Dienstag, 17. Dezember 2013

Stadtteilritter und Klappentexte

Gestern kam die Vorausschau für das Frühjahr 2014 vom Tulipan Verlag hier angetrudelt. Darüber bin ich furchtbar aufgeregt. Klar, soooo lange bin ich noch nicht dabei, als dass das Erscheinen eines neuen Buchs von mir mich nur noch müde lächeln lassen würde. Ich bin auch immer noch aufgeregt, wenn ich meine Bücher in einem Buchladen entdecke.
Das Cover meiner Stadtteilritter kannte ich ja schon, wenn auch noch nicht lange. Der Klappentext war allerdings ganz neu für mich.


Was viele vielleicht nur ahnen: Die Klappentexte meiner Bücher schreibe ich nicht selbst. Für die "Rutschbahn für die Fantasie des potentiellen Käufers" (Literaturwissenschaftler O.F.Best) ist jemand im Verlag zuständig – ein Klappentextschreiber sozusagen. Darum kann dieser Text ein Quell der Verwirrung und der Verwunderung sein. Besonders bei den Autoren. Im September gab es zur Buchmesse eine Zeit Literatur Beilage. Dort wurde sich auf 2 Seiten über Klappentexte lustig gemacht. "(Klappen)Texte sind oft von bestürzender Einfaltslosigkeit und preisen Bücher so plump an, wie man es Tütensuppen- und Tampon-Kampagnen nie durchgehen lassen würde." Aha. Gestern grübelte ich über "meinen" neuen Klappentext. Hätte ich das anders formuliert? Sicher. Aber wäre es besser gewesen? Ich weiß es nicht. 


Ein Buch, an dem man monatelang arbeitete, in fünf knappen Sätzen zusammenzufassen, will mir unmöglich erscheinen. Nicht einmal 11 lange Sätze genügen. Ein Versuch:
"Ausgerechnet als Julias einzige Schulfreundin krank im Bett liegt, stellt der Deutschlehrer die Aufgabe, eine Projektgruppe zu einer gemeinnützigen Aufgabe zu gründen. Ach, du Schreck! Also fragt Julia über das schwarze Brett, wer bei einer Bande mitmacht, die Menschen hilft und Missstände im Viertel beseitigt. Zum ersten Treffen erscheinen jedoch nur die Outsider: der lange Lulatsch, der dicke Mike Schubert, der Besserwisser und der Angeber. „Wir sind ja ein toller Trupp“, denkt Julia verzweifelt und bekommt bei dem Gedanken an das engagierte Reporterteam „Unsere schöne Stadt“ der „Klassenkönigin“ Verena Bauschmerzen. Als erstes will die Bande ein im Stadtbach ertrunkenes Schaf beerdigen. Wie bitte? Und auch die anderen Fälle erscheinen mehr als fragwürdig. Da tröstet auch die Bratwurst von Rudi, dessen Kiosk zum Bandenquartier erklärt wurde, nicht immer. "Wir sind wie Don Quijchote – tragische Stadtteilritter", denkt Paul. Doch da irrt er gewaltig.
Zwei Wochen lang erleben Julia, Mike, Ingo, Paul und Alexander spannende, komische und berührende Abenteuer in ihrem Stadtteil und geraten letztendlich in Lebensgefahr! Dass Julia und Paul (der Angeber) sich in all dem Schlamassel das erste Mal verlieben, ist da auch nicht mehr verwunderlich."
Hmh, na ja.
(Die Schafbeerdigung fiel übrigens dem Lektorat zum Opfer. Sie war wohl zu eklig. Wer sie trotzdem einmal lesen möchte, kann das hier tun: http://ah-rauschmittel.blogspot.de/p/eine-herausgestrichene-episode-die.html
Ab Frühjahr 2014 könnt Ihr dann selbst überprüfen, ob der Klappentext ein feiner ist.

Keine Kommentare:

Kommentar posten