Sonntag, 16. Juni 2013

Geschichten vom Acker einer urbanen Gärtnerin

Seit mehr als sechs Wochen bin ich nun ein Urban Gardener. Just in diesem Jahr hat das Wetter nicht mitgespielt, so dass meine romantischen Träume des täglichen Ackerns und köstlichen Erntens erst einmal zu einem großen Teil ins Wasser fielen. Doch nun geht es los. Und ein bisschen geerntet habe ich auch schon.


Unsere Saisongärten auf dem Oberfeld sind nach demeter-Richtlinien bepflanzt. Das heißt, nach eben jenen darf ich auch nur handeln. Darum habe ich nicht gedüngt und hoffe, dass keine Ungeziefer ihr Unwesen treiben werden.
Einige Sorten sind schon vergangen in der Fruchtfolge. Der Spinat war köstlich. Die Radieschen waren nicht so eine Wucht: scharf und trocken, aber trotzdem völlig von Würmern zerfressen.


Der Fenchel wächst. Wir haben die Feld-Streifen bepflanzt und besät gepachtet. Ich bin sehr überrascht, wie viel Platz jede einzelne Pflanze bekommen hat. Viele andere Stadtgärtner haben dazwischen noch ordentlich nachgepflanzt und gesät. Eigentlich hätte ich das auch gern getan, denn mir will die zu erwartende Ernte so gering erscheinen. Doch wir sind drei Mädels, so dass ich das nicht allein entscheiden kann. Ich werde also in diesem Jahr viel beobachten und dann mein Wissen im nächsten Jahr anwenden.



Die Zwiebeln stehen in Reih und Glied, nur manche machen hübsche Sperenzien.


Pflücksalat ist etwas Wunderbares. Die Blätter sind zart und köstlich. Außerdem kann man ihn perfekt portionieren – man pflückt Blatt für Blatt so viel man braucht. Der Rest bleibt stehen und frisch.


Die Erbsen haben ein Rankgerüst bekommen. Sie blühen noch, weil es so lange so kalt war. Wenn die Schoten kommen, kann man diese im Ganzen essen. Lässt man sie länger an der Pflanze, verspeist man die grünen Kugeln ohne die Schale.


Ein Kürbis kämpft sich aus dem Samen durch die vom vielen Regen betonharte Erdkruste. Der viele Regen und die folgende Verdichtung der Erde hat bei manchen Pflänzchen zu Sauerstoffarmut geführt. Da hilft nur das Auflockern mit einer Hacke. Wie schön, dass mir das großen Spaß macht.


Ich freue mich schon auf den Mangold. Dann kann ich wieder diese köstliche Suppe kochen. Ich habe gesehen, dass ein Feldnachbar zusätzlich Mangold mit roten und gelben Stielen angepflanzt hat. Der sieht toll aus (also der Mangold, :-)). Das merke ich mir mal für´s nächste Jahr.


Mit unserem Kohl und auch mit dem Kohlrabi haben wir großes Pech. Krähen haben fast die gesamten Pflanzen weggefressen. Nun weiß ich auch, warum so viele andere Gärtner Netze gespannt oder funkelnde CDs aufgestellt haben.


Am letzten Donnerstag haben wir erst die Tomaten rausgesetzt. Andere machten das früher und versuchten die empfindlichen Pflanzen mit Tüten vor Wind und Kälte zu schützen. Das hat nicht überall geklappt. In der ersten Juniwoche wurde oben auf dem Feld nachts noch Frost gemessen.
Die schöne Wimpelkette hat übrigens meine Feldkollegin Kathrin genäht. Wer auch etwas von ihr genäht haben möchte, kann sie ja mal im Atelier Aufschnitt besuchen.


Eine Reihe im Feld gehört den essbaren Blumen. Kathrin freut sich schon auf den Borretsch. Der sei ganz köstlich im Salat. Er schmecke wie Gurken, darum wird er auch Gurkenkraut genannt. Obwohl  sich seine kleinen rauen Haare etwas seltsam auf der Zunge anfühlen müssen. Borretsch wächst zuhauf und eigentlich überall. Er sieht sehr schön aus, wenn er blüht.


Ein Blick in Nachbars Garten. Wann immer man herkommt, es sind immer Menschen hier und gärtnern. Das vermittelt einen großen Frieden. Und den können wir gerade alle gut gebrauchen, glaube ich.

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