Mittwoch, 12. Dezember 2012

Zum Wegwerfen zu schade!


Vor etwa zwei Wochen fand ich auf der Straße einige Äste, die jemand von einer dort stehenden großen Magnolie gerissen hatte. Ich hob sie auf, nahm sie mit nach hause und stellte sie in eine Vase. Die Äste bildeten kleine Blüten, die sich seit gestern zu öffnen beginnen. Ich liebe Magnolien und freue mich über die "Belohnung" für mein bewahrendes Verhalten.


Ich denke, Bewahren ist eine Tugend, die heute nicht mehr von all zu vielen geschätzt wird. Aber vielleicht kann man in Zeiten, in denen eine geplante Obsoleszenz (hier gibt es einen tollen arte-Bericht zur Entstehung) die Norm ist, nicht mehr viel erwarten?
In der Ausstellung "D.I.Y. – die Mitmach-Revolution" entdeckte ich im letzten Sommer einige interessante Objekte, die mich sehr berührten. Das waren Weingläser mit Holzfüßen oder ein Nadelkissen aus dem Gewindeabschluss einer Volksgasmaske – Dinge, die in der Not entstanden waren aus Sachen, die man noch vorfand. Alles war kostbar.


Einfach schön, berührend und charmant finde ich auch das alte, geflickte Porzellan, das Andrew Baseman auf seinem Blog "Past ImPerfect – the Art of Inventive Repair" vorstellt.


Wenn einem Dinge kostbar sind, dann bewahrt und repariert man sie auch. 
Aber wie kann man Kostbarkeit vermitteln, wenn alles zum Wegschmeißen konzipiert scheint? Wenn alles nichts kostet und man dazu animiert wird, eher das Neue zu kaufen, denn das Alte zu reparieren? So geschehen erst vorgestern im Fotoladen, in dem man dem Töchterchen erklärte, es lohne nicht, die "alte" (Weihnachten 2011) Digitalkamera zu reparieren (einige Sandkörner waren in den Verschluss geraten), da der Nachfolger doch viel toller und kaum teurer als die Reparatur sei. Na dann, hinfort mit dem ollen Ding in den Entmaterialisierer, oder was?


Mich stimmt das sehr nachdenklich und, ja, auch traurig. 
Unabhängig vom Fatalen, das wir mit diesem Wegwerfverhalten dem Planeten antun und das uns unsere Nachkommen ganz sicher niemals verzeihen werden, birgt das Ganze eine weitere Traurigkeit: Wenn man nichts in seiner Umgebung als kostbar empfindet, dann kann man sich doch selber auch nicht kostbar sein! Warum sollte man sich denn sonst mit seelenlosem "Schrott" zumüllen?
Krachen unsere Wohnungen nicht samt und sonders aus allen Nähten?
Besitzen wir nicht genug Zeug?
Wie wäre es stattdessen mit etwas Kostbarem? Etwas Zeit zum Beispiel? Oder, dass man endlich den alten Teddy, das Spielzeugauto, den Lieblingspulli repariert oder die Schüssel mit dem Sprung wieder klebt? Das dürft Ihr ruhig metaphorisch verstehen, ;-).
Vielleicht einmal einen Gedanken vor der Weihnacht wert, oder?

Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen. Toll,wie liebevoll Du über das Thema geschrieben hast. Und außerdem, Deine Magnolie ist traumhaft.

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  2. Liebe Antje, schön, dieses geflickte Porzellan. Es erinnert mich an diese japanische Art, Porzellan mit Gold so zu flicken, dass die Sprünge betont werden. Was wäre das Leben ohne Risse und Brüche? Ich liebe es, aus Altem Neues zu machen. Darum versuche ich in meiner Arbeit auch möglichst nichts anderes zu verwenden, als Altmaterial. Viele Grüße
    Lisa
    http://strohzugoldlisa.blogspot.de/

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