Donnerstag, 5. Juni 2014

Wandertag – oder: The secret knowlegde of the nature wariors – level 1

Na, wunderbar. Die dritte Mittwochs-Kolumne erscheint also bereits am Donnerstag. Tja, so ist das bei einer selbstständigen Autorin: Die hat einfach das Gefühl für die Wochentage verloren. Nichts desto trotz folgt hier ein Text, der ganz wunderbar zu freien Sonnentagen passt und im letzten Jahr im Fratz Magazin erschien.

Ein ganzes Album meiner Fotografien von der Wiese, findet Ihr hier.


Wandertag
während diese Ankündigung in der Schule zu Jubel führt, erntete ich im Zuhause nur einen mitleidigen Blick. Aber: Wandern ist gesund für Leib und Seele. Besonders für Comicleser und Computernerds. Außerdem kann man dabei entspannt die heimische Pflanzenwelt kennenlernen. Ich wollte mich nicht beirren lassen. Schon gar nicht von einem voller Unlust gezogenen Flunsch.
„Es gibt eine tolle Überraschung. Wir werden großen Spaß haben“, versprach ich.
„Wobei werden wir Spaß haben?“, fragte das heimkehrende Töchterchen.
„Wir müssen morgen wandern“, antwortete ihr Bruder. „Echt, ey! Wandern und Spaß ist ein Paradoxon.“
Ich freute ich mich über die – wahrscheinlich vererbte – Eloquenz des Söhnchens.

Am Abend vor dem großen Tag wälzte ich verschiedene Werke – den alten Schmeil aus meiner Schulzeit, einen Kosmos-Natur-Führer und das große Pfadfinderbuch. Mir war klar, allein mit einem fulminanten Picknick konnte ich mein Versprechen nicht einlösen. Darum bereitete ich ein Waldquiz vor: Bäume sollten benannt, Kräuter gesammelt, Tierlosung erkannt, eine Wetterprognose anhand des Wolkenbildes erstellt und die Himmelsrichtungen bestimmt werden. Das Übliche eben. Als ich selbst über alles bescheid wusste, legte ich mich zufrieden ins Bett. Ich beschloss, das Ganze nicht Waldquiz sondern The secret knowlegde of the nature wariors – level 1 zu nennen.

Darüber hatte ich ganz vergessen, eine Wanderstrecke rauszusuchen. Nun denn, ein netter Weg, der an einem Bächlein entlang mäandern, unter schattigen Baumkronen führen und blühende Wiesen kreuzen würde, fände sich sicherlich auch so. Zu unwegsam durfte er jedoch nicht sein, die Wanderschuhe des Söhnchens passten nicht mehr und das Töchterchen hatte gar keine.

Ich wollte mir die Laune nicht verderben lassen und schleppte meinen mit Proviant, Picknickdecke, Regenzeug, Fernglas und Quizutensilien vollgestopften Rucksack, mit dem ich normalerweise auf Fernreisen gehe, ins Auto. Dann setzte ich die muffelnden Kinder dazu. Der Morgen war nicht mehr ganz so früh, wie ich geplant hatte, eigentlich war es schon früher Nachmittag. Darum fuhr ich auch nicht so weit. Wir wollten ja in die Natur.

Die Wiese unter unserer Picknickdecke blühte, Bienchen summten, ein Bächlein murmelte und die Sonne lachte. Wir aßen Brote und sogar die Karotten- und Apfelschnitzen, wir lagen auf dem Rücken und guckten in die Wolken.
„Die sieht aus wie der Kopf einer Mantis“, murmelte das Söhnchen verträumt.
„Schau mal, die coole Dragon Fly“, sagte das Töchterchen. Wir schauten der schillernden Libelle nach. „Hey, wie ist denn die Sequoia hierher gekommen?“
„Vielleicht gab es hier mal ein Arboretum“, mutmaßte das Söhnchen.

Zum Glück fragte keiner nach der tollen Überraschung. Ich hatte die Quizfragen sowieso vergessen.
„Mamaschka, erzähl mal eine Geschichte. Irgendwas Lustiges aus der Zeit als du klein warst.“
Wir kuschelten uns zusammen. Eine Sommerböe spielte mit unseren Haaren. Ich erzählte. 
Das nächste Mal wandern wir bestimmt. 

Wer wissen möchte, wie man die Ruhe bewahrt, kann die Kolumne von letzter Woche lesen.

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