Montag, 4. April 2011

gegenseitige Verstärkung


Manch Erkenntnis ist nicht neu, wahrscheinlich könnte ich sogar schreiben, zumeist ist sie nicht neu. Aber so philosophisch soll es an diesem verregneten Montag gar nicht sein.
Heute wollte ich von sich verstärkenden, überraschenden Gegensätzen erzählen, die die Dinge besonders machen.

Irgendwann am Samstag stand ein Mann an unserem Flohmarktstand und betrachtete ganz interessiert ein relativ unspektakuläres Servierschüsselchen aus Glas, das man durchaus als spießig hätte bezeichnen können und das seinen Weg über eine Kiefernanrichte im Wohnzimmer der älteren Verwandtschaft in unsere Flohmarktkisten fand. An sich nichts Erwähnenswertes. Der Mann war etwa 65 Jahre alt und damit genau in dem Alter, um seiner Frau ein nettes Pressglasobjekt aus den 30er Jahren mit heim zu bringen.
Interessant aber war das Erscheinungsbild des älteren Herren. Er trug eine schwer vernietete schwarze Kluft, die beim Gehen metallene Geräusche machte. Er trug auch im Gesicht sehr viel Metall, sein schütteres Haar war mit viel Mühe als der liebevolle Versuch eines Irokesen zu erkennen, freiliegende Hautstücke zeigten Tätowierungen.
Wahrscheinlich hätte ich mich nach ihm umgedreht, vielleicht hätte ich gedacht, na, so was und das in dem Alter und wer weiß, wie lange er an diesem ganzen Metall noch schleppen würde können, wird ja alles immer beschwerlicher, je älter man wird. Aber das wäre es wohl gewesen.
Dass ich heute von ihm schreibe, ist dem Bild geschuldet, dass er mir schenkte, als er sich interessiert in das gepresste Blumenmuster der spießigen, seinem Alter entsprechenden Glasschüssel versenkte.
Dieser Gegensatz war es, der die Situation und damit das Erscheinungsbild des Mannes wirklich interessant machte.

Auch und immer wieder schön ist der Gegensatz von Kunst und der gemeinhin noch immer als spießig wahrgenommenen Handarbeit wie Häkeln oder Stricken - trotz der crochet and knitting guerillas, die gestern der ARD Sendung ttt endlich auch einmal einen Bericht wert waren, allerdings so niedlich und auch ein bisschen albern, dass es eher wie ein Flohhüsteln anmutete und darum, meiner Meinung nach am Thema vorbei schrammte.

Kein unauffälliges Insektenhüsteln sind die atemraubenden Häkelarbeiten von Shauna Richardson - die sind nicht nur lebensgroß, sondern auch an ungewöhnlichen Orten positioniert und darum einzigartig.









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