Völklingler Hütte. Das ist sowieso eine Reise wert, ach, was sage ich, es ist einer der magischsten Orte, die ich je sah. Momentan und noch bis zum 15. November findet dort die Urban Art Biennale 2015 statt. Besser geht es nicht.

Die Hütte wurde 1873 als Stahlwerk errichtet und gute 110 Jahre später wieder stillgelegt, heute ist sie zum Glück für uns alle Museum mit 7 km langen Wegen durch rostigen Stahl und unheimliche Hallen, zwischen Industrieruinen hindurch, unter und auf Eisenbasiliken entlang und hinauf und mitten ins Paradies hinein. Durch einen unglaublich tollen Zufall (vielleicht der Zeitpunkt am Vormittag unter der Woche?) waren wir ganz allein dort und tiefe Nebel hingen zwischen den Hochöfen. Ich lief den ganzen Weg quasi auf Zehenspitzen vor atemloser Ergriffenheit. Dazwischen dann die Kunst. Mehr geht nicht.

Doch. Mein 14-jähriger Sohn, der sich in diesem Alter befindet, da man ihn schwer begeistern kann, meinte, der Ort sei sehr sehr cool. Noch cooler wäre er allerdings gewesen, wenn wir ihn zufällig mitten im Wald gefunden hätten. Nun ja ...

















Freitag, 20. März 2015

Solar eclipse of my heart



Wisst Ihr noch, wie es vor 16 Jahren war?
Wir sind extra ins Elsaß gefahren, denn dort hatte man den besten Blick, hieß es. Wir, das waren vier vollgestopfte Autos. Das nigelnagelneue Töchterchen und ich saßen mit zwei anderen auf dem Rücksatz. Ausgestattet waren wir mit Folienbrillen, warmen Jacken, Decken und Picknickkörben. Ich war eigentlich nur mitgefahren, weil alle fuhren. Zwei Stunden Autofahrt hin und zwei zurück, dachte ich, das ist doch etwas übertrieben. Es wurden dann sogar insgesamt sieben Stunden, weil wir natürlich nicht die einzigen gewesen waren, die diese Idee gehabt hatten.

Total Eclips of the heart, sangen wir mit Bonnie Tylor.
Es war nahezu unmöglich noch ein schönes Plätzchen zu finden. Vielleicht wenigstens eines zum Stehen, hoffte ich und ließ meinen Blick traurig zwischen unseren Picknickdecken  im Kofferraum und den mit tausenden Campingstühlen gesäumten Straßen hin und her wandern. Einen Truck müsste man haben, dann hätten wir es uns auf der Ladefläche bequem machen können, dachte ich.

Endlich, endlich fanden wir einen Parkplatz, wenigstens das. Irgendwo in zehnter Reihe auf einem Feld. Wir packten unseren Bims und Babel und zogen Vertriebenen gleich los, verfolgt von den mitleidigen Blicken derer, die schon am Abend zuvor ein Plätzchen okkupiert hatten. Das Töchterchen zappelte unruhig im Tragetuch herum und krähte laut seinen Unmut heraus. Es hätte seit Stunden eine neue Windel gebraucht.
Doch dann, oh Wunder, fanden wir hinter einem Wäldchen einen grünen Weidenrand mit Kühen und freien Blick in den Himmel Richtung Sonne! Dort lagerten wir und alles wurde gut, ja geradezu magisch.

Wir bauten im lautstarken Jubilieren der Vögel, die die Dämmerung begrüssten, unser Picknick auf, wir zogen unsere Jacken über, als sich die Kühe zur Ruhe legten, wir aßen und schauten dabei durch die Brillen in den Himmel und als der kalte Wind aufkam, der die Dunkelheit vor sich herscheuchte wie einen schwarzen Mantel, der sich über alles legte, fasste etwas nach meinem Herzen und ich begann haltlos zu weinen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Und wenn ich sage, das Tremdeum hatte mich erfasst, dann ist das die Wahrheit.

Heute habe ich keine Brille. Sie waren ausverkauft, weil das Schulamt unvorsichtigerweise dermaßen vor den Netzhautschäden warnte, dass daraufhin die Schulen in Panik gerieten. Manche sagten sogar den heutigen Unterricht ab. Meine Kinder hoffen, dass die dritte und vierte Stunde ausfällt oder sie wenigstens mal kurz in den Pausenhof dürfen, um die Sonnensichel mit dem Handy zu filmen. Ich werde in den Park gehen und den Vögeln zuhören und wünsche uns allen einen magischen Moment.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Oktoberwald

Rennst du eigentlich jeden Sonntag durch den Wald?
Keine unberechtigte Frage. Tue ich aber trotzdem nicht. Ich krieche, krabbele und schleiche hindurch, sinke in feuchte Moosbetten, bleibe in Spinnweben hängen und habe unglaubliche Angst vor Wildschweinen.
Warum ich das mache?
Weil es unglaublich schön ist da draußen. Weil alles explodiert und im Farbenrausch schwelgt. Weil bald alles verschwunden sein wird. Und vielleicht kann man einen inneren Speicher füllen mit Luft und Duft, mit Sonne und gewachsenen, lebendigen Wesen. Bald ist das Draußen wieder grau und braun und riecht nach nix. Dann gehe ich da auch nicht mehr hin. Dann beginnt sie – die schwermütige, melancholische Zeit in überheizten, ungelüfteten Räumen, in denen Duftkerzen und silberfarbene oder rotweiße Dekorationen versuchen, aufzufangen, was nicht aufzufangen geht. Es gibt eben Sommer- und Wintertypen. Als Sommertyp sollte man der Sonne hinterreisen.






Montag, 7. Oktober 2013

Im Salamanderwald

Wenn es regnet, grau, diesig und kühl ist, bleiben wir gerne zu Hause im Gemütlichen. Blöderweise bekommt man dann manchmal eine schlimme Melancholie. Darum ist es besser, sich in etwas Wasserfestes zu werfen und in den tropfenden Wald zu gehen. Dort kann man Wundersames entdecken. Und ganz plötzlich ist man mitten in einem Märchen. Das kann man sich dann später zuhause bei Kakao und Kuchen erzählen.





Gestern entdeckten wir den Salamanderwald. Er war voller Moos und Nadelbäumen und heisere Hexenstimmen wisperten unter den Hüten der Pilze. Ein Wald, in dem Feuersalamander normalerweise nicht leben. Trotzdem schlichen fünf Gesellen durch das regentriefende Moos und leuchteten grell aus dem Totholz. Sie waren dick gefressen von den unzähligen Schnecken, die selbst wiederum dick gefressen waren von den unzähligen Steinpilzen.





Todesmutig beugte ich mich über die glänzenden Lurche. Ganz nahe wollte ich sie mit der Kamera bannen. Ich hatte großes Glück, denn sie bedienten sich nicht ihrer Sekretdrüsen. Hier heraus können sie nämlich bis zu einem Meter weit ihr Gift spritzen. Es hätte mir in den Augen und auf der Haut gebrannt (so, wie es Kurt zwischen den Riesenlurchen in der Kanalisation im "Letzten Donnerstag" passiert). Vielleicht hätte es mich auch auf dämonische Art und Weise verwandelt. Man munkelt seit vielen Jahrhunderten so etwas.
Feuer löschen können Feuersalamder damit übrigens nicht. Darum macht es auch keinen Sinn, sie ins Feuer zu werfen.









Sonntag, 29. September 2013

In den Pilzen – und was machen wir mit der Beute? Pilzpfanne satt

Gestern waren wir in den Pilzen. Holla, die Waldfee! So etwas Wunderbares! Die Regentage vor einer Woche und die Sonne der darauf folgenden Tage haben den Pilzen gefallen – an den richtigen Stellen wuchsen viele, viele Sommer- und Fichtensteinpilze.







Zuhause putzten wir sie erst einmal. Dann sortierten wir. Die komplett ohne Maden kamen in das Körbchen zum Aufheben. Daraus machen wir heute Abend eine Pizza, das Rezept folgt morgen. Im Kühlschrank halten die Pilze 2 bis 3 Tage.
Die anderen, also die mit den dünnen Madenkanälen, säuberten wir und zerschnitten sie in Stücke. Es war eine wirklich große Menge und wir zauberten uns eine Steinpilzpfanne satt. Ich kam mir richtig dekadent vor.


Pilze putzen dauert übrigens ganz schön lange. Entweder hört man dabei ein nettes Hörspiel oder man hat eine nette Putzbegleitung und eine Flasche Wein dazu. Man sagt ja, Wein und Pilze vertrügen sich nicht. Aber bei Steinpilzen ist man da auf der sicheren Seite, da diese keine Gifte enthalten, die durch den Alkohol freigesetzt würden. Wir fühlten uns jedenfalls nicht unwohl.



So habe ich sie gemacht:
In einer großen Edelstahlpfanne ließ ich ein ordentliches Stück Butter schmelzen. Darin schmurgelte ich 2 kleingeschnittene Zwiebeln. Als diese braun waren kippte ich die Steinpilzstückchen hinzu. Es war weit mehr als ein Kilo. Bei mittlerer Hitze schmurgelten die Pilze so lange, bis der Sud ganz verkocht war. Wer es etwas soßiger möchte, wartet natürlich nicht ganz so lange. Salz, Pfeffer und etwas Chili dazu. Vielleicht auch noch ein Stückchen Butter. Die  Hitze herunter drehen und Sahne angießen. Kleingehackte Petersilie untermischen, Deckel drauf und schmurgeln lassen. 
In einem Topf Spätzle bereiten. Ich nahm frische Fertige aus dem Kühlregal. Die Spätzle mit den Pilzen mischen.
Fertig! Und so köstlich! (Leider habe ich kein Foto, weil es inzwischen dunkel war.)
Da es solche Pilzfunde nicht alle Jahre gibt und ich auf dem Markt niemals 40 Euro für ein Kilo Steinpilze bezahlen würde, haben wir dieses Mahl als etwas ganz Besonderes genossen.