Mittwoch, 2. Juli 2014

Frau Herden ist eine Frau – und das gerne

In meiner heutigen Mittwochskolumne wage ich mich an ein wichtiges Thema und sage: Ich bin gerne Frau und würde auch gerne mal wieder so behandelt werden. Dafür würde ich auch meine geliebte Kapuzenjacke ausziehen.



Ich bin gerne Frau. Mit allem Pipapo. Mit Begegnungen voller Zuvorkommenheit und Achtsamkeit, mit Beschütztwerden und Türaufgehaltenbekommen, mit Ausgeführtwerden und Nichtimmerbestimmenwollen (außer natürlich, wenn ich recht habe).
„Oh, ha!“, höre ich die Emanzen schimpfen. Aber die schimpfen immer mal, wenn ich etwas sage. Manchmal auch, wenn sie mich nur sehen.
Dabei hat das gar nichts mit Gleichberechtigung oder Emanzipiertsein zu tun. Ersteres erwarte ich, das zweite bin ich. Seit sechzehn Jahren erziehe ich (mit zwei knapp dreijährigen Unterbrechungen) meine Kinder alleine. Da bleibt einem gar nichts anderes übrig.
Trotzdem.

Wie schön wäre es beispielsweise, einen Anruf von einem netten Mann zu bekommen (ich ignoriere hier einmal ganz bewusst, dass dieser Anruf natürlich erst nach dem Kennenlernen eines netten Mannes erfolgen kann und spreche einfach mal aus Erfahrung), der mich auffordert, eine Tasche für drei Tage zu packen – je nach dem mit Badeanzug oder Wanderschuhen, vielleicht auch einem Buch und meinem Kleid für Gelegenheiten – und einfach damit zu warten, bis er mich abholen kommt. Alles andere sei schon organisiert.

Vielleicht bin ich etwas maßlos? Nun gut, ein Anruf von einem netten Mann, der sagt, er würde mich in einer Stunde zum Essen abholen und ich bräuchte weder das Restaurant raussuchen noch dort einen Tisch reservieren, denn das hätte er alles schon getan und das Lokal sei eine Überraschung, würde mich schon unendlich glücklich machen.
Denn so etwas kenne ich aus den Filmen der 50er und 60er Jahre. Leider nur daher.
Ich selbst habe wunderbare Freundschaften und Lieben leben dürfen. Aber immer war ich auch ein bisschen der Animateur darinnen gewesen. Dabei wollte ich das nie sein. 
„Na und?“, fragen vielleicht manche und verstehen meine Not nicht. Darum möchte ich ein Beispiel erzählen.

Einmal, es ist viele Jahre her (etwa die Zeit, aus der das Plakat von mir stammt), da wollte ich die Probe aufs Exempel machen und beweisen, dass ich für den Mann an meiner Seite oft sogar denken musste.
Wir waren eingeladen und hatten einen sehr großen Salat bereitet. Wir setzten uns damit ins Auto. Der Mann fuhr. Ich sagte nichts. Der Mann fuhr die lange Straße hinunter, durch die ganze Stadt, auf den Autobahnzubringer. Ich sagte nichts.
Kurz vor Frankfurt fragte der Mann: „Wo müssen wir noch mal hin?“
Ich sagte es ihm.
Die Adresse lag nur wenige Straßen von unserer Wohnung entfernt. Das Auto hatten wir eigentlich nur wegen des sehr großen Salats genommen.
„Warum hast du das denn nicht gleich gesagt?“, wurde ich angefahren.
Das führte letztendlich zu einem etwas lauteren Gespräch auf einem Autobahnparkplatz.
„Weißt du, manchmal ist es eben einfacher, dich zu fragen, als selbst nachzudenken“, ließ er mich ganz unverblümt wissen. Okay, nicht ganz unverblümt. Er grinste dabei. Und er hatte ein süßes Grinsen.
Versöhnt haben wir dann auch gleich noch dort auf dem Parkplatz den Salat gegessen.
Ach ja: Eingeladen hatten uns übrigens seine Freunde.


Das letzte Mal ging es um Traditionen. Das passt ja irgendwie zusammen.

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