Sonntag, 4. September 2011

Ateliergeschichten - Dina Rautenberg


"Es ist wunderbar, seine Zeit damit zu verbringen, Garnrollen und Stifte nach verschiedenen Farben zu sortieren", die einzigartige Fadenkünstlerin Dina Rautenberg hat das in ihrem Blog geschrieben. Es ist auch wunderbar, die Ergebnisse dieses Zeitvertreibs zu betrachten. Noch wunderbarer ist es allerdings, die Werke anzuschauen, die Dina mit den auf den Rollen gewickelten Garnen kreiert.



Der amerikanische Trend des Maschinen-Stickens, also des freien Stickens mit der Nähmaschine, war im alten Land noch nicht richtig angekommen, als Dina Rautenberg 2007 eine schöne Umsetzung ihrer Vordiplom-Zeichnungen suchte.
"Die Nähmaschine stand sowieso herum", und so entstanden erste Nähversuche auf dem Papier und später auf Stoff. "Pass auf, dass du mit dieser Idee nicht in die Hausfrauenecke rutschst", warnte ihre Professorin Mariola Brillowska. Ist Dina nicht - und von den Techniken des Bilder-Stickens und Geschichten-Nähens nicht mehr los gekommen.
Ich habe die Künstlerin in ihrem Wohnatelier besucht und ihr ein wenig über die Schulter geschaut.




Momentan bereitet sie zwei Ausstellungen vor. Für die Ausstellung "Das Textile als Medium der zeitgenössischen Kunst", die am 09. Oktober im Kunstarchiv des Heimatstädtchens und für eine Einzel-Ausstellung, die am 7. November in der Sparkasse Starkenburg Heppenheim eröffnet wird, zaubert sie momentan großformatige poetische Gemälde.
Nach einer längeren Zeit, in der sie reine Auftragsarbeiten nähte, kann sie sich nun wieder ganz ihrer eigenen Kunst widmen. In einem Wohnatelier ist das manchmal gar nicht so einfach. Denn wenn der Abendbrottisch für die Familie gedeckt wird, müssen die Kunst sowie sämtliche Inspirations-Boards wieder aufgeräumt sein "und dann hat man ganz schnell mal aus Versehen eine Idee weggeräumt". Außerdem verführen die wunderbaren halb fertigen Stoffwände die Kinder, sie fertig malen zu wollen. Dina sucht also nun ein Atelier, in dem nicht gewohnt werden soll. Umgeben vom Alltag und völlig frei, in dem was man darstellen möchte, ist es manchmal schwierig, einen Anfang zu finden, erzählt Dina. Ein Blick in die Runde verrät mir, sie fand ihn, wahrlich, sie fand ihn.




Ihre Ideen entwickelt Dina Rautenberg ganz klassisch mit einem Stift auf Papier. Sie überträgt die Skizze auf den Stoff. Oft verändert sich das Bild durch das andere Medium. Etwas, das auf dem Papier gut funktionierte, wirkt dann ganz anders auf dem Stoff - oder umgekehrt. Darum überarbeitet sie die Vorzeichnung solange, bis sie "dieses Kribbeln im Bauch" verspürt. Dann weiß sie, es wird gut. Die Grundlinien näht Dina nach, um sich in den großen Formaten nicht zu verlieren. Dann beginnt der Prozess des freien Stickens. Immer wieder spannt sie zwischendrin ihre Werke auf, um sie aus der Entfernung zur Gänze zu erfassen und zu kontrollieren.




Wenn sie an der Maschine sitzt, dann sieht das eigentlich ganz leicht aus. Das probiere ich doch auch einmal, dachte ich mir und habe mal ein bisschen nachgefragt.
Dina benutzt einen klassischen Stickfuß, gern einen aus Plastik, weil der durchsichtig ist. Der Stofftransporteur der Maschine muss versenkt sein. Während die Künstlerin mit der rechten Hand frei den Stoff bewegt, hebt sie mit der linken den Fuß etwas an. Und dann kanns losgehen. (Ich weiß, dass es nicht so sein wird, so beschwingt und locker, vielleicht habe ich es darum doch noch nicht probiert, ;-))





Wenn Dina Rautenberg die Arbeiten für ihre Ausstellungen beendet hat, dann wird sie wieder private Aufträge annehmen. Dann wird sie Firmen, Praxen oder Wohnungen besuchen und gemeinsam mit dem Auftraggeber ein passendes Motiv in einem passenden Format und der entsprechenden Farbigkeit für den jeweiligen Ort entwickeln.



Eine Auswahl Dina Rautenbergs Arbeiten findet man auf ihrer homepage www.dinaeht.de.



Einfach schön, finde ich in ihrem Atelier auch die Stifthalter an der Wand, die selber fast Kunst sind und nicht nur ungemein praktisch. Solche Details zu entdecken, macht auch die Freude aus, einen Künstler in seinem Umfeld besuchen zu dürfen. Danke schön!
Außerdem freue ich mich natürlich sehr, dass Dina für den Eintagsladen #4 zugesagt hat.



Weitere Ateliergeschichten findest Du hier.

1 Kommentar:

  1. Danke für diese wunderbare Vorstellung. Mein Textilkunstherz schlägt jetzt höher. Liebe Grüße, éva

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