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Sonntag, 15. Mai 2016

Die Mutter-Kolumne – Ab ins Bett!

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?


„Dass du noch lebst!“, staunte ein Nachbar, ob des eigenwilligen Schlafrhythmus meines 8-Monats-Töchterchens – etliche 15-Minuten-Perioden verteilt über 24 Stunden, die mir selbst keine Zeit ließen, ins Bett zu sinken. Dabei vollzog ich mit der Kleinen Schlafrituale und angelesene herzzerreissende Experimente. Nichts half. Sie wurde erst vom Jetlag gebrochen – ein Flug nach Sydney und die Sache war geritzt. Es lief eine Weile gut. 

Doch einige Jahre später schmetterte die inzwischen auf zwei angewachsene Kinderschar: „Wie so ins Bett? Du bist auch noch wach!“
„Keine Widerrede! Ihr braucht euren Schlaf“, verkündete ich und läutete das allabendliche Procedere ein. Es wurde gespeist, gebadet, massiert und eine Geschichte serviert, eine ausgedachte wohl bemerkt. Doch wenn ich mich danach fortschlich, warfen mir die Kleinen böse Blicke nach, während ich mir vor Erschöpfung nur mehr gedanklich die Haare raufen konnte. Das lief alles verkehrt. Dabei hätte ich die Abendstunden dringend gebraucht, um Frau und Mensch zu sein oder wenigstens in Ruhe ins Bad zu gehen. Aber vor allem hätten die Kinder gesund schlafend wachsen sollen – innen und außen.

„Lass sie doch, sie werden schon alleine müde“, sagte eine kinderlose Freundin.
Was wusste sie denn schon! Eine gute Mutter muss für ausreichend Schlaf sorgen.

Einmal saß ich in Malaga auf einem Platz. Meine Kinder verbrachten die Tage bei den Großeltern mit basteln, wandern, gesundem Essen und viel Schlaf. Um mich herum tobte das Leben. Erwachsene tranken Wein, palaverten und lachten. Kinder jeden Alters rannten herum, spielten und kreischten vor Lust. Es war ein Uhr nachts.
„Meinst du, die werden alle groß und stark?“, fragte ich erschüttert meine Reisebegleitung.
Sie sah mich an, als zweifelte sie an meinem Verstand. Nun, vielleicht hatte der wirklich etwas gelitten in den Jahren des Zubettbringkampfes. Aber gab es tatsächlich eine andere Möglichkeit? Konnte es sein, dass Kinder ihren eigenen Rhythmus finden? Was wäre, wenn der gegen den des gesellschaftlichen Lebens, sprich Kindergarten- und Schulbeginn, lief?

Wie so oft kam mir der Zufall zu Hilfe. Ich musste über Nacht fortbleiben und fand keinen Babysitter. Den hätten die 12- und der 9-Jährige zwar nicht mehr gebraucht, aber ich. Alle Telefone waren auf Notruf programmiert, Großeltern und Nachbarn wussten bescheid, die Kinder hatten genaue Instruktionen.
„Pünktlich um halb acht geht ihr ins Bett“, sagte ich bestimmt das zehnte Mal.
„Mama! Das hast du hundert Mal gesagt. Wir sind doch keine Babies mehr!“, sprach der Sohn genervt.
Mit klopfenden Herzen schloss ich anderntags die Wohnungstür auf. Fröhlich begrüßten mich die Kleinen.
„Hat alles gut geklappt?“, fragte ich und sah mich unauffällig nach Spuren der Verwüstung um.
„Klar“, sagte meine Tochter. „Wir waren um sieben im Bett.“
„Warum denn so früh?“, rief ich überrascht.
„Wir waren müde“, sagte das Söhnchen. „Wenn man müde ist, geht man zu Bett.“

Ich glaube, ich begann zu weinen. Ob vor Erleichterung oder Enttäuschung kann ich heute nicht mehr sagen.

Samstag, 2. April 2016

Weil ich ein Mädchen bin – eine kleine Buchbesprechung

Als ich 13 Jahre alt war, las ich sehr gerne Ratgeber für Mädchen und junge Frauen. Überraschenderweise solche, die für eine ganz andere Mädchengeneration geschrieben worden waren. Es gefiel mir, die morgendliche Gymnastik am offenen Fenster zu turnen, mir ein Haarband zu knoten und mein Gesicht mit einer einfachen Feuchtigkeitscreme zu verwöhnen, meine Kleidung zuhause in eine gepflegt gemütliche (Jogginghose) zu tauschen, um die gute zu schonen, sonntags einen Kuchen zu backen und die Freundinnen (die ich nicht hatte, nur eine, die aber so weit weg wohnte, dass sie sonntags nicht einfach so hätte vorbeikommen können) zu einem Plauderstündchen einzuladen. Das waren alles Tipps aus den Büchern für Mädchen der 50er Jahre. Warum gefiel mir so etwas? Vielleicht war das so etwas wie Sehnsucht nach Ruhe, Geordnetem und Normalität in einer Zeit, die bis zur totalen Erschöpfung aufregte? 

Bis kurz davor las ich wilde Abenteuerromane und Capote, zeitgleich lieh ich mir heimlich schundige Mysterie- und Denise-Heftchen von meiner Freundin aus, mit 14 versank ich dann in Francoise Sagan und Balzac und hatte meinen ersten, 6 Jahre älteren Freund. 

Dieses eine Jahr war also mein Mädchenjahr und vielleicht gab es damals keine adäquaten Mädchenbücher, die Zeitschrift Mädchen flatterte hin und wieder vorbei, ich flüchtete in Nostalgie, las Schundhefte und schrieb mir die Qual der Pubertät aus der Seele ins Tagebuch. 


Wenn man all diese Versatzstücke zusammennimmt (Tipps für die Gesund- und Schönheit / kleine Rezepte / Freundinnengeschichten / erste Liebe, erster Kuss und erster Sex / quälende Gefühle, große Fragen und wilde Gedanken), wenn man diese wunderbar aufregende Mixtur ergänzt mit den Erkenntnissen, Erfahrungen und dem Wissen, das uns heute, 32 Jahre später zur Verfügung steht, das Ganze noch abschmeckt mit Zeitgeist und Emanzipation, dann erhält man Ilona Einwohlts neuen Mädchenratgeber „Weil ich ein Mädchen bin“ (Sauerländer). 
Ein fröhlich gestaltetes Buch für den Beginn der Zeit zwischen Kind und Frau, das über vieles Bescheid weiß und erste Fragen beantwortet, das Mut und gute Laune macht, das rät und tröstet, vor allem aber zur Achtsamkeit sich selbst gegenüber gemahnt und entsprechende Übungen parat hält. Wahrscheinlich hätte ich das Buch geliebt, vielleicht schon etwas eher, etwa mit 11 bis 12 Jahren.

Dienstag, 22. März 2016

Die Mutter-Kolumne – Kinder brauchen ihre eigene Kinderkultur ... ähm, wirklich?

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?


Man kennt das: Ständig werden allerlei kulturelle Veranstaltungen in den Kalender eingetragen: Konzerte, Theater, Lesungen, Ausstellungen – jedoch nicht als romantische Dates, sondern als unterhaltende aber vor allem geistfördernde Kulturevents für die Kleinen. Kinderkonzert mit Ralf und seiner Gitarre, das Lilliput-Theater spielt "Wir tanzen auf dem Tisch", Bilderbuchkino mit Frau Ulla aus der Stadtbücherei, Mitmachkunst aus Pappenheim. Zu diesen Terminen geht man en famille auch hin, jedenfalls eher als zu zweit zu Glasperlenspiel in die Centralstation, obwohl man sich das fest vorgenommen hatte. Denn Kinder brauchen diese ihre eigene auf sie zugeschnittene Kultur. Zudem ist das Zeitfenster sehr gering, es bleiben acht kurze Jahre und die müssen genutzt werden. Oder? 

„Das ist langweilig“, raunte mein Söhnchen damals, als wir auf Sitzkissen kauernd einem Barden lauschten, der seine Textchen mit gezupften Gitarrenakkorden begleitete. 
Spätestens als er uns bat mitzusingen, verschwanden wir klammheimlich. Beinahe klammheimlich, denn ich stolperte über eines der Sitzkissen und unterbrach so ungestüm den lauschigen Moment.
„Das beste war, als Mama hingeflogen ist“, erzählte der Spross von jenem Konzert. 
Das kann nicht in der Absicht des Musikers gelegen haben.

Einmal begleitete uns mein Vater auf ein Kinderkonzert. Er hing neben mir auf dem Stuhl, die Augen halb geschlossen. Dann kam das erste Mitmachlied. Die beiden langhaarigen Eltern vor uns sprangen wie von der Tarantel gestochen auf und fuchtelten begeistert nach Anleitung mit den Armen, gingen in die Knie und hüpften hoch. Von dem Moment an machte uns das Ganze Spaß. 
Meinen Kindern leider nicht, die saßen vorne und starrten verwundert auf die kreischende und fuchtelnde Musikantentruppe.

Wir besuchten auch Kindertheateraufführungen. Solange meine Kinder dachten, auf der Bühne stünden tatsächlich Ernie und Bert, die für sie sangen, war alles wunderbar. Doch mit vier Jahren erkannten sie die Wahrheit.
„Da sind Erwachsene drunter, die spielen nur“, stellte das Töchterchen fest. „Denken die, ich bin doof und merke das nicht?“
Während die begleitenden Eltern Spaß zu haben schienen, gähnten die Kleinen und mein Sohn flüsterte, so dass es auch alle anderen gut hören konnten: „Die Frau in dem hässlichen Kostüm hat eine komische Stimme.“

Zur selben Zeit tobten meine Sprösschen kopf- und rumpfschüttelnd zu meinen alten Nirvana-Platten durch die Bude, sangen Bowies Major Tom mit, verharrten regungslos und mit vor Faszination geöffnetem Schnütchen vor Impro-Thetargruppen in der Innenstadt und besprachen wochenlang die Installationen von Edward Kienholz, die sie in der Kunsthalle gesehen hatten.
„Kultur für Kinder wird eben von Erwachsenen gemacht, die sich vorstellen, was Kindern gefällt“, sagte ich zu meinem Vater. „So gefällt sie letztendlich den Eltern, wie damals beim Konzert dem Paar vor uns.“ 
Er grinste. „Mit denen hatte ich mich noch unterhalten. Sie waren gar kein Paar und hatten auch keine Kinder. Das waren Sozialpädagogen.“
In dem Moment kam mein Töchterchen um die Ecke, schrappte auf ihrer Luftgitarre und grölte: „Here we are now, entertain us!“
Mein Vater schaute mich sehr nachdenklich an. Allen kann man es eben nie recht machen. Doch auch das ist ja ein Aspekt von Kunst und Kultur.

Dienstag, 12. Januar 2016

Die Mutter-Kolumne – Täglich frische Luft?

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?


Manche behaupten ja, es gäbe kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung. Solche Leute tragen gerne Goretexjacken, Fleecemützen und robuste, wasserundurchlässige Schuhe mit wärmenden Filzeinlagen, die man nur im Internet oder in speziellen Outdoor-Läden bekommt.

Dass ich noch nie eine derartige Allwetterbekleidung besaß, liegt nicht daran, dass ich sie unkleidsam und farblich zumeist etwas fragwürdig finde. Ich besuche auch hin und wieder diese oft etwas streng riechenden Läden, kaufe beispielsweise Gaskartuschen für den Campingkocher und betrachte staunend, was man alles zu brauchen scheint, wenn man sich mal ins Freie wagt. Nein, es liegt daran, dass diese Funktionskleidung erstens sehr teuer ist und ich zweitens bei Regen, Hagel und Sturm einfach nicht so gerne rausgehe. Daran änderten auch die Geburten meiner Kinder nichts.

Ich höre das empörte Luftschnappen der Guten und bin mir der Schwere meiner Schuld durchaus bewusst. Ich weiß sehr wohl, dass Kinder täglich und ohne Rücksicht auf die Wetterlage an die frische Luft gehören. Und natürlich führte dieser Umstand immer wieder zu einem enormen inneren Konflikt. Nicht nur mit meinem schlechten Gewissen, sondern auch mit meinen Eltern. Sie schoben jedes tropfende Näschen, jedes tränende Äuglein und jedes kleine Hüstelchen auf die Pimpelhaftigkeit meiner Kinder, ausgelöst durch den nachweislich von mir verursachten Mangel an frischer Luft. Diesen Nachweiß erbrachte ein Hauttoncheck, den mein lieber Herr Papa mit einem Stück weißen Karton durchführte. Ehrlich gesagt, konnte ich ihn dessen nie tatsächlich überführen, bin mir aber sehr sicher, dass er stattfand. Es könnte natürlich auch sein, dass großelterlicherseits einfach per se behauptet wurde, meine Kinder seien bei schlechtem Wetter zu selten draußen. Immerhin wussten meine Eltern ja, dass ich mich dort nicht so gerne aufhielt, wenn es ungemütlich aussah. Übrigens genauso wie meine Kinder. Das muss genetisch und oder ererbt sein. Wenn es vor den Fenstern stürmte und pladderte, machten wir es uns dahinter lieber geschichtenlesend auf dem Sofa gemütlich. Je nach Lage manchmal tagelang und meist im Schlafanzug. 
Doch wir waren nicht dumm.

„Kinder, Omi und Opo holen euch gleich fürs Wochenende zu sich. Wir müssen mal raus“, sagte ich in solchen Momenten.
„Auweia, das gibt bestimmt Ärger“, sagte das Töchterchen.
„Genau, weil wir so weiß sind wie Bettlaken“, tönte das Söhnchen heiser und etwas hüstelnd.

Die Situation war ausreichend anlysiert. Aber draußen regnete es noch immer. Es galt, Plan B umzusetzen. Also standen wir auf, zogen unsere Jacken an, setzten Mützen auf, banden Schals um, schlüpften in Gummistiefel und stellten uns auf den Balkon, die Gesichter dem grauen Himmel entgegengereckt. Der Wind rötete unsere Wangen und wenn wir uns ein bisschen verbogen, konnten wir beim Nachbarn im Haus ums Eck mit Fernseher gucken. Wir verbrachten die Zeit damit, das von Ferne Gesehene zu synchronisieren.

„Mützen ab!“, sagte ich nach einer Weile.
„Genau, wegen dem Vitamin D“, erklärte das Söhnchen. 
Wir wussten bescheid.

Als wir glaubten, genug davon gebildet zu haben, gingen wir hinein und machten es uns mit großen Tassen heißer Schokolade wieder auf dem Sofa gemütlich.
Trotzdem nagte natürlich das schlechte Gewissen an mir.

„Mach dir keine Sorgen, Mama“, tröstete das Töchterchen. „Bei Omi und Opo müssen wir sowieso ganz viel wandern.“

Da war ich auf einmal sehr froh, dass meine Eltern Goretexjacken tragen und auch welche für die Kinder gekauft hatten.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Der superbesondere Ort – Völklinger Hütte mit Urban Art

Vorgestern kam ich ganz ergriffen aus dem Kino. Wir hatten den "Marsianer" gesehen und ich wollte mal wieder sofort los, Welten entdecken oder meinetwegen auch Orte auf der unseren. Mir liegt das im Blut, in den Genen, im Herzen oder wo auch immer so etwas herkommt. (Einst dachte ich ja, das wäre etwas sehr menschliches, in uns allen verankertes, heute habe ich verstanden, dass die meisten lieber Fernsehen gucken oder am Computer sitzen. Das ist sehr sehr seltsam). Lesen ist ein wunderbarer Weg, neue Orte zu entdecken, Reisen der noch bessere. Manchmal genügt sogar ein Tag.

Wir besuchten das Unesco Weltkulturerbe Völklingler Hütte. Das ist sowieso eine Reise wert, ach, was sage ich, es ist einer der magischsten Orte, die ich je sah. Momentan und noch bis zum 15. November findet dort die Urban Art Biennale 2015 statt. Besser geht es nicht.

Die Hütte wurde 1873 als Stahlwerk errichtet und gute 110 Jahre später wieder stillgelegt, heute ist sie zum Glück für uns alle Museum mit 7 km langen Wegen durch rostigen Stahl und unheimliche Hallen, zwischen Industrieruinen hindurch, unter und auf Eisenbasiliken entlang und hinauf und mitten ins Paradies hinein. Durch einen unglaublich tollen Zufall (vielleicht der Zeitpunkt am Vormittag unter der Woche?) waren wir ganz allein dort und tiefe Nebel hingen zwischen den Hochöfen. Ich lief den ganzen Weg quasi auf Zehenspitzen vor atemloser Ergriffenheit. Dazwischen dann die Kunst. Mehr geht nicht.

Doch. Mein 14-jähriger Sohn, der sich in diesem Alter befindet, da man ihn schwer begeistern kann, meinte, der Ort sei sehr sehr cool. Noch cooler wäre er allerdings gewesen, wenn wir ihn zufällig mitten im Wald gefunden hätten. Nun ja ...

















Montag, 26. Oktober 2015

Nur noch kurz eine Niesnuschel finden – zwei wunderbare Kinderbücher von Jörg Mühle


Ich möchte Euch heute von ganzem Herzen zwei Bücher empfehlen, die einfach wunderbar sind. Ich entdeckte sie bei den Laborproben, der jährlichen Ausstellung der Frankfurter Illustratoren zur Buchmesse.: 
Jörg Mühle / Nur noch kurz die Ohren kraulen (Moritz Verlag) 
sowie 
Jörg Mühle und Moni Port / Was liegt am Strand und redet undeutlich (Klett Verlag)
Es sind zwei Mitmachbücher, das erste für Kinder ab 3 Jahren und das zweite für Kinder ab 5 bis 99 Jahren.


Alle, die Kinder haben, wissen, dass es ein abendliches Ritual braucht, um die Kleinen ins Bettchen zu bewegen und wie fein Mitmachbücher funktionieren. Beide Hasenkinder (das eigene und das Häschen im Buch) sind also gebadet und im Schlafanzug und nun darf Hasenkind 1 (das eigene) Hasenkind 2 (das im Buch) ins Bettechen bringen. Das Kissen muss noch aufgeschüttelt werden, die Decke ausgebreitet, ein Küsschen gegeben und kurz die Ohren gekrault werden. Erst wenn all das getan ist, können beide Hasenkinder beruhigt einschlafen.


Alle, die Kinder haben, wissen, mit wie viel Freude diese dichten und Wortquatsch machen. Das zweite Buch animiert dazu und lässt einen lauthals lachen. Was liegt am Strand und redet undeutlich? Eine Nuschel. Was hüpft von Baum zu Baum und hat Unsinn im Kopf? Ein Streichhörnchen. Was ist braun und sitzt hinter Gittern? Eine Knastanie. Toll, oder? So geht es Seite für Seite. Natürlich muss man die Antwort zuhalten (sie steht zwar auf dem Kopf, aber man kann das natürlich trotzdem lesen) und anhand der Frage und der Illustration selbst antworten. Ein großer Spaß! Ist die letzte Seite umgeschlagen, macht man einfach selber weiter. Was hat einen Höcker und macht Krach? Ein Trommeldar (erfunden von Tilda).

Donnerstag, 5. Juni 2014

Wandertag – oder: The secret knowlegde of the nature wariors – level 1

Na, wunderbar. Die dritte Mittwochs-Kolumne erscheint also bereits am Donnerstag. Tja, so ist das bei einer selbstständigen Autorin: Die hat einfach das Gefühl für die Wochentage verloren. Nichts desto trotz folgt hier ein Text, der ganz wunderbar zu freien Sonnentagen passt und im letzten Jahr im Fratz Magazin erschien.

Ein ganzes Album meiner Fotografien von der Wiese, findet Ihr hier.


Wandertag
während diese Ankündigung in der Schule zu Jubel führt, erntete ich im Zuhause nur einen mitleidigen Blick. Aber: Wandern ist gesund für Leib und Seele. Besonders für Comicleser und Computernerds. Außerdem kann man dabei entspannt die heimische Pflanzenwelt kennenlernen. Ich wollte mich nicht beirren lassen. Schon gar nicht von einem voller Unlust gezogenen Flunsch.
„Es gibt eine tolle Überraschung. Wir werden großen Spaß haben“, versprach ich.
„Wobei werden wir Spaß haben?“, fragte das heimkehrende Töchterchen.
„Wir müssen morgen wandern“, antwortete ihr Bruder. „Echt, ey! Wandern und Spaß ist ein Paradoxon.“
Ich freute ich mich über die – wahrscheinlich vererbte – Eloquenz des Söhnchens.

Am Abend vor dem großen Tag wälzte ich verschiedene Werke – den alten Schmeil aus meiner Schulzeit, einen Kosmos-Natur-Führer und das große Pfadfinderbuch. Mir war klar, allein mit einem fulminanten Picknick konnte ich mein Versprechen nicht einlösen. Darum bereitete ich ein Waldquiz vor: Bäume sollten benannt, Kräuter gesammelt, Tierlosung erkannt, eine Wetterprognose anhand des Wolkenbildes erstellt und die Himmelsrichtungen bestimmt werden. Das Übliche eben. Als ich selbst über alles bescheid wusste, legte ich mich zufrieden ins Bett. Ich beschloss, das Ganze nicht Waldquiz sondern The secret knowlegde of the nature wariors – level 1 zu nennen.

Darüber hatte ich ganz vergessen, eine Wanderstrecke rauszusuchen. Nun denn, ein netter Weg, der an einem Bächlein entlang mäandern, unter schattigen Baumkronen führen und blühende Wiesen kreuzen würde, fände sich sicherlich auch so. Zu unwegsam durfte er jedoch nicht sein, die Wanderschuhe des Söhnchens passten nicht mehr und das Töchterchen hatte gar keine.

Ich wollte mir die Laune nicht verderben lassen und schleppte meinen mit Proviant, Picknickdecke, Regenzeug, Fernglas und Quizutensilien vollgestopften Rucksack, mit dem ich normalerweise auf Fernreisen gehe, ins Auto. Dann setzte ich die muffelnden Kinder dazu. Der Morgen war nicht mehr ganz so früh, wie ich geplant hatte, eigentlich war es schon früher Nachmittag. Darum fuhr ich auch nicht so weit. Wir wollten ja in die Natur.

Die Wiese unter unserer Picknickdecke blühte, Bienchen summten, ein Bächlein murmelte und die Sonne lachte. Wir aßen Brote und sogar die Karotten- und Apfelschnitzen, wir lagen auf dem Rücken und guckten in die Wolken.
„Die sieht aus wie der Kopf einer Mantis“, murmelte das Söhnchen verträumt.
„Schau mal, die coole Dragon Fly“, sagte das Töchterchen. Wir schauten der schillernden Libelle nach. „Hey, wie ist denn die Sequoia hierher gekommen?“
„Vielleicht gab es hier mal ein Arboretum“, mutmaßte das Söhnchen.

Zum Glück fragte keiner nach der tollen Überraschung. Ich hatte die Quizfragen sowieso vergessen.
„Mamaschka, erzähl mal eine Geschichte. Irgendwas Lustiges aus der Zeit als du klein warst.“
Wir kuschelten uns zusammen. Eine Sommerböe spielte mit unseren Haaren. Ich erzählte. 
Das nächste Mal wandern wir bestimmt. 

Wer wissen möchte, wie man die Ruhe bewahrt, kann die Kolumne von letzter Woche lesen.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Zwei tolle Bücher für Jungs und Superhelden


Heute möchte ich Euch zwei tolle Bücher für Jungs zwischen 8 und 10 Jahren vorstellen. Sie werden  bei der eher lesemufflige Zielgruppe auf alle Fälle Freude hervorrufen und wären prima Weihnachtsgeschenke.

1. Allein unter Superhelden von Heiko Wolz


Eigentlich träumen Jungs ja davon, ein Superheld zu sein. Bei Leon ist das völlig anders. Superhelden gehen ihm schrecklich auf die Nerven. Das liegt daran, dass er mitten unter Superhelden lebt. Wenn die eigene Mutter ständig wie aus dem Nichts neben einem auftaucht, dann ist es auch egal, dass sie Limo mit ihrem Finger in einen Slush verwandeln kann. Und ein Vater, der sogar aus einem Supermarkteinkauf eine Superman Show machen muss und sich erst einmal ins Universum schraubt bevor er die Einmachbohnen kauft, der von ständigem Fanfarengetröte begleitet wird und dessen Konterfei von Rasierwasser- und Tütensuppenverpackungen grinst, ist einfach entsetzlich. Kann man sich vorstellen, dass man mit dem auch nicht gerne Federball spielen möchte. Ganz besonders, wenn man selbst gar keine Superkräfte hat und am liebsten ein stinknormales Dasein führen will. Denn der ganz normale Alltag findet ja trotzdem statt! So passiert es ihm wie jedem 10Jährigen, dass ihm die Eltern nicht immer zuhören, was echt zum Verzweifeln ist. Oder dass Leons Schwester ihn wie alle älteren Schwestern ständig aufziehen und ärgern muss. Das allein wäre ja schon anstrengend genug. Oder?
Zum Glück gibt es Paul, Leons besten Freund. Der umarmt zwar Bäume und spricht mit Lampenschirmen, weil er eigentlich nichts sehen kann und die für Leon oder seine Mutter hält. Paul steht aber zu Leon, egal was passiert. Blöd, dass Leon auf ein Internat geschickt werden soll – Dr. Schröders Superheldenschule. Obwohl Leon und Paul alles wagen, können sie das nicht verhindern. Leon ist sauer. Dass Solar eigentlich die echt nette Marie ist, fällt ihm darum auch erst mal gar nicht auf. Von den Superheldenkindern wird er natürlich gehänselt und belächelt. Zuerst. Denn dann entdecken Leon und Marie eine unglaubliche Sache: Die Superheldenwelt ist in Gefahr! Zum Glück ist Leon kein Superheld! Zum Glück! 

Wenn man dieses Buch liest, ist es, als säße Leon neben einem. Dafür sorgen kurze Sätze, witzige Vergleiche, abschweifende Erinnerungen und empörte Ausrufe – quasi wie in echt. Wer sich also dieses Antisuperheldenabenteuer schnappt, der hat einen sehr lebendigen 10Jährigen mit seiner unglaublichen Geschichte, aber auch mit seinen „normalen“ Alltagssorgen in seiner Bude hocken. Das macht großen Spaß und gefällt garantiert den 9- und 10jährigen Jungs, die sonst eigentlich lieber Comics lesen.
Nicht unerwähnt möchte ich die charmanten Illustrationen von Anke Kuhl lassen. Wer beispielsweise ihr Buch „Alle Kinder“ kennt, weiß was Tolles auf ihn zukommt.


2. Schurken überall –  von Frank Schmeißer


So richtig viel Glück hat Sebastian nicht mit seiner seltsamen Famile und der Schule. Zum Glück bestimmen die nur sein halbes Leben. Die andere Hälfte ist er nämlich ein Superheld – The Brain genannt, weil er ein fotografisches Gedächtnis hat. Dass er mit den abfotografierten Gehirnbildern nicht so richtig viel anfangen kann, weil er sich die falschen Gedanken darüber macht, ist ihm egal. Im Gegensatz zu seiner Mutter, der hicksenden Exopernsängerin. „Von mir hat er das nicht. In meiner Familie hat keiner Gedanken“, sagt sie und schaut Sebastian dabei enttäuscht an.
Die anderen im Superheldenteam sind „Action-Bärbel“ – die immer hipplige Barbara, die Aikido macht, was aber nicht ganz so viel nützt, weil ein AikidoKämpfer sich nur verteidigen aber niemals angreifen darf – und der ängstliche Martin, der bis zur Unsichtbarkeit Unscheinbare, genannt das Chamäleon“. Niemals sieht ihn irgendjemand. Auch nicht seine Eltern während der Schulaufführung der Theatergruppe. Statt ihm Applaus zu klatschen, meckern sie ihn an, wo er denn gewesen sei.
Und dann ist da noch Dieter, Martins unsichtbarer Freunde, der von Sebastian und ActionBärbel anstandslos als halbe Nummer des Teams anerkannt wird. Dieter ist superängstlich und sagt eigentlich nie was.
Wenn sich die dreieinhalb treffen und bei Taschenlampenschein in ihre Superheldenanzüge gestiegen sind, dann versuchen sie die Welt zu retten. Oder Frau Daffodil, die Klassenlehrerin.
Ach so: Dass es dieses Buch überhaupt gibt, ist die Schuld von Sebastians Psychater. Der will nämlich, dass Sebastian alles, wirklich alles aufschreibt, was so passiert. Eigentlich eine saublöde Idee. Welcher Superheld verrät schon seine wahre Identität? Aber dafür gibt es ja den Vertrag. Dort steht es ganz deutlich: Wer das Gelesene weitertrascht, den soll der Blitz beim Kacken treffen.

Richtig fein sind auch die kleinen Comiczeichnungen von Jörg Mühle, der der Frankfurter Ilustratorengemeinschaft „Labor“ angehört. Eine jede von ihnen hat mich zum Lachen gebracht. Zum Glück gibt es schön viele davon.

Für wen ist also dieses superlustige tolle Buch? Auf alle Fälle ist es prima zum Vorlesen. Ich bin mir sicher, 7- und 8jährige Jungs haben einen Heidenspaß den Abenteuern des Superhelden-(nun ja, wie heißt das eigentlich zwischen Trio und Quartett?)trüppchens zu lauschen. Die Vorleser beim Vorlesen sowieso. Natürlich werden sie an ganz anderen Stellen schmunzeln als ihre jungen Zuhörer.
Ansonsten ist das Buch für 9- und 10Jährige zum Selbstlesen, für Lesemuffel und für Hobbyleser gleichermaßen wunderbar. Und wahrhaft cool. Also nicht, was andere für cool halten. Sondern das echte Cool. Klar. Für Superjungs eben.
Megamöchtegernboys, Mädchennachrufer, Supermodels, iPhone, -pad und –pod Besitzer, Undercutgekrönte, Sichfüralleszugroßvorkommer, Erwachsenenspieler und Rasierwasserbenutzer können zuhause bleiben. Der Rest wird eine Menge Spaß haben. 

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Eine Weihnachtsgeschichte von mir für Euch – Die Wunschzettel

Nun ist es Abend, Zeit zum Vorlesen. Heute am 11. Dezember ist meine Geschichte "Die Wunschzettel" die Geschichte des Tages im literarischen Adventskalender "Weihnachten so wunderschön" aus dem Ueberreuter Verlag – ein fein illustriertes Buch, in dem 26 Autoren für jeden Tag des Dezembers bis zum 2. Weihnachtsfeiertag eine Geschichte erzählen. Mit Erlaubnis des Verlags möchte ich die meine hier veröffentlichen. Gemütliches Vorlesen!


Die Wunschzettel


Tom ist sechs Jahre alt. Seit dem Herbst geht er in die erste Klasse. Doch der Herbst ist lange vorbei. Weihnachten steht vor der Tür. Tom ist aufgeregt. Im letzten Jahr hatte der Weihnachtsmann ihm nämlich nur das fast richtige Geschenk gebracht. Die Murmelbahn ist nur so ähnlich wie die von Leon. Sie ist aber nicht genau so toll. Vielleicht hatte der Weihnachtsmann den Wunschzettel nicht richtig verstanden? Tom hatte sich viel Mühe damit gegeben. Er hatte jeden Holzbaustein auf seinem Bild bunt ausgemalt. Dabei malt er gar nicht gern.
Zum Glück geht Tom nun in die Schule. Die anderen in der Klasse kennen schon sechs Buchstaben. Tom kennt fast das ganze ABC. Seine Lehrerin ist sehr erstaunt darüber. Aber Tom will ganz sicher sein, dass in diesem Jahr nichts schief geht. Darum hat er wie verrückt die Buchstaben gelernt. Nun kann er seinen Wunschzettel an den Weihnachtsmann richtig schreiben. Er hat schon ein paar Mal geübt. Er weiß, das wird super gut klappen. Kein Problem.
Aber dann sagt Lea vier Wochen vor Heiligabend etwas zu Tom. Lea ist gar nicht seine Freundin. Eigentlich reden sie überhaupt nicht miteinander.
„Soll ich dir ein Geheimnis verraten?“, fragt Lea.
Tom möchte das Geheimnis von Lea nicht so gern kennen. Geheimnisse sind was für Freunde.
„Wenn du willst“, antwortet er trotzdem.
„Es gibt gar keinen Weihnachtsmann“, flüstert Lea in sein Ohr.
„Spinnst du!“ Tom ist furchtbar erschrocken.
Bestimmt ist Lea verrückt geworden. Natürlich gibt es den Weihnachtsmann! Über diesen Quatsch braucht er eigentlich gar nicht weiter nachzudenken. Aber vielleicht hatte er ja deswegen die falsche Murmelbahn bekommen? Der echte Weihnachtsmann hätte sein Bild bestimmt richtig verstanden. Vielleicht hatte jemand anderes den Wunschzettel vom Fensterbrett geholt?
„Hast du dafür Beweise?“, fragt er Lea. Nur zur Sicherheit.
„Ich hatte mir im letzten Jahr die Glitzerpuppe mit rosa Haaren gewünscht. Ich habe aber eine langweilige Stoffpuppe bekommen, die Mama ganz toll fand. Dabei hatte ich einen super perfekten Wunschzettel gemalt“, erzählt Lea.
Sie guckt Tom mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Na ja“, überlegt Tom. „Vielleicht haben wir nur fast bekommen, was wir wollten, weil wir nur fast artige Kinder waren? Vielleicht müssen wir uns mehr anstrengen und gute Taten vollbringen.“
Leas Augenbrauen rutschen wieder an die richtigen Stellen. Dann kneift sie ein bisschen die Augen zusammen.
„Das könnte sein“, gibt sie zu.
Tom und Lea gucken sich an.
„Lass uns noch etwas richtig Gutes machen“, sagt Tom. „Bevor es zu spät ist.“
„Das ist eine super Idee“, sagt Lea.
Am Wochenende versuchen Tom und Lea etwas richtig Gutes zu machen. Das ist aber gar nicht so einfach. Tom will für Mama einkaufen gehen. Aber Mama lacht nur und streicht ihm über den Kopf. Tom fragt Papa, ob er ihm am Kiosk eine Zeitung holen soll. Aber Papa sagt, dass er Zeitungen nur noch online liest. Seiner großen Schwester Nelly will Tom keinen Gefallen tun. Sie ist immer nur genervt und kneift Tom in die Wangen. Das muss der Weihnachtsmann verstehen. Darum fängt Tom an, den Zaun vor dem Haus zu streichen. 


Das hatten seine Eltern eigentlich schon im Sommer tun wollen. Deshalb stand auch die Farbe im Keller. Als er den Viertelzaun gestrichen hat, hat Tom eigentlich keine Lust mehr. Er streicht trotzdem weiter. Da kommt Mama vom Einkaufen nach Hause. Warum sie so einen schlimmen Schreikrampf bekommt, versteht Tom nicht. Erstens mag er die neue Winterjacke sowieso nicht leiden. Zweitens geht die rosa Farbe in seinem Gesicht auch irgendwann von alleine wieder ab. Tom findet auch, dass der Zaun gar nicht so schlimm aussieht, wie Papa später tut. Auch wenn die rosa Farbe gar nicht für den Zaun gedacht war.
Nach dem schlimmen Wochenende stehen Lea und Tom zusammen im Schulhof. Der Himmel über ihnen sieht aus, als würde es bald schneien.
„Gute Taten sind ganz schön schwer“, sagt Tom.
Lea nickt und guckt unglücklich. Bei ihr hat auch nichts so richtig geklappt. Sie trägt unter ihrer Jacke einen sehr seltsamen Pullover. Der ist drei Nummern zu klein und sieht aus wie ein kratziges Stück Filz. Tom wundert sich, warum Lea so etwas anzieht.
Plötzlich leuchten Leas Augen auf.
„Wir können die Hunde von alten Damen ausführen! Denen ist es bestimmt viel zu kalt zum draußen Rumlaufen“, ruft sie.
Tom fällt sofort Frau Krause mit ihrem Bello ein. Bello ist ziemlich klein. Das ist kein Problem. Als Tom am Nachmittag bei Frau Krause klingelt, guckt sie erst einmal komisch. Aber dann darf er mit Bello in den Park. Dort trifft er Lea. Sie hat auch einen Hund dabei. Der heißt Pimpf und ist ein bisschen größer als Bello. Sie laufen mit Bello und Pimpf um die Wette. Tom ist der Schnellste. Pimpf ist wirklich ganz schön groß. Dann spielen sie Verstecken. Bello versteckt sich am allerbesten. Sie brauchen zwei Stunden bis sie ihn endlich finden. Er hat sich aber auch nicht im Park versteckt, sondern in einem ganz anderen Stadtviertel. Dorthin darf Tom eigentlich gar nicht. Als er Bello zurückbringt ist Frau Krause sehr aufgeregt.
„Oh Gott, oh Gott, oh Gott! Da bist du ja wieder, mein Schatz!“, ruft sie.
Sie meint aber nicht Tom. Den guckt sie nur böse an.


Am nächsten Tag stehen Lea und Tom wieder zusammen im Schulhof. Auf Leas Nase landet eine Schneeflocke. Die ist aber nur ganz klein.
„Meinst du, das war gestern eine gute Tat?“, fragt Tom.
„Frau Schuster hat mit mir geschimpft, weil Pimpf und ich erst so spät wieder kamen“, erzählt Lea.
Tom nickt.
„Außerdem hat es im Park großen Spaß gemacht. Ich weiß nicht, ob gute Taten zählen, wenn sie großen Spaß machen“, befürchtet Lea.
„Wir müssen etwas tun, was uns keinen Spaß macht“, sagt Tom.
Obwohl er findet, dass es gestern im Park nicht die ganze Zeit Spaß gemacht hat.
„Ich kenne viele Sachen, die keinen Spaß machen“, sagt Lea.
Sie grinst Tom schief an. Das Ganze würde wahrscheinlich schrecklich ungemütlich werden. Tom grinst schief zurück.
„Ich auch“, sagt er.
Dann wird es schrecklich ungemütlich. Tom räumt drei Tage lang sein Zimmer auf. Damit es nicht wieder unordentlich werden kann, fasst er darinnen nichts mehr an. Außerdem läuft er nur noch auf Zehenspitzen. Sicher ist sicher. Zweimal am Tag putzt er sich die Zähne. Manchmal morgens und abends. Manchmal aber auch mittags oder mitten in der Nacht. Wenn er es nämlich morgens oder abends vergessen hat. Am Mittwoch duscht er und am Samstag gleich noch einmal. Sogar mit Seife. Obwohl er das Gefühl hat, dass seine Haut schon etwas dünner geworden ist. Zu Mittag isst er seinen Teller leer. Auch das grüne Gemüse. Tom wird selbst ganz grün davon. Aber er hält durch. Darum geht er auch am Sonntag mit Mama und Papa spazieren. Ganz lange und fast ohne Meckern.
Am Montag sagt Lea, dass sie genug Sachen getan hat, die keinen Spaß machen.
„Stimmt, ich auch“, sagt Tom. „Meine Mutter guckt mich schon ganz besorgt an. Manchmal fühlt sie mir auch die Stirn.“
„Meinst du, der Weihnachtsmann hat gesehen, wie wenig Spaß wir hatten?“, fragt Lea.
„Ich hoffe es“, sagt Tom.
Am nächsten Nachmittag besucht Lea Tom zuhause. Nach dem Mittagessen klettern sie auf den Dachboden. Aus seiner Geheimkiste holt Tom zwei Bögen allerfeinstes Papier.
„Siehst du, mit Goldrand. Es ist wirklich kostbar“, sagt er.
Oma hat ihm dieses Papier geschenkt, damit er ihr schöne Briefe schreiben kann. Eigentlich findet er es nicht so toll. Es hat blöde Hubbeln an denen der Stift hängen bleibt und doofe Kringel macht. Aber es ist wirklich kostbar. Oma hat vergessen, das Preisschild abzufummeln.
„Das wird den Weihnachtsmann bestimmt beeindrucken“, sagt Lea.
„Ganz bestimmt“, meint Tom.


, schreibt Tom. Sein Stift bleibt an den Hubbeln hängen und macht doofe Kringel. Es sieht trotzdem gut aus, findet er. Besonders der Goldrand. Dann hilft er Lea, weil sie erst acht Buchstaben kennt.
Da erscheint Mamas Kopf in der Luke zum Dachboden.
„Na, ihr zwei. Braucht ihr Hilfe?“
„Nö“, sagt Tom. „Alles paletti.“
Auf keinen Fall will er Mama die Wunschzettel zeigen. Er hat den Verdacht, dass Mama im letzten Jahr noch andere Geschenke auf sein Bild mit der Murmelbahn geschrieben hatte. Unter dem Baum hatten nämlich auch kratzige Pullover und langweilige Bastelbücher gelegen. Vielleicht hatte er darum die nicht so tolle Murmelbahn bekommen. Außerdem würde Mama bestimmt irgendwelche Rechtschreibfehler entdecken.


, schreibt er für Lea.
Sie legen die Zettel auf das Fensterbrett und öffnen das Fenster einen Spalt breit. Tom will wieder nach unten klettern.
„Und wenn der Wind die Wunschzettel wegpustet?“, fragt Lea.
„Dann trägt er sie zum Weihnachtsmann“, sagt Tom.
„Nein! Das machen doch die Wichtel“, erklärt Lea.
„Dann sollten wir lieber hier oben bleiben und die Zettel bewachen bis die Wichtel kommen“, sagt Tom.
Sie machen es sich in Toms Kuschelecke auf dem Dachboden gemütlich. Von hier können sie die Wunschzettel gut sehen. Tom holt eine Flasche Limo und eine angeknabberte Tafel Schokolade aus seinem Geheimversteck. Dann legt er ein Hörspiel in seinen kleinen CD-Spieler. Lea seufzt wohlig und lutscht ein Stückchen Schokolade. Zu zweit ist es hier viel schöner, denkt Tom.


Auf einmal ist das Hörspiel zu Ende und die Wunschzettel sind weg. Vielleicht war er eingeschlafen. Tom kann sich nicht erinnern. Lea schlägt die Augen auf.
„Die Wunschzettel sind weg! Hast du gesehen, wie die Wichtel sie geholt haben?“, fragt sie besorgt.
„Klar“, sagt Tom. „Es ist alles nach Plan verlaufen.“
Lea klatscht in die Hände.
„Dann kann ja nichts mehr schief gehen“, freut sie sich.
An Heiligabend ist Tom furchtbar aufgeregt. Nach dem Krippenspiel in der Kirche rennt er schnell nach Hause. Unter dem Weihnachtsbaum liegen viele Geschenke. Er hat den Weihnachtsmann doch wieder verpasst. Genau so, wie im letzten Jahr. Schade. Ob die schwarze Ritterburg dabei ist? Dann denkt Tom an Lea. Hat sie schon ihre Geschenke ausgepackt?
Endlich ist es soweit. Mama verteilt die Päckchen. Tom öffnet das Papier ganz langsam. Sein Herz klopft. Dann hält er den Karton mit der schwarzen Ritterburg zum Selbstbauen in den Händen. Schnell holt er das Telefon. Lea ist sofort am anderen Ende.
„Es hat geklappt!“, ruft sie.
„Ja, wir haben alles richtig gemacht“, freut sich Tom.
„Was meinst du, was es war? Die guten Taten oder das Artigsein ohne Spaß oder der Wunschzettel mit richtigen Buchstaben auf dem kostbaren Papier oder dass wir zusammen auf die Wichtel gewartet haben?“, fragt Lea.
„Ich weiß es nicht“, sagt Tom. „Aber eigentlich ist das ja auch egal.“
„Danke schön“, sagt Lea leise.
Tom weiß nicht, warum sich Lea bei ihm bedankt.
„Das musst du doch dem Weihnachtsmann sagen“, meint er.
„Wir könnten ihm schreiben. Auf dem kostbaren Papier mit dem Goldrand“, schlägt Lea vor.
Tom findet, das ist eine tolle Idee.
„Wollen wir morgen zusammen rodeln gehen“, fragt Lea.
„Super gern“, sagt Tom.
Vielleicht darf er ja mal auf Leas neuem super Rennschlitten fahren. Auch wenn der lila ist.
„Okay, Tschüß. Und schöne Weihnachten noch“, wünscht Lea.
„Dir auch“, sagt Tom.
Dann geht er zurück zu den anderen. Alle haben strahlende Gesichter und leuchtende Augen. Im Zimmer brennen viele Kerzen. Es duftet lecker aus der Küche. Aus den Lautsprechern klingen Weihnachtsleider. Tom summt leise mit. Er ist glücklich. Draußen vor dem Fenster fallen dicke Schneeflocken.


Montag, 25. November 2013

Durch den Kinderbuchdschungel mit dem KILIFÜ

In jedem Jahr erscheinen etwa 8000 neue Kinder- und Jugendbücher. Niemand kann so viel lesen. Aber eine gute Auswahl wird einem gemeinhin nicht leicht gemacht. In den großen Buchladenketten liegen die immergleichen Bücher sehr bekannter und von den Verlagen hochgepushter Autoren. Über die wenigen Rezensionen von Kinder- und Jugendbüchern in Tageszeitungen oder Magazinen muss man quasi stolpern. Was also tun, wenn man seinen Kindern, Enkeln, Nichten und Neffen oder dem netten Nachbarjungen mal ein gutes Buch schenken möchte?
Man könnte die Bibliothekarin der Stadtbücherei fragen. Die kennt sich aus. Auch einige kleine Buchläden sind gut bestückt und wissen gut bescheid. Manche veröffentlichen Lesetipps im Schaufenster oder im Internet. Dort findet man auch Buchblogs und Kinderbücherseiten, die viele Titel von Lesekindern lesen und besprechen lassen. Beispielsweise Lovelybooks (hier) und Bücherkinder (hier).


Doch wenn man nun nicht gerne am Rechner sitzt und lieber gemütlich auf dem Sofa mit einer Tasse Tee in den schönsten rezensierten Neuerscheinungen stöbern möchte? Dann kann man durch den KILIFÜ, den Almanach der Kinderliteratur 2013/2014, blättern.
Auf knapp 190 Seiten stellt dieser etwa 300 Kinderbücher vor. Diese sind in die Kategorien für Kleine, für Mittlere, für Große, Sachliches und für die Ohren eingeteilt. Dazwischen finden Begegnungen und Interviews mit Machern von Kinderbüchern statt (beispielsweise auf Seite 44 ein Interview mit meinem wunderbaren Kollegen Kai Lüftner). Pro Seite werden etwa 2 Bücher vorgestellt – in Bild (leider etwas dunkel geraten) und Wort.
Die Macher des jährlichen Kinderliteraturführers wollen Kinder zum Lesen verführen und stellen darum freche, überraschende, mutige, traurige, lustige, heldenhafte und manchmal auch sperrige Bücher vor. Damit hinterher niemand sagen kann: "Wie bitte? Von diesem Buch habe ich ja noch nie gehört."
Für 7.90 Euro plus 2 Euro Versand kann man den zudem sehr hübschen Almanach bestellen und zwar hier.


Und? Gibt es nichts zu meckern?
Doch! (Achtung: Frau Herden beschwert sich) Wo ist mein "Letzter Montag"? Immerhin steht der seinem Vorgänger, dem "Letzten Donnerstag", in nichts nach und der war im letzten Jahr dabei. Irgendwo steht etwas von Perlen, die sicherlich nicht gefunden wurden. Okay, somit wurde er doch erwähnt. Aber trotzdem. Im illustren Kreis der Werke meiner hochgeschätzten Kollegen, mit denen ich zusammen lese oder tolle Projekte mache, hätte der auch gerne verweilt. Na, das tut er dann ja vielleicht in den Bücherregalen der Kinderzimmer. :-).

Kleiner Nachtrag, denn ich erfuhr soeben die Wahrheit von Sandra Rudel, einer der Macherinnen des Almanachs:
"Nur erste Bände, keine Folgebände... Deshalb! Und aus ganz und gar keinem anderen Grund! Deshalb freuen wir uns nun auf Julia!"
Aha!

Dienstag, 19. November 2013

Knusprige Schokohaufen – kinderleicht und köstlich

Kennt Ihr das? Man hat eine unglaubliche Lust auf etwas Süßes, aber außer ein paar Nüssen und etwas Kuvertüre ist nichts in den Küchenschränken zu finden. So erging es mir gestern. Kurzerhand habe ich mir daraus einige köstlich knusprige Pralinen hergestellt. Nachmachen lohnt sich!


Man braucht:
eine Packung gute Vollmilch-Kuvertüre (ehrlich gesagt, schmecken nicht alle von denen, darum sollte man sich eine finden, die man mag. Das lohnt auch für alle Kuchen und Plätzchen. Ich mag am liebsten die Lindt-Kuvertüre) / ca. 2 bis 3 Handvoll Nüsse aller Arten (Haselnüsse, Mandeln, Walnüsse, Pistazien – was so da ist) / 3 bis 4 Esslöffel Haferflocken oder Müsli / Vanille (-paste (1/2 Teelöffel oder -mark aus einer halben Schote) / 1/2 Teelöffel Zimt


So geht´s:
Die Kuvertüre im Wasserbad schmelzen.
Alle Nüsse hacken.
Nüsse, Haferflocken, Zimt und Vanille in einer Schüssel mischen. So viel geschmolzene Schokolade unterheben, dass eine zähe Masse entsteht, die nicht verläuft.
Auf ein kaltes Backblech mit einem Löffel kleine Haufen portionieren. Diese erkalten und erstarren lassen, dann mit einem Messer vorsichtig vom Blech lösen.
Fertig! Lecker!
Kann man auch sehr gut mit den Kids zusammen machen.

Samstag, 9. November 2013

Frau Herden auf der Münchner Bücherschau 2013

Die Münchner Bücherschau möchte Bögen und Brücken ohne Hemmschwellen zwischen Büchern und Menschen schlagen. Und das gelingt ihr. Zum 54. Mal bietet die Schau Jedermann die Möglichkeit, ganz in Ruhe und entspannt in neuerschienenen Büchern oder Klassikern zu schmökern. Egal ob man Liebesromane, Krimis, Bastel-, Koch- oder andere Sachbücher mag. 300 Verlage stellen etwa 20.000 Bücher aus und zur Verfügung. Noch bis zum 24. November ist jeder Buchliebhaber, Buchneuling oder Büchernarr von 8 bis 23 Uhr willkommen seiner Lust zu frönen oder seiner Neugierde nachzugehen. Begleitet wird die Schau von verschiedenen Lesungen und Veranstaltungen.
Auch eine große Kinderbuchausstellung, die ein Schulprogramm rahmt, ist im Gasteig zu finden. Darum war ich dort. Denn letzten Donnerstag las ich 2 x 3 vierten und fünften Klassen aus dem "Letzten Montag" vor. Das hat mir und den Kids riesigen Spaß gemacht.
Fast hatte ich ja ein bisschen den Eindruck, dass die Stellen, die ich aus dem 2. Abenteuer von Kurt, Sandro und Tilda aka die Prinzessin lese, die "Letzten Donnerstag"-Lesung noch topt. Natürlich war das Quiz wieder ein Riesenspaß. Im Anschluss stellten mir die Kids viele, viele Fragen. Wir redeten und lachten und die Fragerunden mussten von der Organisatorin des Kinder- und Jugendprogramms Frau Edith Offermann schließlich abgebrochen werden, sonst hätten wir noch ewig gequatscht. Es gibt so Tage, da ist einfach alles perfekt. Als die Lehrerinnen – wie sonst auch, aber trotzdem – zu mir kamen und sich über meine Lesung und meine "Begeisterung" und "positive Ausstrahlung" freuten, da strahlte ich wie ein Honigkuchenpferd. Danke München! Danke Frau Offermann!
Hier noch einige Bilder:


Was gibt es Schöneres, als Jungs über Bücher reden, nachdenken, diskutieren und grübeln zu sehen?




 Vor dem Tulipan-Display war etwas Aufregendes im Gange.




Da notiert sich gerade jemand den Titel eines sehr tollen Buches, ;-).




In der Black Box finden die Lesungen statt.




Mein "Arbeitsplatz" wartete schon während ich sehr charmant von Frau Offermann angekündigt und dann mit einem großen Applaus von den Kindern begrüsst wurde.


Nach der Lesung, dem Quiz und der Fragerunde gibt es Autogramme und Fotos. Ich durfte auch viele Bücher signieren. Manchmal komme ich mir dann ein bisschen wie ein Star vor. Aber nichts geht über die strahlenden Gesichter der Kids. Hier die 5c einer Mädchenschule. Deren Lehrerin, Frau Sabine Springer, machte nicht nur die beiden Bilder von mir, sondern schrieb mir auch am Abend: "Vielen Dank für die spannende und stimmungsvolle Lesung heute Morgen. Sie haben die Schülerinnen aus der Klasse 5C des Städtischen Sophie-Scholl-Gymnasium enorm beeindruckt. Sehr viele Mädchen wünschen sich die beiden Romane zu Weihnachten."
Ist das nicht wunderbar? Ich liebe meinen Beruf. :-).



Donnerstag, 31. Oktober 2013

Halloween

Heute Nacht wandert Jack o´ Lantern also wieder suchend über die stoppligen Felder, in der Hand die Rübe mit dem leuchtenden Stück Kohle. Damit es nicht gar so dunkel sei. Beides gab ihm der Teufel, der ihn in seiner Hölle nicht hatte haben wollen. Jack hatte ihn nämlich dareinst furchtbar hereingelegt. So lautet die alte irische Legende um die Nacht vor Allerheiligen, die sie mit nach Amerika brachten. Weil es dort keine Rüben gab, wurde daraus kurzerhand der große Kürbis gemacht.
Doch das Fest hat noch viel weiter zurückliegende Ursprünge. Schon die Kelten feierten die Nacht vor dem 1. November als Beginn der kalten Winterszeit und damit als Beginn des neuen Jahres. In dem sie sich grauslich verkleideten, wollten sie dem kommenden Kargen und Harten Mores lehren.
Heute laufen kleine Hexen, Zombies und Vampire durch die Straßen und verlangen mit dem Spruch "Süßes oder Saures" nach Bonbons. Wer die Tür nicht öffnet, bekommt eventuell ein faules Ei dagegen geworfen. Obwohl, wahrscheinlich ehr nicht, denn kaum eines der Kinder weiß, was Saures eigentlich bedeuten soll. Wer spielt heute noch Streiche? Oder?


Ich liebte unsere alljährliche Halloween-Party. Bei den Freunden des Söhnchens galt sie gar als legendär. Heute ist sie eine wunderschöne Erinnerung. Allein dafür hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Sie machte aber auch riesigen Spaß!
Die Wohnung schmückte ich mit Geistern (eine Papierkugel in ein Tempo gebunden, Augen darauf gemalt und von der Decke gehängt, x 20), Spinnennetz und Knochen.
Es gab schauriges Essen, das niemand anrührte vor Grausen. Niemals werde ich die "toten Hände" vergessen: rosa Himbeerpudding in Einmalhandschuhe füllen, 3 Stunden im Kühlschrank liegen lassen, die Hände auf eine Platte legen und die Finger der Handschuhe etwas aufreißen – boah, sieht aus, wie tote Haut, super eklig!


In einem dunklen Zimmer hatte ich Kürbisse und Kerzen aufgestellt und erzählte den ängstlich zusammengerückten Kindern die Legende von Jack.
Dann spielten wir einige Spiele: Mumienwickeln, eklige Gegenstände ertasten, furchtbare Speisen kosten (man kann so viel Ekel mit Lebensmittelfarben hervorrufen, ;-))
Schließlich zogen alle um die Häuser und sammelten die Süßigkeiten humorvoller netter Menschen ein. Wenn einer nicht öffnete, veranstalteten die Kids ein lautes Konzert mit Rasseln und Tröten und Klappern vor dessen Tür. Natürlich waren alle gräulich verkleidet.


Ich entzündete derweil ein Feuer im Hinterhof und wartete als Hexe verkleidet auf die Nachbarskinder, um sie zu erschrecken und mit Bonbons zu trösten. Gleiches Recht für alle.
Später aßen noch alle eine Kürbissuppe, auch die abholenden Eltern, wir tranken einen Sekt und hatten einen schönen Abend. Am Abend war ich zwar total erschöpft, aber sehr glücklich.


Den letzteren Part werde ich heute auch machen: also, als Hexe am Feuerchen sitzen, Bonbons verteilen und mit meinen Kids Marshmallows rösten.