Montag, 21. November 2011

Ateliergeschichten - Anna aus Finnland



Als ich Anna in ihrem kleinen Häuschen besuchte, das sie gemeinsam mit Oskar Waild bewohnt, war es Abend. Das hatte einen Vor- und einen Nachteil. Einfach einmalig war der überbordende Abendbrottisch, an dem wir uns zum Gespräch niederließen. Zum Fotografieren war es allerdings zu dunkel. Andererseits ist Anna Finnin. In Finnland ist es oft dunkel und kalt, weiß die Redakteurin. Und erklärt sich so die Bilder schön.



Eigentlich hätten wir uns auch irgendwo treffen können, denn Anna erklärt einfach die ganze Welt zu ihrem Atelier, in dem sie überall die Häkelnadeln klappern lässt, um farbenfrohe Mützen für ihr Label PIPOyourlife! zu häkeln.



Die kleine Anna, die, ohne es zu wissen schon ein erweitertes PIPO Modell trug (siehe das Bild ganz oben), wuchs in Finnland auf. Natürlich lässt das die Redakteurin sofort an Skandinavische Einrichtungs- und Bastelbücher denken.



"Nein", sagt Anna, "ich habe vor PIPO nur etwas gestrickt und genäht. Schals und Mützen und Socken und Pullover. So wie jede normale Frau eben." (Aha, denkt die Redakteurin und auch, dass sie noch niemals ein paar Socken gestrickt hat. Einen Pulli schon, okay zwei, der eine wog 15 kg und wurde vom Beschenkten nie getragen, der andere liegt in Einzelteilen noch immer unter dem Bett - das nur mal so am Rande.) "Vielleicht erinnert das aber mein Sohn etwas anders, der ja die Sachen alle tragen musste", fügt Frau Lähdesmäki noch hinzu und lächelt.



Klein-Anna und ihre Schwester besuchten sehr gern die Großeltern. Oma 1 war Modistin und bastelte mit ihnen kleine Biegepüppchen und Pompontierchen. Oma 2 war Schneiderin und mit Opa verheiratet, der mit den Kindern aus allerlei Materialien die ganzen Sommer über Traumlandschaften baute. (Die Redakteurin muss schon wieder an Skandinavische Bastelbücher denken.)



Doch die große Anna, entschloss sich zu einem Architekturstudium. Das empfahl ihr die Schullehrerin, weil sie Annas Zeichnungen bewunderte, außerdem hat Architektur auch etwas mit Statik zu tun, und Anna rechnet sehr gern. So verschlug es sie ins Heimatstädtchen. Letztendlich entschloss sie sich jedoch, ausschließlich ihrer Liebe für Zahlen nachzugehen und übernahm die Buchhaltung eines großen Kulturbetriebes.



Und dann trat PIPO in ihr Leben. Und das in Form einer Mütze, die sie irgendwo sah. "Es war ein herrlich unseriöses Modell, etwas clownesk, aber nicht albern." Anna kaufte sich Wolle und begann diese Mütze aus der Erinnerung heraus nachzuempfinden. Das tat sie beim ersten "Bierhäkeln", das vom Kulturverein "das zucker" initiiert worden war.



"Ich mag keine Projekte, die ewig dauern. Ich möchte eine genaue Übersicht, wann etwas fertig ist. Darum wollte ich letztendlich auch keine Architektin werden."
Zum Ende der trinkfreudigen Veranstaltung hatte Anna die erste PIPO fertiggestellt, die sicher nur noch wenig mit der Inspirationsquelle zu tun hatte, die aber ein Beginn war. PIPO heißt übrigens auf finnisch Mützchen.



Anna mag keine künstlichen Fasern. Darum verhäkelt sie nur Merino-Wolle.
Inzwischen weiß sie ganz genau, welche Wollstärke und Wollart sich zu welcher Form verarbeiten lässt. Das hat sie alles ausprobiert, berechnet und herausgefunden. Vielleicht hat das ja etwas mit ihrer Affinität zur Mathematik zu tun, denke ich und erinnere eine Situation, da eine gemeinsame Freundin wage eine Mütze beschrieb, die sie gern hätte und Anna ihr diese Mütze zwei Stunden später in die Hand drückte.



"Nach Anleitungen kann ich überhaupt gar nicht arbeiten. Darin finde ich mich nicht zurecht und müsste jede Zeile, die ich schon gehäkelt habe, durchstreichen", sagt Anna.
Annas Mützen sind unverwechselbar. Darum ist es auch gar nicht nötig nach einer Anleitung zu arbeiten.



Annas Mützen tragen lustige große Bommeln und sind froh und fröhlich in den Farben. Die Farbzusammenstellung darf man sich aussuchen. Endlich wird es draußen kalt. Mal sehen, wie viele PIPOs ich diesen Winter durchs Heimatstädtchen wippen sehen werde.
Wer noch keine hat: Anna wird am Dreitageladen dabei sein.




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