Mittwoch, 28. Oktober 2015

Der superbesondere Ort – Völklinger Hütte mit Urban Art

Vorgestern kam ich ganz ergriffen aus dem Kino. Wir hatten den "Marsianer" gesehen und ich wollte mal wieder sofort los, Welten entdecken oder meinetwegen auch Orte auf der unseren. Mir liegt das im Blut, in den Genen, im Herzen oder wo auch immer so etwas herkommt. (Einst dachte ich ja, das wäre etwas sehr menschliches, in uns allen verankertes, heute habe ich verstanden, dass die meisten lieber Fernsehen gucken oder am Computer sitzen. Das ist sehr sehr seltsam). Lesen ist ein wunderbarer Weg, neue Orte zu entdecken, Reisen der noch bessere. Manchmal genügt sogar ein Tag.

Wir besuchten das Unesco Weltkulturerbe Völklingler Hütte. Das ist sowieso eine Reise wert, ach, was sage ich, es ist einer der magischsten Orte, die ich je sah. Momentan und noch bis zum 15. November findet dort die Urban Art Biennale 2015 statt. Besser geht es nicht.

Die Hütte wurde 1873 als Stahlwerk errichtet und gute 110 Jahre später wieder stillgelegt, heute ist sie zum Glück für uns alle Museum mit 7 km langen Wegen durch rostigen Stahl und unheimliche Hallen, zwischen Industrieruinen hindurch, unter und auf Eisenbasiliken entlang und hinauf und mitten ins Paradies hinein. Durch einen unglaublich tollen Zufall (vielleicht der Zeitpunkt am Vormittag unter der Woche?) waren wir ganz allein dort und tiefe Nebel hingen zwischen den Hochöfen. Ich lief den ganzen Weg quasi auf Zehenspitzen vor atemloser Ergriffenheit. Dazwischen dann die Kunst. Mehr geht nicht.

Doch. Mein 14-jähriger Sohn, der sich in diesem Alter befindet, da man ihn schwer begeistern kann, meinte, der Ort sei sehr sehr cool. Noch cooler wäre er allerdings gewesen, wenn wir ihn zufällig mitten im Wald gefunden hätten. Nun ja ...

















Montag, 26. Oktober 2015

Nur noch kurz eine Niesnuschel finden – zwei wunderbare Kinderbücher von Jörg Mühle


Ich möchte Euch heute von ganzem Herzen zwei Bücher empfehlen, die einfach wunderbar sind. Ich entdeckte sie bei den Laborproben, der jährlichen Ausstellung der Frankfurter Illustratoren zur Buchmesse.: 
Jörg Mühle / Nur noch kurz die Ohren kraulen (Moritz Verlag) 
sowie 
Jörg Mühle und Moni Port / Was liegt am Strand und redet undeutlich (Klett Verlag)
Es sind zwei Mitmachbücher, das erste für Kinder ab 3 Jahren und das zweite für Kinder ab 5 bis 99 Jahren.


Alle, die Kinder haben, wissen, dass es ein abendliches Ritual braucht, um die Kleinen ins Bettchen zu bewegen und wie fein Mitmachbücher funktionieren. Beide Hasenkinder (das eigene und das Häschen im Buch) sind also gebadet und im Schlafanzug und nun darf Hasenkind 1 (das eigene) Hasenkind 2 (das im Buch) ins Bettechen bringen. Das Kissen muss noch aufgeschüttelt werden, die Decke ausgebreitet, ein Küsschen gegeben und kurz die Ohren gekrault werden. Erst wenn all das getan ist, können beide Hasenkinder beruhigt einschlafen.


Alle, die Kinder haben, wissen, mit wie viel Freude diese dichten und Wortquatsch machen. Das zweite Buch animiert dazu und lässt einen lauthals lachen. Was liegt am Strand und redet undeutlich? Eine Nuschel. Was hüpft von Baum zu Baum und hat Unsinn im Kopf? Ein Streichhörnchen. Was ist braun und sitzt hinter Gittern? Eine Knastanie. Toll, oder? So geht es Seite für Seite. Natürlich muss man die Antwort zuhalten (sie steht zwar auf dem Kopf, aber man kann das natürlich trotzdem lesen) und anhand der Frage und der Illustration selbst antworten. Ein großer Spaß! Ist die letzte Seite umgeschlagen, macht man einfach selber weiter. Was hat einen Höcker und macht Krach? Ein Trommeldar (erfunden von Tilda).

Sonntag, 25. Oktober 2015

Herrliche Herbstfarfalle – mit Waldpilzen, Pastinaken und Mangold

Der Herbst überschüttet uns mit seinen Köstlichkeiten. Wir können nichts anderes tun, als sie einzusammeln, sie zuzubereiten oder zu konservieren. Und natürlich sie zu genießen.


Im Wald sammelte ich Maronen und Fichtensteinpilze, von meinem Gemüseacker holte ich Pastinaken, Mangold und Petersilie. Mit diesen Schätzen verschwand ich in meiner Küche, um kurz darauf den Herbst zu schmecken.


Das braucht man (2 Portinen):
ca. 8 mittelgroße Waldpilze, 1 Pastinake, 2 Handvoll kleingeschnittenen Mangold, 1 Handvoll kleingeschnittene Petersilie
Olivenöl und Butter
Ahornsirup
Brühe und Sahne
Pfeffer, Salz
gekochte Farfalle

So geht´s:
Die Pastinake in mundgerechte Stücke scneiden. In einer großen Pfanne 3 EL Olivenöl und 2 EL Butter erhitzen. Pastinake darin braten. Kleingeschnittene Pilze dazugeben. Eine Weile bei dreiviertel Hitze knusprig braten, 2 EL Ahornsirup dazugeben und die Mischung etwas karamellisieren lassen. Dann mit 100 ml Brühe ablöschen. Mangold und Petersilie dazugeben und unter einem Deckel etwa 10 Minuten köcheln lassen. Sahne nach Geschmack angießen, salzen und pfeffern. Zum Schluss die Farfalle untermischen.
Fertig und verdammt lecker. Guten Appetit!

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Die Mutter-Kolumne: Das hast du supertoll gemacht! – Eltern als (kritik)unfähige Kuratoren

Kennt Ihr den Papalagi? Das bist Du, das seid Ihr und wir und ich betrachtet durch die erstaunten Augen eines fiktiven Südseehäuptlings. Alltäglichkeiten, die schon immer so waren, die man einfach so macht, die doch richtig sind, erscheinen in dessen Worten plötzlich gar nicht mehr so normal und logisch, allenfalls witzig oder absurd manchmal sogar falsch. So etwas mache ich jetzt auch. Jeden Monat in der eltern.family nehme ich mir eine Selbstverständlichkeit aus dem Leben mit Kindern vor und frage mich: Klar, alle machen das so, aber wie so eigentlich?

Mir macht diese Kolumne riesigen Spaß und sie fällt mir auch nicht besonders schwer, denn ich kann einfach nur aus meinem Leben mit meinen Kindern erzählen. Irgendwie haben wir nämlich meistens alles etwas anders gemacht, als man es gemeinhin so macht.

Seit der Oktoberausgabe 2015 also in der eltern.family und immer um einen Monat versetzt auch hier. Viel Freude damit!


Das hast du supertoll gemacht –

Jahrelang bastelten und malten meine Kinder im Akkord. Die entstandenen Objekte und Bilder bekam ich geschenkt. Alle. Ich nannte sie Kunstwerke, stellte sie aus oder archivierte sie. Natürlich nicht ohne zuvor Jubelrufe ausstoßend drum herum getanzt zu sein. Wie großartig sie das gemacht hatten! Wie einmalig! Was für ganz und gar unglaubliche Künstler sie waren! Es galt doch, das Selbstbewusstsein der Kleinen zu stärken und sie zum kreativen Weitermachen zu animieren. Eine Erziehungsregel, die mir so selbstverständlich war, dass sie ausgesprochen beinahe zur Plattitüde geriet.
Regelmässig kaufte ich Rahmen und Mappen für die Gemälde und staubte vorsichtig die kleinen Knet- und Pappmachéhaufen ab, die überall im Wohnzimmer herumstanden. Tatsächlich gefielen mir die entstandenen Kunstwerke. Alle. Alle?
Zugegeben, hin und wieder schob ich eines der seltsameren Gebilde aus der vordersten Reihe hinter die Bücher. Das fiel den kleinen Argusaugen jedoch sofort auf. „Wo ist denn mein Nageligel (ersatzweise: mein Salzteighandy, meine Monstermaske)?“ Schuldbewusst murmelte ich etwas von „sauber gemacht“, „fotografiert“ oder „Omi und Opo gezeigt“ und rückte das entsprechende Artefakt an seinen angestammten Platz.
Irgendwann entdeckte ich einige Skizzen meiner Tochter – zusammengeknüllt und wegschmissen. Entsetzt kramte ich die Werke aus dem Mülleimer und glättete sie. Es waren Portraits verschiedener Filmstars. „Die sind doch total schön!“, rief ich.
„Mama, hör auf, im Müll zu wühlen. Ich finde sie nicht gut, okay?“, erwiderte die 12-Jährige.
Erschüttert schlich ich aus ihrem Zimmer. Und erst in dem Moment wurde mir bewusst, dass das breite Kinderstrahlen ob meiner Lobhuddelei irgendwann zu einem Mundwinkelzucken verkommen war.
Das Fass zum Überlaufen brachte ein aus Versehen erlauschter Satz, den mein damals 9-jähriger Sohn seinem Kumpel zuraunte. „Meine Mama hat nicht so einen guten Geschmack. Die findet alles toll, was ich gemacht habe. Sogar das Strumpfhosenwürmchen, das wir im Kindergarten basteln mussten.“ Giggelnd rannten die frechen Kerle davon.
Kurzentschlossen packte ich die von den Händen meiner Kinder produzierten Staubfänger in eine Kiste. Nur einige ganz besondere Stücke ließ ich stehen. Ich sah mich zufrieden um und atmete erleichtert auf.
„Hey, du hast ja mal aufgeräumt“, sagte das vorbeirauschende Töchterchen. „Sieht toll aus.“
Später zeigte sie mir eine nahezu perfekte Bleistiftskizze von Jack Sparrow.
„Super schön“, staunte ich.
„Ach, das sagst du doch immer. Du findest doch alles toll, weil du meine Mutter bist.“
„Nein, nein, wirklich, die ist super schön. Das fände ich auch, wenn wir nicht verwandt wären“, beteuerte ich.
Ihr Zucken im Mundwinkel wurde beinahe ein echtes Lächeln.
Mein Sohn hat außer im Kunstunterricht nie wieder einen Stift in die Hand genommen oder irgendetwas gebastelt. „So was interessiert mich einfach nicht“, erklärte er. „Aber gestern bin ich im Ranking drei Plätze aufgestiegen (Anmerkung: Das hat irgendwas mit Online-Computer-Spielen zu tun.) Doch das interessiert dich ja nicht.“
Darüber muss ich jetzt erst einmal nachdenken.

Freitag, 16. Oktober 2015

Fernsehdreh auf der Buchmesse 2016

Es gibt Momente, da schaut man sich im Spiegel an und denkt: "Hey Baby, du siehst ja toll aus!" Dann putzt man sich die Zähne und geht allein ins Bett.
Und dann gibt es jene, da hängte man lieber ein Handtuch zwischen sich und sein Abbild. Nun ja, die sind dann oft der Morgen von Tagen, an denen man meistens etwas sehr sehr Wichtiges in aller Öffentlichkeit vorhat. Zum Beispiel einen kleinen Fernsehdreh auf der Buchmesse. Leider bin ich keine Kamerafrau.
Doch das Leben ist immer und immer wieder unglaublich. Ich hatte mich also drei Mal umgezogen, war völlig hin und her gerissen zwischen elegant (nun ja), verspielt (so als Kinderbuchautorin doch völlig legitim, oder?), sexy (toller Witz) und lässig. Es wurde dann das Lieblingskleid, das eigentlich in die Wäsche gehört hätte. Und wisst Ihr was? Es war gar nicht wichtig. Ich habe auf der Messe sehr nette Leute und Kollegen getroffen, den Fernsehdreh absolviert, einige Verlagsgespräche geführt und mich abends auf der legendären Fischerparty zwischen lauter berühmten Leuten etwas betrunken. Es wäre völlig egal gewesen, was ich dabei trug. Obwohl. Drei Leute meinten, ich hätte ein schönes Kleid an.

Morgens halb elf am Fischer Verlag-Stand voller ehrwürdiger und berühmter Autoren. Das Fernsehen kommt also. Meinetwegen (sic).
"Hallo, ich bin die Kamerafrau. Du kennst mich nicht, aber ich dich." (Ein gemeinsamer Freund brach das sowieso nicht vorhandene Eis. Wir lachen sofort.)
"Ach, das ist toll, Sie sind ja eine richtig fröhliche Frau, die so strahlend lacht. Das müssen wir unbedingt mit der Kamera einfangen."


"Ein Kleid mit Fischen drauf. Wie passend."
"Ähm, diese Frisur, also, sollte ich mich vielleicht noch mal kämmen?"
"Die Frisur ist doch toll." (Ach, ja?)
"So wir räumen das hier mal alles, alles weg, und das hier auch noch, und dann arrangieren wir viele Ihrer Bücher darauf und dann läufst du in weiten Kreisen um Frau Herden herum." (Viele Male. Erwähnte ich die echten Stars im Hintergr.... ähm, am Stand? Es war mir alles etwas peinlich.)


"Wie viel wiegt denn diese Kamera?"
"12 Kilogramm."
"Und jetzt noch mal so."
"Nun von links."
"Vielleicht noch mal von rechts."
"Und noch mal von hinten."
"Mach das noch mal mit dem Blättern."
15 Minuten Stromausfall.


"Und jetzt machen Sie doch mal etwas, was Sie immer so am Messestand Ihres Verlags machen."
"Ähm, ... rumsitzen, ausruhen, Kaffee trinken?!
"Nein, mit Ihrer Lektorin."
"Nun ja ... rumsitzen, ausruhen, Kaffee trinken und dabei lachen?"
"Spielen Sie doch einfach mal eine nette Szene zusammen."
"Damit hatte ich nicht gerechnet, dass ich heute fürs Fernsehen gefilmt werde."
"Kann man uns hören, oder können wir Quatsch reden?"

Nach einer guten Stunde waren die 1,5 Minuten Sendezeit im Kasten. hr Fernsehen, Hessenschau kompakt