Mittwoch, 28. Dezember 2011

Das dunkelste Museum der Welt


Wenn man sich die Totalinstallation eines Künstlers anschaut, der seit dem Jahr 2004 jeden Tag mindestens eine Kohlezeichnung fertigstellt, wenn man also 13 Serien mit 660 Zeichnungen betrachtet, dann beginnt man über Leidenschaft und über Fleiß, und ja, auch ein bisschen über Besessenheit nachzudenken. So geschehen gestern auf der Mathildenhöhe des Heimatstädtchens in der Ausstellung "The Darkest Museum In The World" des niederländischen Künstlers Marcel van Eeden.



Einfach unglaublich und unfassbar, im wahrsten Sinne des Wortes.
Herr van Eeden ist ein Geschichtenerzähler. Er wollte mal Schriftsteller werden. Man spürt es. Er benutzt für seine Geschichten ausschließlich Vorlagen aus den Jahren vor seiner Geburt (1965). Komplette Freiheit hätte ihn nur gelähmt, sagt er. Außerdem verwendet er sehr viel Schwarz, nur einige wenige Farbsprenkel. Das ist praktischer auf Reisen, sagt er, und auch das kleine Format ergibt sich dadurch. Viele Worte verwendet er ebenfalls, ganze Textpassagen, willkürlich in seine Zeichnungen eingefügt, grafisch sehr ansprechend, jedoch verwirrend zusammenhanglos und damit Katalysator für zufällige weitere, ganz persönliche Erzählstränge in der großen Geschichte des Künstlers. Deren Protagonisten sind derer vier. Sie begleiten einen vom ersten bis zum letzten Bild.



Die Ausstellung macht Spaß, die Ausstellung strengt an. Und sie lässt einen das Stringente im eigenen Inneren verfluchen, denn man muss loslassen können – die Suche nach Logik oder einer Chronologie erschöpft nur. Irgendwann ließ ich mich von "meinen" Zeichnungen fangen und ließ die anderen sausen. Trotzdem immer wieder Serien, die zum Schmunzeln und laut vorlesen animierten.
Sehr schön.



Am beeindruckendsten natürlich der stockdunkle Raum "The Occultist", in dem nur punktuell Zeichnungen, auf denen sich beispielsweise gerade ein Geist formt, von schwächlichst glimmenden Leuchten angefunzelt werden. Eine Dame mit Taschenlampe bot sich zum Geleit. Ich lehnte ab und holte mir einen Beule.



Die finale Serie huldigt dem Heimatstädtchen.


Dem Söhnchen gefielen die Kino-Installation mit einem tanzenden Kotelett und ein riesiges Videospiel am besten. Das Töchterchen möchte wieder mehr zeichnen.
Vielleicht gehe ich noch einmal alleine. Bis 19. Februar 2012 wäre dafür noch Zeit.

Also, zweiter Vorsatz für das neue Jahr
– LEIDENSCHAFT UND FLEISS, BEI DEN DINGEN UND FÜR DIE DINGE, DIE ICH TUE.

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